In Neuenknick packen Jung und Alt mit an

Neuenknick. Jung und Alt. Zusammen. Funktioniert das eigentlich noch in den Dörfern der Stadt Petershagen oder ist das schon ein Begriff aus vergangenen Zeiten? Was kann denn junge Leute motivieren, sich aktiv ins Dorfleben einzubringen? Und was erwarten junge Menschen hier eigentlich für sich und ihre Familien von Politik und Verwaltung?
Das sind nur einige Fragen, die angesichts des demographischen und gesellschaftlichen Wandels auch für die zukünftige Entwicklung der Stadt Petershagen wichtig sind.
Für den Petershäger Anzeiger möchte ich in nächster Zeit der Frage nachgehen, wie das Miteinander der verschiedenen Generationen heutzutage hier bei uns auf dem Lande funktioniert.
Ist das vielleicht sogar von Dorf zu Dorf unterschiedlich? Dass es altersbedingt zum Teil unterschiedliche politische Ansichten gibt, kam zuletzt schon mal kurz bei der Frage zum Vorschein, ob zwei Rathäuser für Petershagen sinnvoll sind.

Auf dem Weg zum Interview in Neuenknick: Annalena Sundmäker traf Paulina Krysztofiak, Stefan Wiesinger und Jannis Brandhorst.

Im April berichtete ich über die Neuwahl des Dorfvorstandes in meiner Heimat Halle. Dort wurden erstmals zwei junge Männer in den Vorstand gewählt, die sich zumindest alterstechnisch vom Rest des Vorstandes deutlich unterscheiden. Bisher hat das nicht für Reibungspunkte gesorgt. Nun bin ich gespannt zu erfahren, wie sich das Miteinander in den Dörfern Petershagens gestaltet.
Unsere neue Serie startet in Neuenknick. Dort leben aktuell knapp 800 Einwohner. Es gibt einige Vereine und Institutionen, die die Freizeit der Bürgerinnen und Bürger mitgestalten. Dazu gehören unter anderem Feuerwehr, Fußballverein, der Motorsportverein und vor allem das Bürgerbatallion mit gleich vier Kompanien, und dazu noch zwei Schützenvereine. Neuenknick erstreckt sich in West-Ost Richtung von der B482 über eine Länge von fast vier Kilometern bis zur niedersächsischen Grenze.

Zum Interview traf ich den Ortsbürgermeister Stefan Wiesinger (51), Jannis Brandhorst (22), Junior-Chef des Neuenknicker Familienbetriebs Wahrenburg Busreisen und Paulina Krysztofiak (22), die sich unter anderem beim SC Neuenknick engagiert und Neuenknick erst kürzlich in einem Facebook-Kommentar als schönstes Dorf der Welt bezeichnete.
In einem lockeren Gespräch erzählten die drei einiges über ihr Dorf, ihre Zukunftspläne und natürlich über ihre persönlichen Erfahrungen beim Verhältnis zwischen Jung und Alt.
Ein Austausch zwischen den Generationen findet in Neuenknick definitiv statt, da sind die drei sich einig. Allein durch die Vereine und all die Veranstaltungen, die von diesen ausgehen, begegnen sich die Generationen regelmäßig und arbeiten gemeinsam. Auf die Frage, was junge Menschen motiviert, sich im Dorf zu engagieren, findet Stefan Wiesinger schmunzelnd den Ausdruck „positiver Zwang“. Er erklärt, dass es in der kleinen Ortschaft so gut wie selbstverständlich ist, sich mit einzubringen. „Es kann sein, dass nachgefragt wird, wenn mal jemand bei einer Dorfveranstaltung nicht dabei ist“, ergänzt er. „Das ist natürlich niemals böse gemeint.“

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Generell seien junge Mitglieder in den Vereinen vertreten. „Es wird versucht, alle Generationen zusammenzukriegen. Deshalb freuen wir uns darüber, dass wir im Bürgerbataillion beispielsweise Jugendvertreter im Festausschuss haben, um allen Generationen gerecht werden zu können. Wir wollen Jugendliche an die Ämter heranführen, die sie später einmal übernehmen können.“
„Die Motivation, sich ins Dorfgeschehen einzubringen, entsteht allein schon durch das Aufwachsen mit den Vereinen und Festen. Außerdem kommt das Heimatgefühl dazu.“, fügt Paulina Krysztofiak hinzu.

