Niclas Sandvoß mit Charlotte, Amara, Thea, Max beim Ball spielen. Foto: Simone Kaatze

Inklusion in der DRK Kita Petershagen – Niclas Sandvoß schnuppert in Erzieherberuf

Petershagen (sk). Im letzten Jahr eröffnete die Kindertagesstätte vom DRK Kreisverband Minden e.V. am Koppelweg in Petershagen. Aktuell werden dort 32 Kinder im Alter von drei Monaten bis sechs Jahren von insgesamt fünf Erziehern und Erzieherinnen betreut. Absolventen des Freiwilligen Sozialen Jahres sowie Praktikanten ergänzen das Team der Kita. Auch Niclas Sandvoß unterstützt das Team der Petershäger Betreuungseinrichtung noch bis Ende August. Seit Juni ist der 21-jährige dort in einer individuellen betrieblichen Qualifizierung von der Diakonischen Stiftung Wittekindshof tätig. Dadurch hat er die Möglichkeit in den Erzieherberuf hinein zu schnuppern und Erfahrungen im sozialen Bereich zu erleben. Die ersten Worte mit denen die Kinder Niclas Sandvoß begrüßt haben waren offen und ehrlich: „Kannst du nicht laufen?“, fragten ihn die Kinder neugierig, denn ihr neuer Betreuer sitzt im Rollstuhl. Für den Mindener selbst ist es keine Besonderheit mehr, da er von Geburt an aufgrund einer Querschnittslähmung nicht laufen kann und im Rollstuhl sitzt, womit er aber gut zurecht kommt und sehr mobil ist. „Er ist schnell als Spielpartner von den Kindern aufgenommen worden, eine Hemmschwelle gab es nie“, berichtet Victoria Schaffer, Leiterin der DRK Kindertagesstätte, begeistert von der Offenheit der Kleinen. „Es ist wichtig, dass Kinder früh mit dem Thema Inklusion in Berührung kommen und lernen, dass jeder anders, aber willkommen ist, damit sie keine Ängste oder Vorurteile entwickeln“, erklärt die Kita-Leiterin weiter. So profitieren beide Seiten von diesem Projekt: Für die Kinder ist es eine sehr positive Erfahrung und für Niclas Sandvoß ist es toll mit offenen Armen empfangen zu werden. „Die Offenheit der Kinder ist ganz besonders“, freut er sich. Der 21-jährige nimmt an allen Aktivitäten teil: Ob im Stuhlkreis, beim Frühstück oder Mittagessen, in der Turnhalle, als Vorleser oder draußen beim Ballspielen mit einer Gruppe Kinder – Niclas Sandvoß ist voll und ganz in das alltägliche Kita-Leben integriert.

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„Zwischendurch spielen die Kleinen auch sehr gerne mit dem Licht an meinem Rollstuhl, schieben mich durch die Gegend und fahren kleine Rennen gegen mich mit den Kinderfahrzeugen“, berichtet der Mindener über die Erfahrungen mit den Kindern in der Kita. „Erzieher ist mein Traumberuf. Ich habe oft meiner Mutter bei ihrer Arbeit als Tagesmutter geholfen und da wurde mir klar: cool, das möchte ich auch“, erklärt Niclas Sandvoß überzeugt. Ziel der Maßnahme, die in Kooperation von der Diakonie und dem Wittekindshof erfolgt, ist ein fester Arbeitsplatz für die Absolventen. Im beruflichen Bereich ist es für Menschen mit körperlichen Einschränkungen nicht so leicht und das ärgert Sandvoß: „Es wird viel von Inklusion und Integration geredet, aber weiter sind wir noch nicht. Wir müssen da dran arbeiten, dass wir akzeptiert werden. Mein Wunsch ist ganz klar, dass wir zusammen leben können.“ Niclas Sandvoß weiß, dass die Arbeitssuche nicht einfach für ihn wird, weil er nicht alle Voraussetzungen für den Arbeitsmarkt nach der Schule erfüllt. Dafür bringt er aber neben der Freude am Umgang mit Kindern noch Redegewandtheit sowie einen starken Willen mit an seinen zukünftigen Arbeitsplatz.