Insektenschutzfenster für die Ilser Webstube

Ilse. Der Verein Ilser Webgemeinschaft e.V.  verarbeitet in der Webstube ausschließlich Naturmaterialien wie Wolle, Seide und Leinen. In der Vergangenheit lag die Priorität der Webstube in der Leinenweberei. Mit dem Förderprojekt  „Gründung einer Spinngruppe in den Räumen der Ilser Webstube und Kurse insbesondere für Kinder und Jugendliche“ der BULE–LandKULTUR 2017 wird in der Webstube immer mehr Wolle und Seide verarbeitet. Mit diesen Materialien kamen dann auch schnell ungebetene Gäste durch Türen und Fenster: Motten.

Da diese kleinen Plagegeister keinen Leinen mögen, gab es in den vorherigen Jahren keine Probleme mit Mottenbefall. Wolle und Seide haben sie allerdings zum „fressen gerne“ und verursachen dadurch großen Schaden: Fressen sie sich durch ein Gewebe oder eine Kette, die auf einem Webstuhl aufgezogen ist, ist in der Regel nichts mehr zu retten. Das Materiallager des Vereins mit den Garnen zum Weben und auch die Fasern zum Spinnen müssen daher vor Schädlingsbefall geschützt werden. Bereits seit Jahren suchten die Vereinsmitglieder nach einer passenden Lösung für dieses Problem und testeten selbst vieles aus, aber leider immer ohne langfristigen Erfolg. Um dem Mottenbefall Einhalt zu gebieten und die Materialien zu schützen, wurde ein Insektenschutz für die Fenster benötigt. Den Mitgliedern war bewusst, dass die Webstube den Motten ohne professionell hergestellte und eingesetzte Insektenschutzfenster ein Schlaraffenland bieten würden und sie ohne brauchbares Material weder das Spinnen noch das Weben präsentieren und auch nicht das Wissen um dieses alte Handwerk in Kursen weitergeben können.

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Im April 2020 hat der Deutsche Verband für Archäologie im Rahmen des Förderprogramms „Kultur in ländlichen Räumen“ das Programm „Soforthilfe Heimatmuseen“ ins Leben gerufen, welches durch die Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert wird. Die Ilser Webgemeinschaft zögerte nicht lange, holte sofort ein Angebot eines ortsansässigen Fensterbauers ein und stellte den Antrag auf eine Förderung für die dringend benötigten Insektenschutzfenster. Am 17. Juni erhielten sie die Bestätigung der Förderung und beauftragten das Unternehmen mit dem Einbau von den insgesamt acht Insektenschutzfenstern. Am 14. Juli erfolgte bereits der Einbau. Das Projekt „Soforthilfe Heimatmuseen“ finanzierte 75 Prozent der entstandenen Kosten, welches einer Summe von 1200 Euro entspricht. Durch den neuen Insektenschutz können die Räume der Webstube nun gefahrlos und ausreichend belüftet werden ohne dass wertvolle Naturmaterialien wie Leinen, Wolle und Seide durch Mottenbefall geschädigt oder gar unbrauchbar werden.

Die Idee, eine Webstube in Ilse einzurichten, ist 1982 aus der Aktion „Unser Dorf soll schöner werden“ entstanden. Zunächst in der „guten Stube“ im Hause Nahrwold eingerichtet, konnte die Webstube im Jahr 1993 mit finanzieller Unterstützung der Nordrhein-Westfalen-Stiftung, des Kreises Minden-Lübbecke, der Stadt Petershagen und der Mithilfe vieler Ilser Einwohner in neue, größere Räumlichkeiten im Hause Nahrwold einziehen. Mittlerweile stehen dort auf 150 Quadratmetern Web- und Ausstellungsfläche 14 voll funktionsfähige und eingerichtete Handwebstühle verschiedener Generationen sowie 10 Spinnräder. 

Text und Archivfoto: Simone Kaatze