Freitag, 23. Februar 2024

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Ein neuer Arzt in Friedewalde

Das neue Jahr 2023 beginnt für Friedewalde mit einer schönen Nachricht: Die ärztliche Versorgung ist gesichert.
Der neue Friedewalder Arzt Alexander Thiel. Foto: Jürgen Krüger

Friedewalde (jk). Das neue Jahr 2023 beginnt für Friedewalde mit einer schönen Nachricht: Die ärztliche Versorgung ist gesichert. Alexander Thiel heißt der neue Arzt, wohnt in Hibben bei Stolzenau und ist gekommen, um zu bleiben. Das sagt der 52-Jährige zumindest. „Ich strebe keine weitere berufliche Veränderung mehr an und möchte meine Laufbahn in Friedewalde beenden”, so der Mediziner. Das freut sicherlich die vielen Patienten, aber auch die beiden Medizinischen Fachangestellten Katy Laschewski und Heike Krömer. Die beiden Arzthelferinnen, wie ihr Beruf früher hieß, behalten damit ihren Job, nachdem sich Ärztin Olga Wiens nach zwanzig Jahren zum Jahresende 2022 zurückgezogen hatte.

Von Uchte aus in die Schweiz

Alexander Thiel ist im Harz geboren, genauer gesagt in Clausthal-Zellerfeld, studierte Medizin in Göttingen, machte eine Facharztausbildung an weiteren Universitäten und zusätzlich noch eine hausärztliche Ausbildung in Rehburg-Loccum. Im Jahr 1999 ließ er sich als hausärztlicher Internist in Uchte nieder. Dreizehn Jahre später zog es ihn „aus familiären Gründen“ gemeinsam mit Tochter Paula in die Schweiz. Dort lebten sie in Hettlingen, einem Dorf in der Nähe von Winterthur. „Ich habe in der Schweiz einerseits eine eigene Praxis geführt, anderseits war ich Gastdozent an der psychiatrischen Unklinik Zürich”, sagt der neue Friedewalder Arzt. „Ich habe relativ früh, schon während meiner Ausbildung, gemerkt, dass viele unserer Patienten auch psychosomatisch krank sind. Das hat mich dazu bewogen, mich zusätzlich zum Facharzt für Psychosomatik und Psychotherapie ausbilden zu lassen.” Das sind dann drei Standbeine: Allgemeine innere Medizin, Psychosomatik und Psychotherapie sowie Notfall- und Rettungsmedizin.

Wieder zurück in den Harz

Nach zehn Jahren in der Schweiz entschieden sich Alexander Thiel und seine Tochter Paula unabhängig voneinander, nach Deutschland zurückzukehren. Er hatte ein „attraktives Angebot” der Median-Gruppe in Bad Salzuflen erhalten, das sich aber dann während der Corona-Zeit „zerschlagen hat”. Zeitgleich übernahm er die hausärzliche Vertretung für seine Schwester, die eine Praxis im Harz betreibt. „Ich habe die vergangenen anderthalb Jahren als leitender Notarzt im Harz gearbeitet”, beschreibt Alexander Thiel. Es gibt aber noch einen anderen Grund, warum der Mediziner der Schweiz den Rücken kehrte: „Ausländerfeindlichkeit – insbesondere gegenüber Deutschen und besonders ausgeprägt in der deutschen Schweiz nordöstlich von Zürich.” So habe ihn beispielsweise ein Nachbar, dem er eine Zusammenarbeit beim Rasenmähen angeboten habe, mit den Worten abgebügelt: „Mit deutschen Nazischweinen mache ich keine Geschäfte.” Zwar sei diese Situation nicht ausschlaggebend für den Rückzug gewesen, aber immerhin ein prägendes Beispiel. „Um Leib und Leben habe ich aber nicht fürchten müssen”, schränkt Alexander Thiel ein.

