Herbert Marowsky war 45 Jahre Ortsbürgermeister. Foto: Namira McLeod

„Jetzt ist endgültig Schluss“ – Herbert Marowsky verabschiedet sich nach 45 Jahren Dienstzeit

Wietersheim. Am 6. Oktober feierte Herbert Marowsky sein 45-jähriges Dienstjubiläum in Wietersheim und gilt damit als längst gedienter Ortsbürgermeister in Petershagen. Gleichzeitig verabschiedete er sich Anfang November in den Ruhestand.

„Ich bin da einfach reingerutscht“, beschreibt Herbert Marowsky (SPD) seine Anfänge. „1973 gab es eine Gebietsreform, wonach jeder Ortsteil mit einem Ortsvorsteher zu besetzen war. Gemeinderat Fritz Grannemann verzichtete auf das Amt und ich bekam den Posten. Meine Amtszeit begann am 6. Oktober 1975. Dann wurden im August 2009 Ortsvorsteher nach dem Kommunalgesetz umbenannt.“ Fortan durfte sich Marowsky „Bürgermeister“ nennen, genauer Ortsbürgermeister von Wietersheim – und das 45 Jahre lang. Am 4. November 2020 übergab er sein Amt an Nachfolger Friedrich Lange. 

„Das Lustige an der Sache: Ich war tatsächlich mal echter Bürgermeister – für 20 Tage“, schildert er. „Ich saß 25 Jahre im Stadtrat, erhielt eine Stimme weniger als die CDU. Dann erkrankte Gegenkandidat Wilhelm Krömer und irgendwer von CDU oder FDP muss mich zum Bürgermeister gewählt haben. Doch kaum hatte ich am 28. November 1994 mein Büro eingerichtet, schon musste ich wieder packen. CDU-Stadtdirektor Joachim Thiele nutzte die Abschaffung der kommunalen Doppelspitze durch das Land NRW, um selber zum Bürgermeister gewählt zu werden. Ich bekam am 17. Dezember die Stellvertreter-Rolle und durfte sie 15 Jahre lang (bis 26. Oktober 2009) ausüben. Somit war ich auch der Bürgermeister von Petershagen mit der kürzesten Amtszeit.“

Geboren und die ersten sechs Jahre in Minden aufgewachsen, wo er später die Heideschule (heute: HeideDomizil) besuchte, habe er seinen Lebensmittelpunkt in Wietersheim gefunden. Von dort aus war er regional und bundesweit unterwegs, ging seinen Tätigkeiten als Berufsschöffe beim Amts- und Verwaltungsgericht Minden sowie beim Landgericht in Bielefeld nach und hatte zahlreiche Verwaltungs-, Betriebsrat- und Vorstandsposten inne. Zudem wurde ihm am 25. März 2010 das Verdienstkreuz am Bande verliehen.

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Daneben mag er die plattdeutsche Sprache. „Ich habe mal ein Theaterstück auf Plattdeutsch geschrieben“, erwähnt Marowsky. Des Weiteren ist er Buchautor. Seine „Felix-Geschichten eines Dorfkaters“ von 1994 erschienen in einer Auflage von tausend Stück und sein Buch „Hier wird jeder Wille gebrochen – 50 Jahre nach Auflösung des KZ“ von 1995 habe sogar in Holland Anerkennung erfahren.

Von all seinen Aufgaben als Ortsbürgermeister liege ihm die „Alte Schule Wietersheim von 1780“ besonders am Herzen. Allerdings nicht, weil der SPD-Ortsverein dem Jubilar einen spontanen Umtrunk organisierte, sondern eine alte Dame kurz vor ihrem Tod den Erhalt des historischen Gebäudes in seine Hände legte. Als seit Jahren offene Baustelle nennt Marowsky die fehlende Breitbandversorgung. Gerade in Zeiten von Corona und Homeoffice habe man sich eine schnellere Internetverbindung in Wietersheim gewünscht. Auch Radwege nach Leteln und Frille seien ein großes Anliegen. Den größten Erfolg habe man mit der Durchsetzung der Lärmschutzwand an der B482 zu verbuchen – ein Begehren seit den 1990ern. Mit 82 Jahren und seiner letzten Amtsaufgabe, den Wirtschaftsweg aus den 1950er Jahren zu sanieren und als Radwanderweg auszuweisen, verabschiedet sich Marowsky in den Ruhestand und erklärt: „Eigentlich wollte ich schon vor fünf Jahren aufhören, doch der potenzielle Nachfolger hatte seine Kandidatur aus persönlichen Gründen zurückgezogen. Aber jetzt ist endgültig Schluss.“

Text: Namira McLeod