Hochlandrinder in der Windheimer Marsch

Ein ungewöhnliches Fotoshooting 

Von Dietmar Meier 

„Können wir nicht mal Fotos mit den zotteligen Rindern in Windheim machen?“ Beim Lesen von Leas Nachricht fanden wir ihre Idee schon sehr reizvoll, denn bei eigenen Spaziergängen und Fahrradtouren in der Windheimer Marsch haben sich die Hochlandrinder immer als attraktiver Hingucker gezeigt, siehe Foto unten. Im nächsten Moment kamen dann aber doch gewisse Zweifel auf, ob sich so ein Fotoshooting ohne Zaun zwischen zwei- und vierbeinigen Models dieses Kalibers überhaupt umsetzen ließe. Denn die Statur und nicht zuletzt die Hörner der Rinder lassen doch schon gehörigen Respekt aufkommen. Es folgte ein Anruf bei der Biologischen Station in Nordholz und ein Gespräch mit Detlef Trampe, der sich im Auftrag der Bio-Station um deren insgesamt circa 50 Hochlandrinder kümmert. Der erfahrene Landwirt sah unser Anliegen weniger problematisch, als wir erwartet hätten, und so wurde nach kurzer Erörterung ein Termin für unser Shooting festgelegt. Dort gab es dann erstmal eine unvorhergesehene Überraschung: Die für das Shooting vorgesehenen Rinder hatten auf dem Weg durchs Unterholz soviel Kletten und anderes Grünzeug im Fell angesammelt, dass für sie eigentlich erstmal ein „Friseurtermin“ angebracht gewesen wäre. Also wurde kurzentschlossen umdis-

poniert und eine andere Wiese angesteuert, auf der derzeit eine Gruppe von Jungbullen im Alter zwischen 1,5 und 2 Jahren ihr Revier hat. Das etwas mulmige Gefühl, als Detlef Trampe den Zugang zur Wiese öffnete, legte sich dann doch recht schnell, als erkennbar wurde, wie souverän der Landwirt mit den Rindern agierte, die jeweils um die 450 Kilogramm auf die Waage bringen. Und so ging es in der Folge vorrangig darum, mit Umsicht Vertrauen zwischen Mensch und Tier zu entwickeln, um die Mädels in fotogene Positionen zu den Rindern zu bringen. Besonders in Erinnerung aus der vierbeinigen Truppe bleibt uns ein junger Bulle namens Stöpsel, der auch die Kamera des Fotografen aus allernächster Nähe einer genauen Inspektion unterzog. Von Lea, Nele und dem Fotografen ein herzliches Dankeschön an Detlef Trampe und die Bio-Station für einen ebenso unterhaltsamen wie lehrreichen Nachmittag.

Mutig, mutig: Das Fotoshooting mit den Hochlandrindern in der Windheimer Marsch wird Nele und Lea – hier mit Stöpsel – sicher in besonderer Erinnerung bleiben. Fotos: Dietmar Meier

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Im Einsatz für den Artenschutz

Von Jutta Niemann, Biologische Station Minden-Lübbecke

Nach dem Rückzug der Kiesindustrie aus der Windheimer Marsch bestand dringender Handlungsbedarf, um den Wert des Gebietes für den Naturschutz aufrecht zu erhalten. Durch Unterlassung jeglicher Nutzung und Pflege wäre das Gebiet innerhalb weniger Jahre durch die fortschreitende Sukzession in Wald übergegangen. Daher setzte der Naturschutz im EU-Vogelschutzgebiet „Weseraue“ verstärkt auf ein neues Konzept zur Pflege und Entwicklung wertvoller Landschaften. Anstelle einer kostenintensiven, maschinellen Pflege kommt hierbei eine an natürlichen Vorbildern orientierte, großflächige Beweidung mit robusten Rindern zum Einsatz. Deshalb arbeitet die Biologische Station Minden-Lübbecke in der „Windheimer Marsch“ mit Schottischen Hochlandrindern. Die ausgesprochen gutmütigen Tiere sind besonders robust und nässetolerant und eignen sich daher gut für die ganzjährige Freilandhaltung. Sie ersetzen sozusagen den ausgestorbenen Auerochsen.Der Einsatz dieser großen Pflanzenfresser in der Landschaftspflege bereichert die Ökosysteme und ihre Lebensgemeinschaften auf vielfältigste Art und Weise. Durch den Verbiss wird die Ausbreitung von Gehölzen begrenzt und die Entwicklung von offenen Gras- und Krautfluren, Röhrichten und Flutrasen gefördert. Dabei wird auch für die Offenhaltung der Gewässerufer gesorgt und wertvolle Pionierstandorte geschaffen. Auf den seit mehreren Jahren beweideten Flächen hat sich somit mittlerweile ein vielfältiges Mosaik aus Weiderasen mit Saumarten, Weidengebüschen und -wäldern, Schlehen-Weißdorngebüschen und in feuchteren Bereichen auch Flutrasen, Röhrichten und Schlamm-Pionierfluren entwickelt.

Detlef Trampe hat „seine“ Rinder fest im Griff.

Die Beweidung fördert daher eine halboffene Auenlandschaft für eine artenreiche und auentypische Vogelwelt. Und das kann man auch beobachten. Diese Standorte sind ideal für viele der schutzwürdigen Wat- und Wasservögel in der Weseraue. Auf den Flächen brüten zum Beispiel Kiebitze und Flussregenpfeifer und die Gewässerufer werden gern von Krick- und Schnatterenten besiedelt. Auch viele Singvögel profitieren von dem reichen Biotopangeboten. So können wir im Frühjahr in der Windheimer Marsch überall dem Gesang der Nachtigall lauschen und den mittlerweile sehr zahlreich vorkommenden Neuntöter bei seinem Brutgeschäft beobachten. Nirgendwo in der Weseraue ist der Neuntöter so häufig vertreten, wie hier auf den Weideflächen. Aber auch zahlreiche Insekten profitieren von der Beweidung. Hier haben sich unter anderem feuchtgebietstypische Heuschrecken, wie die Sumpfschrecke, kurzflügelige Schwertschrecke und Säbeldornschrecke angesiedelt. Auch die typischen Heuschreckenarten extensiv genutzten, strukturreichen Grünlandes wie Große Goldschrecke und Wiesen-Grashüpfer sind hier beheimatet. Die blütenreichen Säume ziehen Schmetterlingsarten wie Schwalbenschwanz und Fünffleck-Widderchen nach sich. Auch zur Lebensraumerhaltung der im Gebiet wieder regelmäßig anzutreffenden Kreuzkröte, einer Art die eng an temporäre, vegetationsarme Kleingewässer angewiesen ist, leistet das Beweidungsprojekt einen wichtigen Beitrag. Aber auch der Mensch findet Erholung und Naturgenuss in dieser reich gegliederten Landschaft. Darüber hinaus macht es Freude, das komplexe Sozialverhalten der „halbwilden“ Weidetiere, die in naturnahen Herdenverbänden die Landschaft beleben, zu beobachten.