Eine Woche an der Universität Bielefeld – Schülerinnen und Schüler vom Gymnasium lernen Studium kennen

Petershagen. Das Projekt „Duales Orientierungspraktikum – Berufsorientierung vertiefend gestalten, Studienneigung fördern“ ermöglicht seit 2008 Schülerinnen und Schülern vom Gymnasium Petershagen erste Erfahrungen als Studentinnen und Studenten zu machen. Dazu absolvierten auch in diesem Jahr wieder 26 Schülerinnen und Schüler der zehnten Klasse ein zweigeteiltes Praktikum.

Während des ersten Teils lernten sie die Universität Bielefeld kennen und nehmen dort an regulären Lehrveranstaltungen teil. Für die Dauer dieser Praktikumsphase leben die Schülerinnen und Schüler eigenständig und selbstverantwortlich in einem Jugendgästehaus, um die Autonomie des Studiums erfahrbar zu machen. „Ich hatte einfach keine genaue Vorstellung vom Studium und habe es zur mit der Schule verglichen. Aber das ist ja ganz anders“, nimmt eine Schülerin als Erfahrung wieder mit nach Petershagen. 

Ziel des Projekts, das von Christoph Bulmahn  und Frank Fischer geleitet wurde, ist Schülerinnen und Schüler ohne verfügbare Studienerfahrungen im Familienkreis ein Universitätsstudium nahezubringen und ihnen Einblicke in Alltag und Leben im Studium und an einer Hochschule zu ermöglichen.

Der Tenor aller Teilnemerinnen und Teilnehmer war sehr positiv. Die gesammelten Erfahrungen sollen helfen, nach dem abgeschlossenen Abitur den richtigen Studiengang zu finden.

Im zweiten Teil des Praktikums, der Ende Januar folgen wird, lernen die Schülerinnen und Schüler während eines Praktikums in einem Betrieb die praktischen Tätigkeiten nach der akademischen Ausbildung kennen. Hier sollen sie Einblicke in die Berufstätigkeit erhalten und erste Erfahrungen mit dem Verhältnis von Studium und späterer Berufstätigkeit sammeln. Das Projekt wurde mit Mitteln der Osthushenrich-Stiftung (rund 3500 Euro) und des Fördervereins  Gymnasiums Petershagen (rund 1150 Euro) gefördert.

Vor Beginn des Dualen Orientierungspraktikums fand am Gymnasium die Information, Auswahl und Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler statt. Im Anschluss an die Information über die Ziele und den Ablauf des Projekts waren sie aufgefordert, sich schriftlich zu bewerben. Dabei soll im Bewerbungsschreiben zum einen die Motivation zur Teilnahme an dieser Maßnahme, zum anderen der soziale Hintergrund der Schülerinnen und Schüler dargestellt werden. Gibt es mehr Bewerbungen als Teilnahmeplätze, entscheidet die Schulleitung gemeinsam mit den betreuenden Lehrkräften und den Klassenlehrern nach beruflichem Hintergrund der Eltern und Qualität des Bewerbungsschreibens über die Vergabe der Plätze.

Danach folgte die Vorbereitung:  Dabei werden vor allem Informations- und Orientierungshilfen gegeben, beispielsweise zur Fächerstruktur, den Studienmöglichkeiten an der Universität Bielefeld, Zugänge zum elektronischen Vorlesungsverzeichnis. Selbstverständlich erfolgte auch eine Beratung für die zweite, betriebliche Hälfte des Praktikums und eine organisatorische Vorbereitung. Diese Veranstaltungen erfolgten außerhalb der regulären Unterrichtszeit.



 

Das Duale Orientierungspraktikum selbst beginnt mit der Anreise zum Hochschulort Bielefeld. Hier besuchen die Schülerinnen und Schüler zunächst eine einführende Veranstaltung, die durch die Zentrale Studienberatung der Universität organisiert wird. Die Zentrale Studienberatung stellt während der Praktikumszeit auch weitere Beratungsmöglichkeiten sowie Uniführungen zur Verfügung. In dieser Projektphase leben die Schülerinnen und Schüler am Hochschulort und bewegen sich dort im Sinne der Selbstorganisation eigenständig. Durch die Ausstattung mit Nahverkehrstickets können sie sich am Hochschulort frei bewegen. Sie gestalten ihren Tagesablauf, den Besuch von Lehrveranstaltungen, Beratungsangeboten und weiteren universitären Veranstaltungen selbst. Zum Ende dieser ersten Phase findet ein Auswertungs- und Perspektivgespräch durch die Zentrale Studienberatung statt, mit dem dann die erste Phase des Dualen Orientierungspraktikums endet.

In einer Veranstaltung mit dem Verein „Arbeiterkind.de“ profitieren die Schülerinnen und Schüler von Studierenden, die ebenfalls über keine Studienerfahrung im Elternhaus verfügen, von deren Erfahrungen beim Studienbeginn. Ferner erfahren sie Möglichkeiten der Studienfinanzierung.

Für interessierte Schülerinnen und Schüler wurde eine Infoveranstaltung der Uni-Bibliothek zur Einführung in die Literaturrecherche angeboten. 

Wieder in Petershagen angekommen waren sich alle einig, dass die Woche den Ablauf an der Uni gut verdeutlicht hat. „Ich habe drei bis vier Veranstaltungen geschwänzt“, erzählt ein Schüler, „teilweise habe ich in der Vorlesung gar nichts verstanden und diese dann wieder verlassen.“ Aber auch das gehört zu dem typischen Studentenleben dazu, dem alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Projektes folgen wollen: „Wir wollen auf jeden Fall nach dem Abi studieren“, waren sich alle einig.

Text und Foto: Krischi Meier