Lebensretter durch Stammzellspende

Petershagen. Alle 15 Minuten erhält ein Mensch in Deutschland die niederschmetternde Diagnose Blutkrebs. Viele Patienten sind Kinder und Jugendliche, deren einzige Chance auf Heilung eine Stammzellspende ist. Nur ein Drittel der Patienten findet innerhalb der Familie einen geeigneten Spender, aber der Großteil benötigt einen nicht verwandten Spender und jeder zehnte Patient findet sogar gar keinen Spender. Grundsätzlich kann jeder gesunde Mensch, der zwischen 17 und 55 Jahre alt ist, Stammzellspender bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) werden. So wurde auch kürzlich eine junge Petershägerin mit ihrer Stammzellspende zur möglichen Lebensretterin.

Der Weg zur Spende

Im Jahr 2016 lies sich Alana Wiegmann bei einer Registrierungsaktion am Freiherr-vom-Stein-Berufskolleg in Minden als Stammzellenspenderin registrieren. Jeder hat den DKMS-Slogan „Stäbchen rein, Spender sein“ sicher schon mal gehört oder gelesen und genauso einfach wie es sich anhört ist die Registrierung auch: Mit einem Wattestäbchen wird ein Wangenabstrich genommen, der dann zusammen mit der ausgefüllten Einverständniserklärung an das DKMS-Labor geschickt wird. Die 23-jährige Petershägerin musste damals bei der Typisierung nicht lange überlegen: „Die Chance dadurch ein Leben retten zu können war für mich Grund genug“, erzählt sie. Nach der Registrierung werden die Untersuchungsergebnisse des Wangenabstrichs gespeichert und anonym für den weltweiten Patientensuchlauf zur Verfügung gestellt. Im Sommer 2020 erhielt Alana Wiegmann dann von der DKMS die Information, dass es eine Übereinstimmung Ihrer Gewebemerkmale mit einem Patienten gibt, der dringend eine Stammzellspende benötigt. „Ich habe mich sehr gefreut, dass ich die Möglichkeit habe jemanden zu helfen, auch wenn ich zu dem Zeitpunkt noch gar nicht so genau wusste wie das ablaufen wird“, berichtet sie über ihre Reaktion auf diese Info. Aber auch Gedanken, wie schnell die Spende erfolgen muss damit derjenige wieder gesund wird, beschäftigten sie. Zweifel gab es jedoch zu keinem Zeitpunkt – auch nicht als Familie und Freunde nach intensiven Gesprächen ihre Bedenken geäußert haben. „Ich konnte alle Risiken und Gedanken verstehen, aber für mich stand nach wie vor an erster Stelle: Leben retten“, bekräftigt Alana Wiegmann ihre Entscheidung. „Natürlich habe ich auch darüber nachgedacht, was man nach so einer Spende an Nebenwirkungen haben kann, aber die standen in keiner Relation zu dem Aspekt, dass ein Mensch sein Leben weiterführen kann und da nehme ich gerne ,Schmerzen‘ auf mich“, erzählt sie weiter.

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Ablauf der Spende

Es gibt zwei Spenden-Methoden: Die periphere Stammzellspende und die Knochenmarkspende, wobei in etwa 80 Prozent der Fällen die erste Methode angewandt wird. Auch bei Alana Wiegmann erfolgte nach verschiedenen Voruntersuchungen die periphere Stammzellentnahme, für die sie sich vier Tage vor der Spende morgens und abends ein Medikament zur Steigerung der Anzahl der Stammzellen im peripheren Blut spritzen musste. „Wer das nicht alleine machen möchte kann auch einen Pflegedienst damit beauftragen, der von der DKMS bezahlt wird“, erklärt sie dazu. Die Spende erfolgte in einer Kölner Klinik, zu der sie in Begleitung einer Freundin für zwei Tage mit der Bahn angereist ist. Bei beiden Verfahren werden die anfallenden Kosten sowie der Verdienstausfall des Spenders übernommen. Die mehrstündige periphere Stammzellspende ähnelt einer Blutspende, nur dass das entnommene Blut durch eine spezielle Maschine läuft, um die entsprechenden Stammzellen herauszufiltern und dann dem Spender über den anderen Arm wieder zugeführt wird. „Zwei Tage später habe ich die Mitteilung erhalten, dass der Patient meine Spende erhalten hat. In neun Monaten kann ich bei der DKMS anrufen und erfragen, ob die Stammzellen angenommen worden sind“, berichtet Alana Wiegmann. „Falls sie abstoßen werden, steht der Spender für zwei Jahre ausschließlich diesem Patienten für weitere Spenden, die dann natürlich nach Rücksprache vollkommen freiwillig erfolgen, zur Verfügung“, erklärt sie weiter. Für wen sie Lebensretter war, erfährt sie frühestens nach der zweijährigen Anonymitätsfrist, wenn der Spendenempfänger es wünscht und die jeweilige Länderregelung es zulässt. Eine anonyme Kontaktaufnahme über die DKMS ist aber in jedem Fall möglich.

Text: Simone Kaatze, Fotos: privat