Freitags kommt Timmi – Schulhund begleitet Mette Börder in den Unterricht

Lahde (kri). Wenn Timmi freitags mit in den Grundschulverbund Lahde-Frille kommt, begrüßen ihn die Kinder schon von weitem.  Den Zwergrauhhaardackel kennt jedes Kind – er ist der heimliche Star der Schule. Als Schulhund begleitet er Lehrerin Mette Börder einmal wöchentlich in den Unterricht – und ergänzt diesen wirkungsvoll. Die Erfahrungen mit hundegestützter Pädagogik zeigt positive Auswirkungen in den Bereichen Emotionalität, Sprache, Kommunikation und Lernen, wie Mette Börder erklärt. Die Kinder lernen dabei schon in der Schule, Verantwortung zu übernehmen und auf die Bedürfnisse des Hundes einzugehen. So haben jede Woche vier Kinder „Timmi-Dienst“, die in besonderer Weise für den kleinen Dackel verantwortlich sind. Dazu gehört es ihm Wasser bereit zu stellen und seinen Platz herzurichten. Außerdem dürfen die Kinder verschiedene Interaktionen durchführen, wie beispielsweise das Verstecken eines Lerckerliebeutels, den Timmi anschließend sucht und apportiert. 

Den ersten Kontakt zu Schulkindern hatte Timmi 2010, als ihn Mette Börder bei einem Spaziergang vor Ostern mit einer dritten Klasse mitgenommen hatte. „Danach war er zunächst bei Wandertagen und Ausflügen regelmäßig dabei“, erinnert sie sich. „Eine rechtliche Einschränkung für Hunde in der Schule gab es damals noch nicht.“  2013 absolvierte das Duo die Schulhundprüfung, die fortan als Grundlage für den Einsatz als Schulhund erforderlich war. Alle zwei Jahre muss diese Prüfung nun wiederholt werden, um Timmis Tauglichkeit für den Einsatz in der Grundschule zu überprüfen.

Bevor Timmi in eine neue Klasse mitkommt, werden die Kinder gezielt auf den Einsatz des Schulhundes vorbereitet und an die Begegnungen mit ihm herangeführt. „Rituale, die in jeder Unterrichtsstunde gleich sind, sind wichtig für die Kinder und den Hund“, erklärt Mette Börder. „Eine Stunde beginnt immer mit einem Sitzkreis, in dem Timmi jedes Kind in Ruhe begrüßen und sich Streicheleinheiten abholen darf. So wissen alle, dass jetzt gearbeitet werden muss.“ Ebenso sollen die Schülerinnen und Schüler Timmi nicht rufen und sich immer nur ein Kind mit ihm beschäftigen. 

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Sollte es dem Zwergrauhaardackel doch einmal zu viel werden, hat er eine Decke und Box als Rückzugsort. Doch ganz oft wird die nicht benutzt, denn Timmi hat sichtlich Spaß an der Interaktion mit den Kindern. Abhängig vom Unterrichtsthema gibt es zahlreiche Möglichkeiten der Integration in den Unterricht. So darf Timmi beispielsweise einen Schaumstoffwürfel anstupsen, seine Tasche mit Aufgabenkarten bringen oder Leckerlies in einem von den Kindern vorbereiteten Schnüffelteppich suchen. Im Bereich der Mathematik können Aufgaben mit Leckerlies gerechnet werden oder ermittelt werden, wie viel Futter Timmi in einem bestimmten Zeitraum braucht. Im Deutschunterricht gibt es zahlreiche Einsatzmöglichkeiten: Der Hund bietet viele Gesprächsanlässe und Leseprojekte. Unsichere Kinder verlieren ihre Hemmungen  im Vorlesen, wenn Sie Timmi vorlesen, da er zuhört aber nicht kritisiert. 

Auch im Rahmen des Offenen Ganztages gab es schon häufig eine Schulhund-AG mit unterschiedlichen Aktivitäten wie Parcours aufbauen und mit dem Hund durchlaufen, Spaziergänge oder Spiele, in denen der Hund aktiv als Spielpartner einbezogen ist. 

Damit die Kinder auch während der Corona-Pandemie oder außerhalb der Schulzeit mit Timmi in Kontakt stehen konnte, hat Mette Börder für ihn eine eigene E-Mail-Adresse und die Website www.dackel-abenteuer.de eingerichtet. 

Bevor der zwölfjährige Timmi irgendwann in den Ruhestand gehen wird, hat er noch die Aufgabe, sein Fachwissen als Schulhund weiterzugeben. Vor einigen Wochen ist Lotte, ein brauner Zwergrauhhaardackel, bei ihm eingezogen und ist nicht nur seine Weggefährtin sondern auch seine Azubine. Mette Börder möchte auch Lotte zum Schulhund ausbilden. Vielleicht sieht man das Trio bereits bald auf dem Schulhof in Lahde, denn die Gewöhnung an die Schule wird behutsam und schrittweise erfolgen. Bis Lotte mit in den Unterricht kommt, wird es also noch etwas dauern. 

Lehrerin Mette Börder mit Schulhund Timmi. Fotos: Krischi Meier