Mehr als nur eine Straßenverbindung – Die Weserbrücke wird 50 Jahre alt

Strahlende Gesichter bei der offiziellen Einweihung der Weserbrücke im Jahr 1970. Links auf dem Foto Petershagens damaliger Ortsbürgermeister Hans-Joachim Rauch, zweiter von rechts Verkehrsminister Riemer. Rechts oben im Hintergrund sind noch die Schornsteine der alten Blöcke des Kraftwerks Heyden zu erkennen.

Petershagen/Lahde. Brücken werden dazu gebaut, Hindernisse in der Natur zu überwinden. Mancherorts tragen sie darüberhinaus auch dazu bei, Verbindungen im Denken zu schaffen – auch wenn dieser Prozess länger dauern kann. Auf die Weserbrücke zwischen Petershagen und Lahde, die vor 50 Jahren, am 9. November 1970 ihrer Bestimmung übergeben wurde, trifft das sicher auch zu.

Bis zur Inbetriebnahme sorgte eine Fähre für die Verbindung zwischen den Weserseiten, verbunden mit mancherlei Einschränkungen. Heute ist es selbstverständlich, zu jeder Tages- und Nachtzeit innerhalb weniger Minuten von Petershagen nach Lahde oder umgekehrt zu gelangen. Anders zu Zeiten der Fähre. Wer etwa spätabends noch zu einer Feier oder einem Fest auf die andere Weserseite wollte oder dann später wieder zurück musste, dem blieb nichts anderes übrig, als über Minden oder Schlüsselburg zu fahren, denn nachts war der Fährbetrieb eingestellt. Der Fährmann setzte gegen 22.30 Uhr noch die Arbeiter über, die von der Spätschicht im Kraftwerk Heyden kamen. Dann war Feierabend, bis die Kraftwerker der Frühschicht gegen 5.30 Uhr auf der Petershäger Seite wieder auf die Fähre warteten.

Brückenbegehung bei der Festveranstaltung durch eine Abordnung der Petershäger Bürgerschützen.

Gleiches galt, wenn die Weser Hochwasser führte. Nur für die Arbeiter im Kraftwerk Heyden gab es dann die Möglichkeit, die Weser via Stauwehr zu überqueren. Über den Bau einer Weserbrücke zwischen Petershagen und Lahde als Mittel zur Verkehrsanbindung und damit zur Wirtschaftsförderung in unserer Region war schon seit Mitte der 1950er Jahre nachgedacht worden.

 Bis die Idee aber in konkrete Pläne und schließlich in ein Bauwerk umgesetzt wurde, war noch eine Menge Wasser die Weser hinunter geflossen. Treibende Kraft war hier der Petershäger Bauingenieur und Mitglied des Stadtrates Willi Lange, der die Entwicklung mit einer Denkschrift angeschoben hatte.

Darin beschrieb er auch das damalige Verkehrsaufkommen, wonach der Fährmann in den 1950er Jahren täglich bis zu 2880 Personen, 250 Fahrzeuge, 1310 Fahrräder, 110 leichte und 45 mittelschwere LKW über die Weser brachte. Im Vergleich zu heute: Die letzte Verkehrszählung im Jahr 2015 registrierte auf dem Abschnitt der L770 zwischen der B61 und der B482 14334 PKW und 1639 LKW. Heute dürften es noch mehr sein.

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Dass die Einweihung der Brücke nach vierjähriger Bauzeit ein ganz besonderes Ereignis war, das auch entsprechend gefeiert wurde, lässt sich unschwer vorstellen. Für die Inbetriebnahme war aus Düsseldorf eigens der damalige Minister für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr Horst-Ludwig Riemer angereist. Nach den offiziellen Reden besiegelte ein symbolischer Handschlag mitten auf der Brücke durch die beiden Ortsbürgermeister von Petershagen und Lahde, Hans-Joachim Rauch und Heinrich Wiegmann, den Start in eine neue Ära.

Das erste Fahrzeug, das die Brücke passieren durfte, war übrigens ein gerade frisch auf den Markt gekommener Ford Taunus, darin neben seinem Vater auf dem Beifahrersitz der damals 10-jährige Eckhard Krause, heute Inhaber des Petershäger Autohauses Krause. Nach einer Ehrenrunde in Lahde ging es für die beiden wieder zurück nach Petershagen, wo sie mit viel Jubel empfangen wurden.

„Das war ein Meilenstein“, erinnert sich Hans-Joachim Rauch an den Brückenschlag, trotz mancherlei Widerstände schon damals zusammen mit Heinrich Wiegmann überzeugt vom Nutzen einer besseren gegenseitigen Anbindung der Ortschaften beiderseits der Weser. Der Bau der Brücke war gleichsam der Schlüssel zur Gebietsreform, bei der sich am 1. Januar 1973 29 Ortschaften aus den Ämtern Windheim zu Lahde und Petershagen zur Rechtsnachfolgerin „Stadt Petershagen“ zusammenschlossen. Dass der Prozess des Zusammenwachsens über die Weser hinweg selbst nach 50 Jahren noch nicht in allen Köpfen abgeschlossen ist, wurde jüngst noch bei manchen Reaktionen auf die Frage deutlich, ob EINE Stadt Rathäuser auf jeder Seite der Weser benötigt.

 

Die Weserbrücke auf einem Luftbild aus dem Jahr 1975. Die L770 endete zu dieser Zeit noch an der Bremer Straße zwischen dem Ortsausgang von Petershagen und Bad Hopfenberg in Höhe des Autohauses Krause. Luftbild: Kreis Minden-Lübbecke, Kataster- und Vermessungsamt Datenlizenz Deutschland Namensnennung Version 2.0

Text: Dietmar Meier, Fotos: privat