Des Weiteren spielt die Historie bei den Schützen sicherlich eine Rolle. Stefan Wiesinger erklärt, dass Frauen und Kinder in Neuenknick (fast) von Anfang an Platz in den Bürgerkompanien des Bataillons finden. Woanders ist das eher unüblich, doch dadurch sind immer alle Altersgruppen und Geschlechter involviert gewesen. „Wenn man mit den Eltern im Schützenverein aufwächst, ist es unwahrscheinlich, dass man später austritt.“
Um immer neue Ideen einfließen lassen zu können, gibt es in Neuenknick den „Arbeitskreis Dorfgespräch“ innerhalb der Kulturgemeinschaft, der sich um Projekte, Planung, Gelder und Organisation kümmert. Auch hier findet eine Zusammenarbeit zwischen Jung und Alt statt, um möglichst allen gerecht werden zu können.
Landflucht ist in Neuenknick offensichtlich kein großes Thema. Zwar ist die Einwohnerzahl, langfristig betrachtet, etwas gesunken, in den letzten Jahren hat sich Neuenknick allerdings zu einem attraktiven Standort entwickelt. Die Nachfrage nach Wohnungen sei recht hoch und es gibt kaum Leerstand. Wegen der vergleichsweise geringen Grundstückpreise wird momentan auch in Bauland im Neubaugebiet investiert. Zudem kehren immer mehr junge Leute nach dem Studium oder der Ausbildung wieder nach Neuenknick zurück.
Aber auch für Menschen aus fernerer Gegend ist Neuenknick offensichtlich ein attraktiver Ort. Durch die eigene Website der Ortschaft werden einige Angebote anschaulich gemacht.
Über die Antwort auf die Frage, ob man überhaupt von Meinungsverschiedenheiten speziell zwischen Generationen sprechen kann, sind die drei sich wie nahezu immer einig: Nein! Alle seien individuell, hätten zum Teil verschiedene Ansichten, aber speziell zwischen den Generationen ließe sich kein genereller Unterschied feststellen.
Aktuell laufen einige Projekte und Maßnahmen im Ort, wo die verschiedenen Altersgruppen sehr gut zusammenarbeiten. Hier nur ein paar Beispiele: Renovierung der Schießsportstätte Lusebrink vom SV und die neue Pflasterung des Gehweg auf dem Friedhof.

Auch für die Zukunft gibt es bereits weitere innovative Pläne. Derzeit ist ein Dorffunk im Gespräch. Das Projekt für die „Digitale Plattform für den Mühlenkreis“ läuft über den Kreis Minden-Lübbecke. Fraglich ist momentan nur, ob der Dorffunk flächendeckend etabliert werden kann, sodass er auch von allen Generationen genutzt wird.
Besonders stolz ist Stefan Wiesinger, dass man es in den letzten Jahren geschafft hat, eine Transparenz zwischen den Vereinen herzustellen. Die Kulturgemeinschaft, dessen Vorsitzender er ist, habe sich in den letzten Jahren gerade im Hinblick auf die Zusammenarbeit der örtliche Vereine sehr gut entwickelt. Für ihren Ortsbürgermeister finden Paulina Krysztofiak und Jannis Brandhorst lobende Worte. Sie beschreiben ihn als einen „Macher“ und „Kümmerer“. „Aufgrund dieser Eigenschaften sind wir froh, Stefan als Ortsbürgermeister zu haben“, schließt Jannis.

Text: Annalena Sundmäker, Fotos: Dietmar Meier und Krischi Meier