Ein archäologisches Puzzlespiel

Petershagen. Die archäologische Neuentdeckung in Döhren vom letzten Sonntag entwickelt sich zunehmend zum Puzzlespiel. Daniel Bake und Willi Köster von der Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke (GeFBdML) hatten auf einer Geländekuppe im Raum Döhren Hinweise auf ein Gräberfeld entdeckt. Anhand von schwarzen Verfärbungen im Boden, Keramikscherben, verbrannte Knochen – dem sogenannten Leichenbrand – und in einem Befund auch einer Klinge aus Feuerstein, konnten die beiden dann ein zerstörtes Urnengrab und sechs mutmaßliche sogenannte Brandschüttungsgräber dokumentieren.

Informiert wurde daraufhin die Außenstelle der LWL-Archäologie für Westfalen, die am Montag auch gleich ein Team zur Überprüfung der Fundstelle nach Döhren schickte. Das jedoch interpretierte den Fundbereich als Boden, der vor nicht allzu langer Zeit irgendwo anders abgegraben und an der Fundstelle abgekippt worden sei. Damit wären die Funde nur per Zufall an die jetzige Fundstelle gelangt.

Schon am Montag hatten die beiden Entdecker Bedenken hinsichtlich eines möglichen Bodenauftrags im Bereich der Kuppe. Es folgten Bemühungen von Daniel Bake, mehr über möglicherweise umgelagerten Boden und dessen Herkunft in Erfahrung zu bringen – mit Erfolg. Döhrens Ortsheimatpfleger Bernd Wingender konnte bestätigen, dass Bodenmaterial vom Aushub des Schleusenkanals von einer Stelle unterhalb der Windheimer Schleuse auf den betreffenden Acker transportiert worden war, um dort die Bodenqualität für die landwirtschaftliche Nutzung zu verbessern.

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Diese Information wiederum weckte das Interesse des “Betriebsgeologen” des Petershäger Anzeigers. Schon auf den Luftbildern, die wir am Sonntag von dem betreffenden Acker gemacht hatten, waren trotz nicht unbedingt günstiger Lichtverhältnisse Farbunterschiede zu erkennen, die auf räumlich wechselnde Bodenbeschaffenheiten schließen ließen. Eine Überprüfung vor Ort am Mittwoch bestätigte den Befund.

Das an der Weser abgegrabene Material und auf den Acker gekippte Material stammt geologisch gesehen aus der Niederterrasse der Weser. Zum Zweck einer Bodenverbesserung kommt hier insbesondere der Auelehm in Frage, der im Wesertal die aus der letzten Kaltzeit stammenden Kiessande überdeckt. Und in der Tat wurden auf dem Acker entsprechender Lehm flächig aufgefunden, eingestreut auch immer wieder Kiesgerölle (für Fachleute: Buntsandstein, Muschelkalk, Kieselschiefer), die eine eindeutige Herkunft dieses Materials aus dem Wesertal und damit eine Umlagerung belegen.

Allerdings reicht dieses aufgeschüttete Material auf dem Acker längst nicht bis an die archäologische Fundstelle nahe dem Top der Kuppe heran. In diesem Bereich hat der Pflug helle Sande aus der vorletzten Kaltzeit an die Oberfläche befördert, die im Raum Seelenfeld-Neuenknick weit verbreitet sind und im Kalksandsteinwerk Seelenfeld abgebaut werden. Hier wurden weder Kiesgerölle noch Auelehm nachgewiesen. Demnach könnten die archäologischen Funde doch zum Fundort gehören.

Wir hätten diesen Befund gern schon heute an den zuständigen Archäologen des Landschaftsverbandes weitergegeben, doch ist der leider erst am Montag wieder im Büro erreichbar. Wir sind gespannt, wie diese Geschichte weiter geht.

Text und Fotos: Dietmar Meier