„Erster Gottesdienst zur Einweihung eines Kuhstalls“ – Diakonie Stiftung Salem erweitert den Hof Klanhorst

Raderhorst. Nach gut acht Monaten Bauzeit konnte Anfang November der neue Milchviehlaufstall auf dem Hof Klanhorst in Raderhorst eingeweiht werden. Der neue Stall ist nach Bioland-Richtlinien konzipiert und bietet Platz für 68 Milchkühe. Mit diesem Bauprojekt wurden zehn neue Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung auf dem Hof geschaffen, der von der Diakonie Stiftung Salem betrieben wird. „Das ist heute ein bedeutsamer Tag. Wir haben die Wettbewerbsfähigkeit des Hofes Klanhorst gestärkt und den Standort gesichert“, freut sich Mark Westermann, Geschäftsbereichsleiter „Arbeit & Qualifizierung“ der Diakonie Stiftung Salem. Dass Investitionen dringend notwendig waren, berichtete Hofleiter Kevin Szalies: „Die Melktechnik stammte aus dem 1980er Jahren und ist immer mal wieder ausgefallen. Wir mussten uns entscheiden, ob wir investieren oder aussteigen.“ Auch die Prüfung alternativer Tierhaltung und Vermarktung wurde geprüft, stelle sich aber als nicht wirtschaftlich sinnvoll heraus.  Dass sich die Investition gelohnt hat, waren sich bei der Einweihung alle einig. Rund 650.000 Euro investierte die Diakonie Stiftung Salem in den Neubau des Stalls und der dazugehörigen Anlagen. Rund 40 Prozent der Baukosten konnten durch Förderungen des Agrarinvestitionsförderprogramms (AFP) der Europäischen Union gedeckt werden. So hat sich die Hofgröße in kurzer Zeit mit dem neuen Stall und weiteren Flächen zum Futtermittelanbau verdoppelt. „Wir haben die richtige Entscheidung getroffen“, sagt auch Mark Westermann. Denn das Milchvieh ist wichtig für den wirtschaftlichen Faktor des Hofs Klanhorst. 

Einweihung mit Gottesdienst

Zur offiziellen Einweihung waren viele Nachbarn und interessierte Landwirte aus der Umgebung der Einladung der Diakonie Stiftung Salem gefolgt. Die kleine Feierstunde begann mit einem kurzen Gottesdienst geleitet von Pfarrer Thomas Lunkenheimer (theologischer Vorstand Diakonie Stiftung Salem), der seinen „ersten Gottesdienst zur Einweihung eines Kuhstalls“ hielt. Einen besonderen Dank richtete Westermann an die Stadt und den Kreis für die gute Zusammenarbeit im Genehmigungsverfahren.

Hans-Jörg Deichholz (v.l., Sozialdezernent Kreis Minden-Lübbecke), Pfarrer Thomas Lunkenheimer (theologischer Vorstand Diakonie Stiftung Salem), Christian Schultz (kaufmännischer Vorstand Diakonie Stiftung Salem), Kevin Szalies (Abteilungsleiter Biohof Klanhorst), Mark Westermann (Geschäftsbereichsleiter Arbeit & Qualifizierung), Friedrich Lange (stv. Bürgermeister Petershagen), Sebastian Kruse (Fachbereichsleiter Indurstrielle Dienstleistungen Diakonie Stiftung Salem), Jürgen Tiemann (Superintendent Kirchenkreis Minden).

 



  

Führungen durch den neuen Stall 

Anschließend stellten Hofleiter Kevin Szalies und Sebastian Kruse, Fachbereichsleiter Industrielle Dienstleistungen der Diakonischen Werkstätten, den Gästen den neuen Stall vor. Der Milchviehstall ist nach Bioland-Richtlinien konzipiert und erfüllt damit besondere Tierwohl-Standards. Alle Tiere haben etwa eine eigene Liegebucht und einen großen Fressplatz. Aus ihrem Stall haben die Milchkühe direkten Zugang zur großen Weide. Noch wichtiger ist jedoch, dass der Stall beste Arbeitsbedingungen für Menschen mit Behinderungen bietet. Es gibt etwa einen speziellen Ruhebereich, in dem sich Beschäftigte des Biohofes zurückziehen können. Die Seitenlüftungen und Bereiche können mit Curtains und Toren geschlossen werden, um Menschen und Tiere vor Durchzug zu schützen. „Die Kühle fühlen sich bis 20 Grad wohl, unsere Mitarbeiter aber erst ab 20 Grad“, sagte Hofleiter Kevin Szalies mit einem Lachen. Mit den verschließbaren Seitenwänden wird beidseitiges Wohlbefinden gewährleistet. Dass die Tiere bei den Bewohnerinnen und Bewohnern beliebt sind, weiß Szalies: „Manche Bewohner kennen alle Kühe mit dem Namen.“ 

Die Milchkühe können sich im neuen Stall frei bewegen. Aus dem Büro haben die Mitarbeiter einen Überblick über den ganzen Stall.

Modernste Technik 

Im neuen Milchviehstall setzt die Diakonie Stiftung Salem auf modernste Technik. Herzstück des Stalls ist ein vollautomatischer Melkroboter, der Milchkühe automatisch erkennt, eigenständig melkt und umfangreiche Daten zur Milchleistung jeder Kuh liefert. Die Tiere entscheiden dabei selbst, wann sie gemolken werden wollen. Die Automatisierung des Melkvorgangs entlastet nicht nur das Biohof-Team und schafft Kapazitäten für neue Aufgaben, sondern bedeutet für die Tiere noch mehr Freiheit. Das soll langfristig auch die Milchleistung der Kühe erhöhen und den Hof wirtschaftlich stärken. „Die Arbeit wird zukünftig eine andere sein“, sagte Kevin Szalies. „Das Melken übernimmt der Roboter, aber es wird deutlich mehr Kalbungen geben, die auch abends und nachts begleitet werden müssen.“ Und trotz der Verdreifachung der Herde muss das Biohof-Team jedes Tier im Blick haben, um eine gute Tiergesundheit und damit eine gute Milchleistung sicherzustellen. Jede Kuh wird vom Melkroboter nur alle fünf Stunden gemolken. Doch wenn ein Tier über viele Stunden nicht selbst den Weg in den Melkroboter gefunden hat, muss das Personal eingreifen und es zum Melken führen.

Text und Fotos: Krischi Meier