Frauen-Power in der Feuerwehr

Petershagen. In Berichten über Feuerwehreinsätze wird oft allgemein von den Einsatzkräften der Feuerwehr geschrieben. Dass aber oft auch Frauen bei diesen Einsätzen aktiv dabei sind, ist Vielen wahrscheinlich gar nicht bewusst. Immer mehr Frauen treten der Freiwilligen Feuerwehr bei, so dass die Zahl der weiblichen Mitglieder stetig wächst. In Petershagen gehören aktuell 128 Frauen den 25 Löschgruppen der Freiwilligen Feuerwehr im Stadtgebiet an. Auch am weiblichen Feuerwehr-Nachwuchs fehlt es in Petershagen nicht: Der Jugendfeuerwehr gehören aktuell 112 und der Kinderfeuerwehr 59 Mädchen an. Folgend möchten wir vier aktive Feuerwehr-Frauen aus Petershagen vorstellen, die wir unter anderem zu ihren Aufgaben und Erfahrungen ihrer freiwilligen Tätigkeit befragt haben.


„Was die Feuerwehr auszeichnet ist der Zusammenhalt – Egal bei was, die Gruppendynamik ist da“

Julia Sundermeier (Feuerwehrfrau, Löschgruppe Ovenstädt)

 

Seit bereits 20 Jahren gehört Julia Sundermeier aus Hävern der Freiwilligen Feuerwehr an. Durch Freunde ist sie mit zehn Jahren in die Jugendfeuerwehr eingetreten und wechselte mit 16 Jahren in die aktive Löschgruppe Hävern. An Einsätzen nahm sie aber erst mit 18 Jahren nach ihrem Wechsel in die Löschgruppe Ovenstädt teil, der sie bis heute angehört. Die 30-jährige Hävernerin besitzt aktuell den Dienstgrad „Feuerwehrfrau“, möchte aber an weiteren Ausbildungsmodulen teilnehmen, um ihr Ziel, den Dienstgrad „Oberfeuerwehrfrau“, zu erreichen. Außerdem unterstützt Julia Sundermeier die Jugendwarte der Löschgruppe Ovenstädt als Betreuerin der Jugendfeuerwehr. „Es ist schön die Jugendlichen heranwachsen zu sehen und deren Entwicklung bis hin zu den Aktiven mitgemacht zu haben“, erzählt sie über ihre Aufgabe in der Jugendabteilung. Bei Übungen und Einsätzen übernimmt sie die gleichen Aufgaben wie ihre männlichen Kollegen: Von Schläuche rollen, über die Sicherung des Einsatzortes bis hin zur Überwachung der Atemschutzgeräteträger und weiteren Aufgaben ist alles dabei. Als gelernte Krankenschwester ist sie bei Einsätzen zudem für die Betreuung von Verletzten sowie der ersten Wundversorgung zuständig. Die Reaktionen auf ihre freiwillige Tätigkeit bei der Feuerwehr sind größtenteils positiv, aber es kommen aus Spaß auch schon mal Sprüche wie „die Frau ist für den Haushalt da“, berichtet Julia Sundermeier aus ihren Erfahrungen. Wichtig ist allen Freiwilligen: In der Feuerwehr herrscht Gleichberrechtigung zwischen den Geschlechtern.


„Es sollten sich mehr Frauen trauen in die Freiwillige Feuerwehr einzutreten“

Louisa Jendrischeck (Feuerwehrfrau, Löschgruppe Ilvese)

 

Sprüche wie „So ein Püppchen bei der Feuerwehr“ muss sich Louisa Jendrischeck aus Ilvese nur selten anhören. Manchmal wird sie unterstätzt, doch bei den meisten Freunden kommt ihr Engagement in der freiwilligen Feuerwehr gut an. Mit elf Jahren trat sie in die Jugendfeuerwehr der örtlichen Löschgruppe ein — motiviert durch ihren älteren Bruder. Auch beim Wechsel zu den Aktiven, den sie bis heute angehört, fungierte ihr Bruder als Vorbild. „Seit Kinderalter hatte ich bereits das Bedürfnis anderen zu helfen und das hat sich bis heute nicht geändert“, zählt die 23-jährige einen weiteren Grund für ihre Entscheidung der Freiwilligen Feuerwehr beizutreten auf. Aktuell besitzt Louisa Jendrischeck den Dienstgrad „Feuerwehrfrau“, aber sie befindet sich zur Zeit bereits in den Ausbildungsmodulen für den Dienstgrad „Oberfeuerwehrfrau“. Außerdem ist sie Atemschutzgeräteträgerin, das sie unter anderem berechtigt, mit entsprechender Schutzausrüstung verrauchte Gebäude zu betreten. Für Atemschutzgeräteträger gibt es besondere Anforderung, wie die jährliche Teilnahme an der Atemschutzstrecke in Lübbecke sowie regelmäßige Untersuchungen, die erfüllt und in einem Atemschutzbuch dokumentiert werden müssen. Auch in der Jugendarbeit der Feuerwehr ist Louisa Jendrischeck aktiv: Sie ist Kinderfeuerwehrwartin und Betreuerin der Jugendfeuerwehr Ilvese/Heimsen. „Weiter machen ist mein Ziel. Je weiter desto besser“, sagt sie über ihre Zukunftspläne bei der Feuerwehr. 