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Tochter Paula in den Startlöchern

Als er erfahren hat, dass Olga Wiens ihre Zulassung zum Jahresende 2022 zurückgeben wird, habe er keine Sekunde gezögert und sich sofort darum bemüht, die Praxis zu übernehmen. Und nicht nur das. Auch die jetzt 23-jährige Tochter Paula, die momentan in Köln Medizin studiert, zeige großes Interesse, später einmal zunächst an die Seite ihres Vaters zu treten und vielleicht sogar die Praxis weiterzuführen. Sollte das so kommen, dann bräuchten sich die Friedewalder um ihre ärzliche Versorgung in den nächsten Jahrzehnten keine Sorgen mehr zu machen. „Sie möchte den letzten Teil ihrer Facharztausbildung hier in der Praxis in Friedewalde machen”, verrät Alexander Thiel.
Eine Woche lang hospitierte Alexander Thiel bei Olga Wiens und lernte somit auch die Arbeitsweise von Heike Krömer und Katy Laschewski kennen. „Ich bin absolut beeindruckt, wie die beiden dem Arzt zuarbeiten. Das ist nahezu perfekt und war mit ausschlagebend für die Entscheidung, mich hier niederlassen zu wollen”, lobt Alexander Thiel. „Dass ich irgendwann eine Hausarztpraxis auf dem Land betreiben möchte, stand für mich aber schon bei der Rückkehr aus der Schweiz fest.” Die langjährige Freundschaft zur Familie des Friedewalder Tierarztes Stephan Böttcher sei ein weiteres Argument gewesen, sich für Friedewalde zu entscheiden.

Verstehen sich gut: Heike Krömer (links) und Katy Laschewski, hier an ihrem Arbeitsplatz in der Praxis. Foto: Jürgen Krüger

Katy Laschewski und Heike Krömer assistieren

Heike Krömer (57) ist gelernte Arzthelferin und arbeitet seit anderthalb Jahren an der Seite von Katy Laschewski (45), die seit fünf Jahren in der Praxis in Friedewalde angestellt ist und neben ihrer Ausbildung zur MFA zusätzlich gelernte Krankenschwester ist. Sie hat lange im Klinikum Stolzenau in der Notaufnahme gearbeitet. Zunächst werde sich nichts ändern, im späteren Jahresverlauf könnte es kleinere Korrekturen bei den Öffnungszeiten geben, wie Heike Krömer und Katy Laschewski sagen. Die meisten Patienten wollten bleiben. Das zeige sich auch im Terminkalender, der für Januar schon ausgebucht war. Dennoch nehme die neue Praxis weitere, neue Patienten an. Alexander Thiel freut sich sehr auf seine künftige Arbeit und auf die Hausbesuche, bei denen ihn Katy Laschweski zunächst begleiten wird. Bezüglich vorrangig zu behandelnder Notfälle macht er eine klare Ansage: „Es sollte sich um tatsächliche Notfälle handeln, und nicht etwa um einen Schnupfen. Sollte jemand die Notfallregelung missbrauchen, dann werden wir sofort die Patientenakten aushändigen und uns von ihm oder ihr trennen.”

Gelernter KFZ-Mechaniker mit zwei Doktortiteln

Im Grunde könnte die Geschichte hier enden, wären da nicht weitere bemerkenswerte Aspekte im Leben von Alexander Thiel. Einmal trägt er zwei Doktortitel, einen medizinischen (Dr. med.) und einen naturwissenschaftlichen (Dr. rer. nat.). Zum anderen ist er Motorsportler, Langstrecke sowohl mit dem Motorrad als auch mit dem Auto. Diese Leidenschaft teilt er übrigens mit seiner Tochter. Das Benzin im Blut stammt sicherlich aus der Zeit vor seiner medizinischen Karriere, denn Alexander Thiel ist gelernter KFZ-Mechaniker. „Schwerpunkt LKW und Landmaschinen”, ergänzt er. Denn nach seiner Lehre im Harz verpflichtete sich Alexander Thiel zunächst bei der Bundeswehr und war von 1988 bis 1990 in Afghanistan stationiert. „Von 86 Kameraden sind damals nur 46 lebend nach Deutschland zurück gekehrt”, sagt er. „Das war eine heftige Zeit.” Und das erklärt vielleicht auch die klare Ansage, warum er „vorgetäuschte” Notfälle nicht toleriert.

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