Rund 45 Personen haben am 15. Mai an einer Mahnwache vor dem Prezero-Firmengelände teilgenommen. Sie stellten die Frage, ob der Staub und die Emsissionen der Glasrecyclinganlage die Menschen krank mache. Foto: Krischi Meier

„Es kann so nicht weitergehen“ – Anwohner üben Kritik an Glasrecyclinganlage von Prezero

Lahde/Gorspen-Vahlsen (kri). „Der Protest hat nun ein Gesicht erhalten“, erklärt Sigrid Krueger-Young, die eine Mahnwache vor der Glasrecyclinganlage von Prezero im Gewerbegebiet Lahde Mitte Mai initiiert hatte. „Die Geruchsemissionen der Anlage machen einen Aufenthalt im Freien in Gorspen-Vahlsen oft fast unmöglich. Auch der feine Glasstaub, der die Anlage verlässt, bereitet uns mit Blick auf die Gesundheit aller große Sorgen“, so Sigrid Krueger-Young als Betroffene, die im regelmäßigen Austausch mit den weiteren Nachbarn steht.

Seit mehr als drei Jahren sind die Anwohnerinnen und Anwohner aktiv. „Wir halten Recycling für eine wichtige Sache und wollen auch nicht die Arbeitsplätze in Lahde gefährden.“ Doch noch wichtiger sei ihnen die Gesundheit von Anwohnern und Mitarbeitern. Hier gibt es nach Angaben von Sigrid Krueger-Young noch offene Fragen: „Ist die Emission wirklich nicht gesundheitsgefährdend? Ist der Glasstaub, der offensichtlich durch den Wind in die Siedlungen und auf die Felder getragen wird, gefährlich? Kann es sein, dass die Wirtschaftlichkeit der Anlage gegenüber der Gesundheit der Anwohner und Beschäftigten im Vordergrund steht? Ist die Glasrecyclinganlage überhaupt noch zeitgemäß?“ „Eigentlich sollte Prezero uns dankbar sein, dass wir die Mängel aufgezeigt haben, damit sie diese beseitigen können“, kommentiert ein Anwohner. Doch gebracht habe das bisher fast nichts. „Wir wünschen uns einfach mehr Transparenz.“

Ende 2019 sei eine neue Filteranlage eingebaut worden, „doch verbessert hat sich die Geruchsbelästigung dadurch nicht“, sagt Krueger-Young. Eine Messung im November 2020 habe laut Bezirksregierung Detmold als Genehmigungsbehörde keine gesundheitsgefährdenden Emissionen ergeben. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens seien mindestens einmal wöchentlich im Umfeld der Anlage unterwegs, um verwehtes Material einzusammeln. „Trotzdem sind Wege, Straßen und sogar Grünflächen im nahen Umfeld der Anlage regelmäßig von zerbrochenem Glas übersät“, beobachtet Sigrid Krueger-Young. Eine Folge sei, dass zahlreiche Gorspen-Vahlser ihre Kinder nicht mehr mit Fahrrad durch das Gewerbegebiet fahren lassen. Zu oft habe es einen platten Reifen gegeben und die Gefahr bei einem Sturz sei zu groß.

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Besonders bei sommerlichen Temperaturen würden die Anwohnerinnen und Anwohner die Geruchsbelästigung als auffallend stark empfinden. „Wir haben den Eindruck, dass nach Beschwerdeanrufen die Anlage verlangsamt wird, denn es tritt schnell eine Veringerung der Geruchsbelästigung ein, allerdings nur kurzfristig. Wird die Anlage dann etwa wieder beschleunigt?“, fragt sich Krueger-Young. Dazu gibt es von Betriebsleiter Thomas Worring einen klaren Widerspruch: „Die Anlage wird mit gleichbleibendem Durchsatz betrieben. Es gibt keine Unterschiede bei der Menge der Emissionen.“ Als Möglichkeit zur Reduzierung der Gerüche sieht Worring die Bürger in der Pflicht. Eine vollständige Restentlehrung des Altglases, das in die Container geworfen wird, und die Vermeidung von Fehlwürfen helfen zur Geruchsreduktion: „Durch weitere Öffentlichkeitsarbeit hinsichtlich der Entsorgung von Haushaltsglas könnten Gerüche vermindert werden.“ 

Neben den Gerüchen sehen  die Anwohnerinnen und Anwohnern im Glasstaub ein großes Problem. „Wenn die Sonne scheint, glitzert es wie auf einem Märchenweg. Der Glasstaub weht auf die umliegenden landwirtschaftlichen Flächen und kann so direkt in unsere Nahrungskette kommen“, sieht Sigrid Krueger-Young ein weiteres Gesundheitsrisiko. Feinstaub könne direkt ins Blut gelangen und Herz und Blutgefäße schädigen. 

Thomas Worring betont: „Mehrere anerkannte Gutachter haben uns bestätigt, dass von der Sortieranlage keinerlei gesundheitliche Gefahren für die Menschen oder die Natur ausgehen. Außerdem ist der Bereich, in dem das Altglas mechanisch behandelt wird, eingehaust und mit einer Absaugungs- und Entstaubungsanlage ausgestattet. Zudem werden die Fahrwege der LKW und der Hoffahrzeuge regelmäßig gereinigt.“ Dennoch scheint Glasstaub das Betriebsgelände zu verlassen, wie auch Jörg Lange, Eigentümer der Photovoltaikanlagen an der Industriestraße berichtet: „Bei Reinigungsarbeiten haben wir feinen Glasstaub auf den Solaranlagen festgestellt.“

Vorne die Glasrecyclinganlage von Prezero, im Hintergrund die Ortschaft Gorspen-Vahlsen. Luftbild: Dietmar Meier

Nach der Mahnwache signalisierte Boris Ziegler, Pressesprecher von Prezero, in der Tagespresse Gesprächsbereitschaft mit den Anwohnern. Gerne lade man sie zum Dialog ein. Auch Sigrid Krueger-Young betonte mehrfach Gesprächsbereitschaft. Zu einem Austausch sei es bischer aber auch nach der Mahnwache bisher nicht gekommen. „Wir erwarten, dass Prezero auf uns zukommt.“

Auch diesen Punkt sieht Thomas Worring etwas anders. Es habe bereits Gespräche gegeben, wie der Betriebsleiter auf Anfrage mitteilte: „Das letzte Gespräch zwischen PreZero und der Bürgerinitiative fand am 24. Februar statt. Dieses Gespräch fand aufgrund der pandemischen Lage in beidseitigem Einvernehmen als Videokonferenz statt. Das vorherige Gespräch zwischen der Bürgerinitiative fand vor Ort statt. Gesprächswünsche weiterer Gruppierungen oder Personen sind uns nicht bekannt.“

Sprecherin Sigrid Krueger-Young verwies auf einen ähnlichen Fall in England. Nach einer dortigen Einhausung seien die Beschwerden der umliegenden Anwohnerinnen und Anwohner von einem auf den anderen Tag weg gewesen. „Wir wünschen uns eine Einhausung des Betriebes.“ Betriebsleiter Thomas Worring hierzu: „Eine Einhausung ist technisch nicht möglich. Keine uns bekannte Glasanlage befindet sich auf einem komplett eingehausten Betriebsgelände.“