 


„Es ist nicht so, dass es heißt‚ du bist eine Frau, du kannst das nicht“

Alana Wiegmann (Oberfeuerwehrfrau, Löschgruppen Ilserheide, Petershagen und Kirchlengern)

 

Eine Nachbarin fragte Alana Wiegmann, als sie elf Jahre alt war, ob sie Lust hätte mit zur Jugendfeuerwehr zu kommen. Da auch ihr Vater und ihr Opa in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv waren, wurde sie der Familientradition folgend Mitglied der Jugendfeuerwehr ihres Heimatortes Ilserheide. Mit 18 Jahren erfolgte der Wechsel in die aktive Löschgruppe des Ortes. Durch einen Umzug nach Petershagen und ihrem Arbeitsplatz in Kirchlengern trat sie zudem diesen beiden Löschgruppen bei, so dass sie seitdem in drei Löschgruppen aktiv ist. Vorrangig ist sie bei den Aktiven in ihrem Wohnort Petershagen dabei. Die 22-jährige besitzt aktuell den Dienstgrad „Oberfeuerwehrfrau“ und ist außerdem Atemschutzgeräteträgerin – die einzige weibliche in der Löschgruppe Petershagen. „Die Grundausbildung habe ich mit 19 gemacht und das Atemschutzmodul mit 21. Ich möchte jedes Jahr etwas Neues in kleinen Lehrgänge, wie zum Beispiel Absturzsicherung, dazu lernen. Mein Ziel ist es den Dienstgrad ,Unterbrandmeisterin‘ zu erreichen“, erzählt Alana Wiegmann über ihre bisherige Feuerwehrlaufbahn und ihre weiteren Pläne. Ihre Motivation weiterzumachen sind die Gemeinschaft und der Zusammenhalt in der Freiwilligen Feuerwehr sowie ihre starke persönliche Entwicklung durch die Mitgliedschaft. Zusammen mit dem Stadtjugendfeuerwehrwart Niklas Nürge arbeitet sie zur Zeit an einem Internetauftritt der Jugendfeuerwehr Petershagen, dafür ist sie oft auch als Fotografin bei Veranstaltungen der Feuerwehr unterwegs. Alana Wiegmann gehört außerdem zum Auswertungsteam beim O-Wandern auf Kreisebene und ähnlichen Wettkämpfen. Die Reaktionen von Familie und Freunden sind meist positiver als gedacht. „Oft lässt man die Geschehnisse und Erinnerungen Revue passieren“, berichtet sie über die Reaktionen.


„Gerade jüngere Frauen in der Feuerwehr sollen sich nicht unterkriegen lassen und weiter machen“

Sarah Dicke (Unterbrandmeisterin, Löschgruppen Frille und Lahde)

 

Schon seit Kindesalter fieberte Sarah Dicke dem Eintritt in die Jugendfeuerwehr entgegen, da sie durch ihren Vater, der selbst in der Löschgruppe Lahde aktiv war, schon früh Feuerwehrluft schnuppern konnte. Mit zehn jahren durfte sie endlich der Jugendfeuerwehr Lahde beitreten. Mit 18 Jahren erfolgte der Wechsel in die aktive Löschgruppe Lahde, der sie bis heute angehört. Durch einen Umzug nach Frille gehört sie zusätzlich der dortigen Löschgruppe an. Die 32-jährige besitzt aktuell den Dienstgrad „Unterbrandmeisterin“, welcher ihr bei Einsätzen erlaubt, als Truppführer eine Person zu führen. Außerdem ist sie stellvertretende Kinderfeuerwehrwartin in Lahde, Atemschutzgeräteträgerin, Maschinistin und besitzt das Modul der technischen Hilfe, mit dem sie Schere und Spreitzer bedienen darf. Aber auch die großen Einsatzfahrzeuge machen Sarah Dicke keine Angst: Sie besitzt neben dem Bootsführerschein, auch den Führerschein der Klasse 2 und ist zudem Teleskopmastmaschinistin. „Auf der Lahder Maile stellen wir immer ein Löschfahrzeug mittig der Veranstaltung ab, welches ich meistens fahre. Beim Aussteigen kamen schon mal ungläubige Fragen wie ,Sind Sie gerade gefahren?‘, aber auch Applaus habe ich bereits dafür bekommen“, erzählt sie von ihren Erlebnissen als Fahrzeugführerin der Feuerwehr. Zu ihren weiteren Zielen gehört das Erreichen des Dienstgrades „Brandmeister“, durch den sie dann eine Gruppe führen darf. Die gelernte Rettungsassistentin ist als Atemschutzgeräteträgerin und aufgrund ihres Berufes bei Einsätzen immer ganz vorne dabei. „Durch meinen Beruf bin ich gesetzlich ‚zur Hilfe verpflichtet‘ und darf auch über die erste Hilfe hinaus zum Beispiel Zugänge legen“, erklärt Sarah Dicke dazu.

Text: Simone Kaatze, Fotos: Simone Kaatze (4), privat (1).