Endlich ein glückliches Hundeleben – Eine zweite Chance für Beagle aus Versuchslaboren

Windheim. In vielen deutschen und EU-Gesetzen, Richtlinien und Verordnungen sind Tierversuche verpflichtend. Die Entwicklung von Alternativmethoden geht voran, ist jedoch langwierig. Da der Beagle als Meutehund gewohnt ist im Rudel zu leben und somit als besonders sozialverträglich gilt, wird gerade diese Hunderasse bevorzugt in Laboren eingesetzt. Der Verein Laborbeaglehilfe e.V. hat sich zur Aufgabe gemacht, die Beagle, die nach den Versuchsreihen in private Hände vermittelt werden können, zu übernehmen und zu vermitteln. Möglichst viele von ihnen sollen dadurch eine zweite Chance auf ein normales, glückliches Hundeleben erhalten.

Im letzten Jahr bekam so auch der ehemalige Laborbeagle Randy seine zweite Chance auf ein Leben mit Familienanschluss bei Ilka Dittmar und ihrem Lebensgefährten Thomas Wiebke in Windheim. Die Hundetrainerin und Verhaltenstherapeutin ist zufällig im Internet auf eine Anzeige der Laborbeaglehilfe aufmerksam geworden, in der Pflegestellen für Laborhunde gesucht wurden. Ihr war sofort klar, dass sie helfen wollte und kontaktierte den Verein. „Nach meiner Ausbildung zur Hundetrainerin und Verhaltenstherapeutin suchte ich noch nach einer neuen Herausforderung“, erklärt Ilka Dittmar ihre Entscheidung einen Laborbeagle aufzunehmen. Nachdem der Verein die wichtigen umfangreichen Prüfungen für eine neue Pflegestelle erfolgreich abgeschlossen hatte, konnte der erste Hund von Vereinsmitglied Axel Suhr nach Windheim gebracht werden. Der damals drei jährige Randy zeigte sich anfangs sehr abweisend und kam erst nach zwei Tagen aus der Box. Dann wurde es von Tag zu Tag besser, denn die beiden bereits im Rudel lebenden Hunde Ahiko (Eurasier) und Tigger (Picardie Mix) nahmen den Neuankömmling sprichwörtlich ans Pfötchen und halfen ihm dabei sich einzuleben. Nach kurzer Zeit stand für Thomas Wiebke und Ilka Dittmar fest, dass sie für Randy nicht nur eine Pflegestelle sein möchten, sondern ihn als dritten Hund fest in ihr Rudel integrieren wollen. Die Erfahrungen mit dem neuen Familienmitglied beschreiben beide als durchweg positiv. „Ich habe viel von Randy gelernt, gerade beim Sozialverhalten mit anderen Hunden“, berichtet Ilka Dittmar. Aus diesem Grund setzt die Hundetrainerin den kleinen, fröhlichen Beagle auch oft beim Training mit schwierigen Hunden ein, so dass er sogar eine wichtige Aufgabe bekommen hat, der er mit großer Freude nachgeht.



     

Die Laborbeaglehilfe bemüht sich um eine gute, kooperative Zusammenarbeit mit den Laboren. Regelmäßige Besuche, bei denen der Verein einen Einblick in die Haltungsbedingungen erhält sowie Gespräche mit den qualifizierten Tierpflegern führen kann, sind seitens der Institute sogar gewünscht. Nach der Entlassung der Hunde sind die Labore sehr an ihrem weiteren Verbleib und ihrer Entwicklung in den neuen Familien interessiert. Erfahrungsberichte auf der Internetseite des Vereins dienen nicht nur als nützliche Info bei Interesse an einer Übernahme eines Beagles, sondern auch den Mitarbeitern der Labore, die so nachverfolgen können, was aus den ehemaligen Laborhunden geworden ist. Die Institute melden Entlassungen von Hunden rechtzeitig an, so dass der Verein genügend Zeit hat eine geeignete Pflege- oder Endstellen zu finden. Dabei werden auch einige Informationen zu den Hunden wie Alter, Geschlecht, Gewicht und ein Foto übermittelt. Auch kurze Wesensbeschreibungen sind manchmal dabei. Da die Laborbeagle ihr bisheriges Leben in reizarmer Umgebung verbracht haben und somit nicht viel kennenlernen konnten, müssen sie behutsam an die neue Situation herangeführt werden. Mit Geduld, Einfühlungsvermögen und Zeit entwickeln sie sich jedoch in relativ kurzer Zeit zu ganz normalen, fröhlichen Familienhunden. „Man bekommt einen 2 bis 3-jährigen, nicht stubenreinen Welpen“, beschreibt Axel Suhr von der Laborbeaglehilfe die Situation auf die sich die neuen Besitzer einstellen müssen. Neben intensiven Vorkontrollen und Gesprächen vor der Vermittlung, begleitet der Verein die neuen Familien über lange Zeit und steht ihnen jederzeit bei Fragen oder Problemen zur Seite. Durch Bücher über Erlebnisberichte sowie Kalender mit Fotos der entlassenen Beagle lässt die Laborbeaglehilfe andere an ihrer Arbeit teilhaben. Mit Spenden und Patenschaften kann diese Arbeit genauso unterstützt werden wie mit geeigneten Pflege- und Endstellen. Alle Vereinsmitglieder sind berufstätig und unterstützen der Verein ehrenamtlich. Leider besteht aktuell Nachwuchsmangel im Verein, so dass neue Mitglieder für die teilweise sehr langen Fahrten zur deutschlandweiten Abholung, Vermittlung und Betreuung gesucht werden.

Weitere Informationen zur Laborbeaglehilfe e.V. gibt es im Internet unter www.laborbeaglehilfe.de.

 Text und Foto: Simone Kaatze