Waldflächen im nördlichen Stadtgebiet im Herbst, Blickrichtung siehe Karte. Die Ortschaft links oben im Bild ist Wasserstraße. Luftbild: Dr. Dietmar Meier, Karte Openstreetmap, Lage des NSG Kreis Minden-Lübbecke.

Ein Spazier-Paradies

Wasserstraße (ddm). Den Heisterholzer Forst kennen höchstwahrscheinlich alle Petershäger als das zusammenhängende Waldgebiet in der Stadt Petershagen. Weniger vertraut dürfte hingegen sein, dass es auch im Norden der Stadt Petershagen reizvolle Waldbereiche gibt. 

Mit der Überschrift „Wohnen, wo andere Urlaub machen“ haben wir im letzten Anzeiger offensichtlich ein Gefühl getroffen, dass viele Mitbürger aus dem Stadtgebiet teilen. Auf dem Stückchen Erde, das sich heute Stadt Petershagen nennt, hat die Natur eine reizvolle Landschaft geformt, in der es sich wahrlich gut leben lässt. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass man angesichts der Größe des Stadtgebietes meist nur mit der Umgebung der eigenen Ortschaft wirklich vertraut ist. Wie viele Wietersheimer kennen wohl die schönsten Ecken rund um Schlüsselburg oder rund um Friedewalde? Deswegen folgen wir gern einer Anregung, die wir zu dem anfangs genannten Beitrag erhalten haben. Beginnend mit dieser Ausgabe möchten wir künftig in unregelmäßiger Folge attraktive „Ecken“ unseres Stadtgebiet etwas näher vorstellen. 

Wer auf der B482 Richtung Norden unterwegs ist, verlässt mit dem Überqueren der Bahnlinie zwischen den Abfahrten Döhren und Neuenknick geographisch gesehen das Wesertal, leicht erkennbar am Anstieg des Geländes. Bis kurz vor Wasserstraße führt die Bundesstraße in der Folge durch eine etwas höher gelegene, flachwellige Geestlandschaft. Schon vom Parkplatz oberhalb Döhren an wird die Bundesstrasse auf der Westseite von einem Waldstreifen flankiert. Östlich der Straße erschließt sich im Dreieck zwischen Seelenfeld, Wasserstraße und Loccum ein zusammenhängendes Waldgebiet, das auf niedersächsischer Seite seine Fortsetzung findet (siehe Karte, Waldflächen in grün dargestellt). Dazu findet sich darin mit dem Naturschutzgebiet „Im Klosterforst“ (rot umrahmt) auch noch ein kleines naturkundliches Juwel.Geprägt wurde dieser Landschaftsteil, als während der vorletzten Kaltzeit gewaltige Gletscher von Skandinavien aus bis in unsere Region vorgestoßen waren. Damals machte die Gletscherfront über längere Zeit knapp nördlich unseres Stadtgebietes Station. Aus dem vom Eis mitgeführten Gesteinsschutt spülte Schmelzwasser den feinen Sand aus und lagerte diesen im Gletschervorland als Decke auf dem Untergrund ab und schüttete örtlich sogar Sandrücken auf, wie den Lusebrink oder den Büchenberg in Neuenknick. Bis auf die Höhe von Seelenfeld-Neuenknick ist der Boden in diesem Gebiet folglich sehr sandig ausgebildet und entsprechend weniger fruchtbar als in der Wesermarsch. Damit erklären sich auch der Begriff Geest, der sich von den niederdeutschen Adjektiven gest und güst („trocken“, „unfruchtbar“) ableitet, und die Bezeichnungen Seelenfelder und Loccumer Heide. Bedingt durch den leichten Sandboden ist der Wald in dem genannten Bereich vorwiegend von Nadelhölzern (Fichten, Kiefern) geprägt, untergeordnet kommt Laubwald mit Eschen, Buchen und Eichen vor. Neben Waldgebieten im unmittelbar angrenzenden Niedersachsen gehört ein etwa 200 Hektar großes Teilstück des Waldgebietes auch auf der nordrhein-westfälischen Seite dem Kloster Loccum und wird vom eigenen Forstbetrieb des Klosters bewirtschaftet. Die übrigen, im Privatbesitz befindlichen Waldflächen werden von der Forstbetriebsgemeinschaft Petershagen-Hille betreut. Das etwa 33 Hektar große Naturschutzgebiet „Im Klosterforst“ bezieht seine ökologische Bedeutung aus dem kleinräumigen Nebeneinander unterschiedlicher Lebensräume. So findet man hier Feuchtgrünland, das von Waldflächen umschlossen wird, wie unser Luftbild zeigt. Kleine, naturnahe Quellbäche (Mühlenbach und Beginn des Rottbaches) sorgen in ihren Auenbereichen sowohl im Grünland als auch in den Waldbereichen für feuchte Flächen. Eine Besonderheit stellt dazu ein kleiner Hochmoorrest dar, auf dem unter anderem Sonnentau nachgewiesen wurde. Andererseits sorgen Sandrücken innerhalb des Waldes für trockene Lebensräume. Hier waren ehemals Heideflächen verbreitet, die durch die Übernutzung der Wälder entstanden sind. An den Wegrändern kommen auch heute noch Pflanzenarten der Heide reliktisch vor. Verglichen mit dem Grad der Schädigung des Waldes auf dem Kamm des Weser-Wiehengebirges stellen sich die Verhältnisse im nördlichen Stadtgebiet von Petershagen nach Einschätzung von Förster Markus Uhr deutlich besser da. Allerdings hat der Borkenkäfer die Fichtenbestände auch hier kräftig in Mitleidenschaft gezogen, wie Klosterförster FAR Karsten Sierk aus seinem Revier berichtet. Unabhängig davon eröffnen das Waldgebiet und seine Umgebung reizvolle Möglichkeiten, einmal durchzuschnaufen und die Seele baumeln zu lassen, ob zu Fuß, auf einem Drahtesel oder hoch zu Ross.

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