Sonntag, 26. Mai 2024

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KAVG und Wiese Fahrzeugbau bringen Leuchtturmprojekt auf die Straße

Erster LKW mit E-Antrieb im Schubbodeneinsatz sorgt für klimaneutralen Transport durch den Landkreis Minden-Lübbecke.
Landrat Ali Doğan, Henning Schreiber (Geschäftsführer KAVG) und Burkhard Wiese (Geschäftsführer Wiese Fahrzeugbau) präsentieren den neuen E-LKW vor der MBA im Ressourcen- und Entsorgungszentrum Pohlsche Heide in Hille. Anschließend ging es gemeinsam auf eine kurze Probefahrt über das Gelände. Foto: KAVG
Hille/Petershagen (pa). Täglich rollen LKWs der KAVG (KreisAbfallVerwertungsGesellschaft mbH Minden-Lübbecke) vom Entsorgungszentrum Pohlsche Heide in Hille zum KAVG-eigenen Heizkraftwerk Minden (HKW) an der Karlstraße. An Bord: Sogenannte Ersatzbrennstoffe (EBS) aus der Abfallbehandlung, die im HKW in Wärmeenergie umgewandelt werden und somit direkt fossile Brennstoffe wie Öl, Gas oder Kohle ersetzen. Jetzt wird auch der Transport dieser ressourcenschonenden Ersatzbrennstoffe umweltfreundlich. Die KAVG hat in Kooperation mit Wiese Fahrzeugbau in Petershagen ein Leuchtturmprojekt umgesetzt: Den ersten „Schubboden-LKW mit E-Antrieb“ im Kreis Minden-Lübbecke. Firma Wiese ist in der Region der einzige Fahrzeugbauer, der derartige innovative LKW mit modernsten Aggregaten wie z.B. Schubbodenbetrieb anbietet in der Vermietung und somit auf die Straße bringt. Mit seiner auffälligen Folierung wirbt das Fahrzeug für umweltfreundliches Fahren mit Strom aus Abfall und Sonne – Strom, der auf der Pohlschen Heide erzeugt wird. „Wir zeigen, dass es geht: Ein E-LKW mit Schubboden, das ist wirklich ein starkes Zeichen für die Zukunft“, sagt Landrat Ali Doğan, der selbst als erster Landrat im Mühlenkreis im vollelektrischen Dienstfahrzeug zu seinen Terminen unterwegs ist, bei der Vorstellung dieses besonderen Fahrzeugs des kommunalen Tochterunternehmens KAVG. Henning Schreiber, Geschäftsführer der KAVG, ist stolz auf diese weitere Innovation der KAVG: „Die kommunale Ressourcenwirtschaft des Kreises Minden-Lübbecke geht hier einen weiteren großen Schritt, um regionale Energie- und Stoffkreisläufe zu schließen – ganz im Sinne der Daseinsvorsorge, sowohl aus ökonomischer als auch aus ökologischer Sicht.“ Burkhard Wiese ergänzt: „Als innovatives und modernes Unternehmen beschäftigten wir uns immer mit Alternativen zum Standard. Dabei kann der Elektro-LKW im Nahverkehr eine Lösung für die Zukunft sein. Das versuchen wir gemeinsam mit unseren Partnern zu zeigen. Aufgrund der hohen Investitionen funktioniert das aktuell aber nur mit Förderungen des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr, die aktuell leider nicht mehr in dieser Form existieren. Wenn der Transportunternehmer mit der E-Mobilität kein Geld verdienen kann, dann wird er auch nicht darin investieren. Für die Zukunft bleibt also noch sehr viel Arbeit, um die notwenige Infrastruktur aufzubauen und den E-LKW wirtschaftlich interessant zu machen.“ Für die Technikinteressierten einige Daten des Volvo E-LKW Volvo FH Electric: 6 Traktionsbatterien mit einer Kapazität von 540 kWh Gesamtenergie leisten ca. 490 KW (ca. 666 PS), der Verbrauch beträgt lt. Volvo ca. 120 kWh auf 100 km. Die Reichweite des E-LKW beträgt bis zu 300 km. Zum Vergleich: Ein herkömmlicher Diesel-LKW verbraucht im Werksverkehr der KAVG ca. 34 l Diesel auf 100 km. 1 l Diesel erzeugt 2,65 kg CO2. Bei der durchschnittlichen Jahreskilometer-Laufleistung spart der E-LKW der KAVG (im Vergleich zu einem herkömmlichen Diesel-LKW) ab sofort über 33 to CO2 jährlich ein. Und da der erforderliche Strom direkt im Entsorgungszentrum Pohlsche Heide aus Sonne und Abfall erzeugt wird, erfolgen die Transporte mit diesem Fahrzeug klimaneutral und kostensparend.

Strom aus Sonne:
Die vor kurzem auf dem Dach der MBA installierte PV-Anlage erzeugt mit über 1.000 Elementen eine Leistung von 451 KWp umweltfreundlicher Solarenergie.

Strom aus Abfall:
Die Mechanisch-Biologische Abfallbehandlungsanlage (kurz MBA) im Entsorgungs- und Ressourcenzentrum Pohlsche Heide setzt sich mit den Abfällen auseinander, die nicht bereits im Vorfeld in Haushaltungen und Gewerbebetrieben getrennt wurden. Was zuhause in die Restmülltonne hineingeworfen wird, kommt in der MBA an. Gleiches gilt für Abfälle aus Gewerbebetrieben. In der MBA werden diese Gemische durch mechanische Bearbeitungsschritte wie Zerkleinern, Sieben, Sichten und Sortieren voneinander getrennt. Die organischen Reste werden direkt an der MBA in einer Vergärungsanlage zu Biogas umgewandelt. Dieses Biogas wird in Blockheizkraftwerken der KAVG zu Wärme und Strom umgewandelt und dient der Energieversorgung im Entsorgungs- und Ressourcenzentrum Pohlsche Heide und jetzt auch zum „Tanken“ des E-LKW. Überschüssiger Strom wird ins öffentliche Stromnetz eingespeist. Ein herzliches Dankeschön der Kooperationspartner KAVG und Wiese geht an die Agentur Wulf-Design in Rheda-Wiedenbrück für die kreative Gestaltung der Folierung und an die Firma Werbe-Discounter in Minden für das perfekte Aufbringen der Folierung. Beide haben das Fahrzeug zu einem echten „Hingucker“ gemacht.

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