„Ein attraktives und wohnliches Zuhause schaffen“

Heimsen. 7500 Quadratmeter Tapete, 3800 Quadratmeter Gipskarton, 500 Quadratmeter Wand- und Bodenfliesen, 120 Fenster und rund 25.000 Arbeitsstunden wurden benötigt, um die AMEOS Eingliederung Gut Neuhof den modernen Anforderungen anzupassen. Fünf Jahre dauerten die Umbauarbeiten an, bevor kürzlich der symbolische Schlüssel vom Architekten an Einrichtungsleiterin Monika Ziemek übergeben wurde.

Neues Gesetz erfordert Umbau

Das mehrjährige Bauprojekt war aufgrund des Wohn- und Teilhabegesetzes (WTG) und der Brandschutzvorgaben erforderlich. Das WTG schreibt vor, dass mindestens 80 Prozent der Einrichtungszimmer als Einzelzimmer mit mindestens 14 Quadratmetern Fläche zur Verfügung stehen müssen. Zuvor waren deutlich mehr Doppelzimmer vorhanden. Zusätzlich wurden auch bestehende Einzelzimmer vergrößert, um jetzt dem modernen Standard zu entsprechen. 

Seit 2003 befindet sich im Gut Neuhof die AMEOS Eingliederung, die betreuungsbedürftige, suchtkranke und psychisch kranke Menschen behandelt. Das Haus ist auf 117 Plätze ausgelegt und stellt Hilfeleistungen für Menschen mit chronischen Abhängigkeitserkrankungen, psychischen Erkrankungen, Doppeldiagnosen oder Mehrfachbehinderungen bereit. Für Bewohner mit höherem Grad an Eigenständigkeit sind auch Appartements verfügbar. Die Bewohner haben die Möglichkeit, ihre Zimmer entsprechend nach individuellen Wünschen einzurichten und zu gestalten. Nach vorheriger Absprache dürfen auch kleinere Haustiere auf Gut Neuhof gehalten werden.

Die einzelnen Wohnbereiche sind auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Bewohner ausgerichtet. Individuelle Unterstützung und Begleitung erleichtert den Bewohnern die Integration in die Gruppe. Die Bezugsbetreuer helfen dabei, Probleme zu lösen und erste Schritte in den Alltag zu wagen. Der Aufbau einer langfristigen und eigenständigen Lebensperspektive wird unter anderem durch die Möglichkeit unterstützt, im Rahmen des betreuten Einzelwohnens auch in der näheren Umgebung von Gut Neuhof zu wohnen. Die Bewohner leben dort selbstständig und werden entsprechend ihres individuellen Bedarfs durch die Mitarbeiter der Einrichtung begleitet.   

Im Rahmen ergotherapeutischer Angebote werden grundlegende Fertigkeiten gefördert. Dabei wird die Leistungsfähigkeit der Bewohner berücksichtigt. Es können Angebote in den Bereichen Handwerk, Gartenpflege, Hauswirtschaft, Holzbearbeitung und künstlerische Gestaltung wahrgenommen werden.

„Die Umbaumaßnahmen haben uns sehr gefordert“, blickt Michael Dieckmann, Mitglied des Vorstandes der AMEOS Gruppe, zurück. „Wir haben lange überlegt, wie wir das 420 Jahre alte Gebäude umbauen können, und wie es finanziert werden kann. Letzendlich haben wir alles erfolgreich abgeschlossen.“

Eigentümer investierte

Einen großen Anteil daran hatte auch Enno Poets, Eigentümer des Guts Neuhof, der mit 1,5 Millionen Euro den größten Anteil der Umbauarbeiten finanziert hat. Die AMEOS Gruppe investierte weitere 0,5 Millionen Euro. Darüber, dass der Zeitplan (Beginn 2014) eingehalten werden konnte, waren alle Beteiligten froh, denn die Arbeiten erfolgten neben dem regulären Einrichtungsbetriebs. „Das war schon ein besonderes Projekt, bei dem das Logistikkonzept besonders wichtig war, um den täglichen Betrieb aufrecht zu erhalten“, kommentierte Architekt Bernd Perner. Eine weitere Herausforderung war das Haupthaus, bei dem neben dem Brandschutz auch der Denkmalschutz eingehalten werden musste. Um wie vorgeschrieben zwei Fluchtwege pro Gebäude zu gewährleisten, wurden am Haupthaus zwei Etagen an die Treppe im Außenbereich angeschlossen. 

Eine besondere Schwierigkeit bei der Renovierung des 420 Jahre alten Gebäudes war, dass es keinerlei Dokumentation aus der Bauphase gibt. Es ist nicht notiert, wo Wasserleitungen verlaufen, wie der Grundriss aussieht und wo Kabel in den Wänden liegen. „Sobald wir eine Wand geöffnet hatten, sah es meistens anders aus, als wir erwartet hatten“, berichtet Generalunternehmer Thomas Gräper.

Bewohner helfen mit

Auch für die Bewohnerinnen und Bewohner waren die Umbauarbeiten eine besondere Herausforderung, bei der Stress möglichst vermieden werden musste. Die Zimmer sind für die Bewohnerinnen und Bewohner von besonderer Bedeutung, wie Einrichtungsdirektorin Monika Ziemek berichtete. Bei der Neugestaltung der Caferia im Stil eines amerikanischen Diners konnten alle mit anfassen. Bei diesem Projekt haben die Bewohnerinnen und Bewohner aktiv mitgearbeitet und den Raum mitrenoviert. Nach der fünfjährigen Bauphase sind sich am Ende alle einig: „Wir sind froh, jetzt fertig zu sein!“

Text und Fotos: Krischi Meier