Mit „Papierhaut“ zum Preisgedicht beim postpoetry.NRW 2021

Petershagen (onm). Nach dem erfolgreichen Jahr 2020 konnte Lyrikerin Ronja Lobner auch beim postpoetry.NRW 2021 bei der Jury punkten. Sie erlangte einen Nachwuchspreis mit „Papierhaut“ – ein Gedicht, das „unter die Haut geht“.

Sie ist mittlerweile volljährig geworden und hat sich für ein Leben in Hannover entschieden. Die Nachwuchsautorin aus Petershagen, die in der Lyrik ihr Zuhause gefunden hat, reichte ihr Gedicht „Papierhaut“ zum Landeswettbewerb postpoetry.NRW ein und fand sich unter den ersten drei Preisträgerinnen und Preisträgern wieder, die von der „Jungen Jury“ ausgewählt wurden. Die Preisverleihung fand am 5. November in der Zentralbibliothek Hamm statt. Dabei verfolgte sie zuletzt einen ganz anderen Weg.

„In Hannover zu leben war nicht geplant“, erklärt sie in einem Interview. „Eigentlich wollte ich in Israel in einem Frauenhaus arbeiten.“ Die Corona-Pandemie machte ihr allerdings einen Strich durch die Rechnung. Sie musste sich woanders bewerben und landete schließlich bei „NaturFreunde“, einer Umweltorganisation, die ursprünglich aus der Arbeiterbewegung in Wien heraus entstand. Bei der Ortsgruppe in Hannover fühle sie sich wohl. „Hier kann ich frei arbeiten, was und wann ich möchte.“ Überhaupt habe ihr das Großstadtleben angetan. Diese positive Entwicklung in ihrem Leben sei Ronja sehr wichtig, genau wie das Schreiben aus dem Unterbewusstsein heraus, worüber wir bereits berichteten. So entstand auch ihr neues Gedicht.

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„Falten, falten, Falten, falten – zerknittertes gesicht, ein weggeworfenes papier (…) eine haut die nichts wert ist, eine haut aus zuständen (…) die haut ist nur ein nasses taschentuch, das sich über die knochen zieht (…) geknickt aussehen, mit schwarzer tinte drüber malen, neue narben erfinden, ein stift, der nicht ihr gehörte – wir schauen zu wie er die punkte verbindet (…) dieser körper liegt in vaters hand und beginnt sich abzupellen, zu schreddern bis niemand mehr drauf zeichnen kann.“ Zu lesen auf einer Postkarte neben einem gezeichneten Totenkopf verrät Ronja, was es mit den Zeilen auf sich hat.

In ihrem Gedicht „Papierhaut“ verarbeitet sie auf besondere Weise ihre Schuppenflechte – eine chronische, nicht ansteckende, unheilbare Hauterkrankung, die oftmals über den Vater vererbt wird. Ein sichtbares Merkmal für Psoriasis (medizinischer Begriff) sind silbrige Schuppen, daher der Name. Um herauszufinden, wie sich die Flecken auf ihrer Haut über Nacht verändern, markierte Ronja sie mit einem Stift. So konnte sie beobachten, wie sich manche der Flecken miteinander verbanden oder so abschuppten, bis halt „niemand mehr drauf zeichnen kann“.

Lyrik verbindet Ronja Lobner zudem mit ihren geliebten Großeltern. „Mein Opa ist ein bekannter Künstler, der auf Notenblättern malt, und meine Oma war damals Theaterpädagogin, gab Workshops in Pantomime.“ Ihre Neigung zum besonderen Schreiben komme demnach aus der Familie.

Man darf gespannt sein, wie sich die Preisträgerin weiterentwickelt. Anfang 2022 geht sie auf Leserreise durch NRW.

Ihr Gedicht „Papierhaut“ wurde traditionell als Lyrikkarte gedruckt, die in Bibliotheken und Kultureinrichtungen ausgelegt wird, damit Preisgedichte nicht nur im Netz gepostet werden.

Text und Foto: Namira McLeod