Ein Naturparadies aus zweiter Hand

Ovenstädt (ddm). Wenn man von Ovenstädt nach Hävern fährt, fällt linkerhand im Kiesteich eine große, flach über den Wasserspiegel ragende Halbinsel ins Auge, auf die nur eine schmale Landbrücke führt. Die Abgrabungstätigkeit in diesem Bereich wurde kürzlich beendet und besonders bei sonnigem Wetter tummeln sich auf der Sandfläche oft schon zahlreiche Wasservögel. 

Dass das östliche Ende der Halbinsel bereits begrünt ist, läßt sich von der Straße aus erkennen. Aber erst aus der Vogelperspektive wird deutlich, dass hier offensichtlich ein Landschaftsplaner seine Hand im Spiel hatte und eine abwechslungsreiche Struktur mit Rinnen und Vertiefungen entworfen hat. In der Folge der Abgrabungstätigkeit entsteht hier, gegenüber dem Naturschutzgebiet „Mittelweser“ gelegen, ein weiteres Naturparadies aus zweiter Hand.

Seit den 1950er Jahren gewinnt die Ovenstädter Kiesgruben GmbH im Bereich zwischen Ovenstädt und Hävern Kies und Sand aus der Niederterrasse der Weser. Da der Grundwasserspiegel im Wesertal hoch ansteht, haben sich die Abbauflächen, die vorher landwirtschaftlich genutzt wurden, auch in diesem Bereich größtenteils in Wasserflächen verwandelt. Das heimische Familienunternehmen hat dabei von Anfang an große Anstrengungen unternommen, um die landschaftlichen Veränderungen so gut wie möglich zum Nutzen der Natur zu gestalten, dabei aber auch Interessen der Menschen vor Ort im Blick gehabt. So ist etwa an einem Kiesteich eine Badestelle angelegt worden, die der 1999 gegründeten Badeseegemeinschaft Ovenstädt-Hävern zur Verfügung steht.

Neben vielen anderen Maßnahmen, die der Natur im Verlauf der Jahre bereits zugute gekommen sind, bildet die gezeigte Halbinsel ein weiteres Glanzstück. Dazu trägt schon deren Größe bei, die für Kiesteiche in der Umgebung durchaus ungewöhnlich ist. Zur weiteren Aufwertung kommen noch die anfangs genannten Gestaltungsmaßnahmen hinzu, die am Ostende der Halbinsel bereits umgesetzt sind. So wie in diesem schon fertiggestellten Abschnitt soll die Halbinsel künftig insgesamt aussehen, auch was den Bewuchs anbelangt.

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Fotos: Dietmar Meier

In den Böschungsbereichen des Kiesteiches setzt das Unternehmen bereits jetzt auf naturnahe Pflegemaßnahmen und vierbeinige Helfer: Statt einer aufwendigen maschinellen Pflege sorgt eine Gruppe von Hereford Rindern in Freilandhaltung dafür, dass nicht nur das Gras auf den Flächen kurz gehalten wird – ähnlich wie in der Windheimer Marsch, wo die Biologische Station Minden-Lübbecke dieses Konzept mit schottischen Hochlandrindern verfolgt. Wo sich ohne entsprechende Pflege sonst nach wenigen Jahren Gehölze ausbreiten würden, bewirkt der Verbiss durch die Rinder nicht nur die Offenhaltung der Gewässerufer, sondern fördert auch die Entwicklung vielfältiger Pionierstandorte für die Flora und damit die Entwicklung einer halboffenen Auenlandschaft. Solche Standorte wiederum sind ideal für Wat- und Wasservögel in der Weseraue. Unter denen hat sich das entstehende kleine Inselparadies ganz offensichtlich schon jetzt rumgesprochen.