#Heimatliebe – Erste Flugversuche und badende Störche

Dass das Stadtgebiet von Petershagen ein schönes Fleckchen Erde ist und die Natur auf unseren Dörfern wahrscheinlich mehr geschätzt wird als anderswo, steht außer Frage. Facebook und Co. bieten heute eine einfache Möglichkeit, persönliche Eindrücke auch einem größeren Kreis zugänglich zu machen. In diesen Medien sind aus aus dem Erscheinungsgebiet des Petershäger Anzeigers Menschen aufgefallen, deren Beiträge die Freude an der heimischen Natur und Landschaft widerspiegeln. In unserer neuen Reihe #heimatliebe möchten wir einige davon vorstellen. Und damit es authentisch wird, lassen wir die Akteuere einfach selbst zu Wort kommen. Unsere erste Reise führt nach Raderhorst zu Elke Stahlhut.

 

Unterwegs mit der Kamera

Hallo! Mein Name ist Elke, ich wohne in der ländlichen Idylle der Storchenhauptstadt, genauer gesagt in Raderhorst, dem östlichsten Dorf von Petershagen. Bin gern draussen in der Natur und mache auf meinen Streifzügen bei jeder Gelegenheit natürlich auch die meisten Bilder. Mein bevorzugtes Fotorevier ist natürlich meine Heimatregion. Schwerpunkt meiner Motive und Fotomodelle ist immer die Natur und Tiere. Je nach Jahreszeit lassen sich dort die unterschiedlichsten Tiere und Pflanzen ablichten.  Wenn man oft draußen unterwegs ist, passiert es auch, dass man auf Tierarten trifft, die man bislang noch nie vor der Linse hatte oder hier vermuten würde. 

Alle meine Hobbies drehen sich darum, irgendwie kreativ zu sein. Erst relativ spät, sozusagen als Quereinsteigerin, entdeckte ich die Fotografie für mich. Genau genommen vor 14 Jahren, als mein Mann und Lebensgefährte spontan bei uns im Garten ein Storchennest errichtet hat, das erste Storchennest in der Geschichte von Raderhorst überhaupt. Ein paar Jahre mußte ich auf meine begehrten Fotomodelle, die Weißstörche, warten. Dann endlich 2010 war es soweit. Die ersten Mieter zogen in zwölf Metern Höhe ein. Kurzerhand wurde eine Digitalkamera angeschafft und ich war fest davon überzeugt, dass jetzt nur noch die tollsten Bilder von den Störchen auf der Speicherkarte und später dann in meinem „Foto-Storchentagebuch“ landen. Naja, die Realität holte mich schneller ein als gewünscht und ich musste erkennen, dass für tolle Schnappschüsse deutlich mehr dazu gehört. Mittlerweile sind die Kamera und ich unzertrennlich, läßt mich die Faszination Fotografie nicht mehr los.

Das man für eindrucksvolle Aufnahmen nicht unbedingt ferne Länder reisen muss, haben mir die verschiedenen „Mieter“ unseres Storchennestes gezeigt. Wir sind dieses Jahr, mit der zehnten erfolgreichen Brut, eine feste und begehrte Adresse bei den Störchen und deshalb gibt es nach der Rückkehr der Störche aus Ihren Winterquartieren jedes Jahr aufs Neue heftige Kämpfe ums Nest. Frei nach dem Motto: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Unsere Brutstörche kennen die Vorzüge dieses Nestes und stellen die Besitzansprüche bei anderen Wohnungsinteressenten kurz und knapp erfolgreich klar. Sobald sich die passende „Herzdame“, im optimalen Fall die Partnerin aus dem Vorjahr, eingefunden hat, steht der Planung einer neuen Storchengeneration nichts mehr im Wege. Unser Storchennest bietet dem Storchenpaar einen „all-In-Service“ — angefangen bei einer eigens für sie angefertigten „Storchenwanne”, die gerne zur Wasserversorgung der durstigen Storchenminis genutzt wird. Des öfteren wird diese aber auch für ein erfrischendes und ausgiebiges Vollbad der Storcheneltern genutzt. Eine große Wiese unterhalb des Storchennestes, die mein Mann vor ein paar Jahren erwerben konnte, lässt sich für die kleinen, hungrigen Schnäbel oben im Nest oft noch der eine oder andere leckere Snack ergattern.



     

Vor allen Dingen bietet sie aber den Flugschülern bei ihrem Jungfernflug genügend Fläche für eine sichere und unfallfreie Landung. Wir hatten hier schon Bruchpiloten, die Ihre Flugkünste überschätzt hatten und ihr erster Flugversuch kläglich, jedoch ohne Verletzungen in einem Raps- oder Maisfeld endete. Last but not least spendieren wir unserem Storchenpaar während der Aufzuchtzeit ein paar zusätzliche Leckerlis. Denn aufgrund der langanhaltenden Trockenheit in den vergangenen Jahren gestaltet sich die erfolgreiche Suche nach ausreichendem Gewürm und anderen Leckerbissen schon recht schwierig. Jede Storchensaison, mit allen schönen und auch traurigen Momenten, angefangen mit der Ankunft unseres Storchenpaares, über die Aufzucht und Beringung der Storchenminis, das Flüggewerden, ihren ersten Flugversuchen bis hin zum Abschied ist für mich immer wieder das absolute Highlight.

Aber nicht nur Familie Storch fühlt sich hier bei uns wohl. In einem Schleiereulenkasten, hinter einem „Eulenloch“ im Hausgiebel ist vor sieben Jahren das erste Turmfalkenpaar eingezogen und bislang konnte keine Schleiereule ihnen diese Wohnung streitig machen. Mit dem Einzug der Falken wurde die Jagdsaison auf Maus und Co.  hier eröffnet. Im vergangenen Jahr haben neun Turmfalken und vier Störche den Mäusebestand hier doch schon drastisch reduziert.  Gerade wenn die „wilden Jungen“ mit ihren ersten unkoordinierten Flugversuchen, sei es Storch oder Turmfalke, in der Luft unterwegs sind, ist der Flugraum hier bei uns schon etwas überlastet. 

Mit etwas Geduld (was nicht gerade eine meiner Stärken ist), konnte ich in jeder Storchensaison doch viele und manchmal auch seltene Schnappschüsse machen. Nicht immer spielt eine perfekte Planung nach einem tollen Schnappschuss eine Rolle, es gehört auch eine große Portion Glück dazu, um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Es ist für mich immer wieder erstaunlich, wie facetten-, abwechslungs-, und erlebnisreich es ist, wenn man mit offenen Augen durch die Natur geht. Wer einen eigenen Garten hat, braucht eigentlich nur ein paar Schritte vor die Tür zu gehen und findet dort oft schon die schönsten Motive, halt Natur pur!

Text und Foto: Elke Stahlhut