Kormorane in Petershagen

Petershagen. Dass es um den Bestand von Fauna und Flora in unserer industriell geprägten Welt nicht zum Besten steht, diese Botschaft dürfte mittlerweile überall angekommen sein. Immer mehr Tier- und Pflanzenarten landen auf den Roten Listen. Von daher wird dem Erhalt der Artenvielfalt inzwischen ein hoher Stellenwert beigemessen. Was aber, wenn konsequenter Schutz einer Art möglicherweise zu Lasten anderer Arten geht? Womit wir bei einem Thema sind, das schon lange für heftige Auseinandersetzungen sorgt: Dem Konflikt um den Kormoran.

Nachdem Kormorane schon fast ausgerottet waren, ist der Bestand in den letzten Jahrzehnten stark angestiegen, in NRW seit Anfang der 90er Jahre. Im Winter 1995 wurden erstmals Kormoranschwärme auch an den Fließgewässern der Mittelgebirge beobachtet.

Dass sich Kormorane von Fischen ernähren, daran besteht kein Zweifel. Doch schon bei der Frage, wieviel davon sie täglich benötigen, scheiden sich die Geister. Literaturangaben variieren zwischen 150 und 500 Gramm. Besonders kontrovers aber wird die Diskussion um die Auswirkungen auf den Fischbestand insgesamt, wenn sich Vogelschützer und Fischereibetriebe und Angler gegenüberstehen.

Für eine solche Diskussion benötigt man vor allem Daten über die Anzahl der Kormorane. „Im Stadtgebiet von Petershagen gab es erste Zählungen bereits 2007/08“, berichtet Gerd Lohaus, von 2000 bis Anfang 2018 Vorsitzender des Fischereivereins Petershagen. „Begonnen wurde mit der Erhebung damals am Kiesteich  „Mittelweser“ zwischen Ovenstädt und Hävern  und zwar in einer Zusammenarbeit der Fischereivereine mit Vertretern aus dem Naturschutz. Letztere stellten die Mitarbeit jedoch schon nach relativ kurzer Zeit ein“, erinnert sich Lohaus. 

Biotop nördlich der Weserbrücke, 28.2.2018

Ab Januar 2009 gab es dann systematische Bestandsaufnahmen durch die Mindener Interessengemeinschaft der Fischereivereine, der elf Mitgliedsvereine aus dem Bereich zwischen Schlüsselburg und Vlotho angehören. Gezählt wird immer nach der gleichen Methode: Ausgerüstet mit Ferngläsern notieren die Zählteams aus allen Vereinen seit zehn Jahren jeweils am ersten Sonntag des Monats, immer eine Stunde vor Sonnenuntergang die Zahl der Kormorane an den bekannten Schlafplätzen Durch die zeitgleiche Messung wird ausgeschlossen, dass Vögel doppelt an unterschiedlichen Standorten erfasst werden.

Quelle: Mindener Interessengemeinschaft der Fischereivereine e.V.

Die nebenstehenden Grafiken zeigen die Datensätze der Mindener IG von zwei Kiesteichen im Stadtgebiet, der schon genannten Abgrabung „Mittelweser“ und einem unter Naturschutz stehenden Kiesteich in der Lahder Marsch. Dort bestand bis 2015 eine Brutkolonie, die sich dann bedingt durch das Auftreten von Waschbären auflöste. In der Spitze wurden  an beiden Standorten um die 500 Exemplare angetroffen (Oktober 2012).

Beim Empfang anläßlich des 75-jährigen Jubiläums des Fischereivereins Lahde Ende März überraschte  Dr. Michael Möhlenkamp, Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes Westfalen und Lippe mit dem Hinweis auf den Entwurf einer neuen Kormoran-Verordnung der Landesregierung NRW, die die Bejagung von Kormoranen zum Schutz der Fischbestände im Zeitraum zwischen August und März künftig unter bestimmten Bedingungen ermöglichen solle.

Buhne Schlüsselburg, 13.3.2018

Bianca Winkelmann, heimische Landtagsabgeordnete und umweltpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, teilte dazu mit, dass die wesentlichen Änderungsvorschläge für die Verordnung die Ausweitung der Jagdzeiten und die Abstandsregelungen zu Gewässern betreffen. Darüber hinaus sei in dem Entwurf vorgesehen, durch nichtletale Maßnahmen, zum Beispiel durch das Entfernen von Geäst oder Licht und Lärm vor der Eiablage die Entstehung neuer Brutkolonien zu verhindern. Ebenfalls geändert werden solle die Möglichkeit der Bejagung von Jungvögeln, die noch nicht am Brutgeschäft beteiligt sind. „Mir persönlich ist der Schutz der gesamten Fauna und Flora wichtig. Und dazu gehören auch die Fische in unseren Gewässern“, stellte Winkelmann ihre persönliche Position klar und versprach, die Leser des Petershäger Anzeigers über die Ergebnisse der jetzt anstehenden Anhörung der Naturschutzverbände auf dem Laufenden zu halten.

Ösperhafen, 14.2.2018

Text und Fotos: Dietmar Meier