Mit „Zirkuswagen“ zum Selbstausbauer des Jahres

Quetzen. Von der ersten Schraube bis zur letzten Regaleinfassung – sieben Monate lang hat der Petershäger Hand angelegt, bis sein Anhänger zum vollwertig ausgebauten Wohnwagen in Holzständer-Bauweise auf große Reise gehen konnte. Und die Mühe hat sich gelohnt: Ulrich Büsching aus Quetzen gewann den ersten Platz in der Kategorie Caravan als „Selbstausbauer des Jahres“ 2018.

Alle zwei Jahre veranstaltet der 1. Vorsitzende der Schlepperfreunde Quetzen gemeinsam mit den etwa 70 Vereinsmitgliedern ein Treckertreffen auf dem Quetzer Dorfplatz und steckt bereits in den Vorbereitungen für das nächste am 25. Mai. Dass sein restaurierter Unimog von 1974 mit einem selbstgebauten Caravan im Schlepptau aber eines Tages den Weg bis zum Südsee-Camp nach Wietzendorf finden und einen Preis einstreichen könnte, wurde ihm erst durch einen Freund bekannt, der ihn kurzerhand mit „bewirb dich mal“ anstieß.

Schließlich schaffte es Büsching, in der Zeit von November 2014 bis Mai 2015 aus einem einfachen Drehschemelanhänger (5,10 x 2,10 cm passend zum Carport) einen voll ausgestatteten Caravan zu konstruieren, der einem auf Reisen an nichts mangeln lässt: mit 75×75 cm großer Dusche, aufklappbarem Waschbecken, WC mit elektrischer Wasserspülung, Durchlauferhitzer für Warmwasser; einer kompletten Küchenzeile mit Sicherungsvorrichtungen in und an allen Schränken; einer Sitzecke mit CD-Radio und Heizung; einem Schlafbereich mit Lattenrost-Betten sowie jeder Menge Stauraum für Gartenmöbel, Grill, Bierkasten, Schuhe und das nötige Bordwerkzeug. Die Stromversorgung erfolgt über eine 12-Volt-Batterie oder das 230-Volt-Netz.

Funktionstüchtigkeit und perfekte Raumaufteilung unter Absprache mit dem TÜV gut und schön – die Frau hatte ebenfalls ein Wörtchen mitzureden: „Ich habe die Gardinen im Landhausstil genäht, die Bettwäsche und Dekoration ausgesucht und hier und da mitgewirkt“, so Lore Büsching in einem Interview. „Wir sind ja auch mit den Oldie-Campern, fünf Ehepaaren aus Petershagen und Umgebung, unterwegs“, ergänzte ihr Mann. Außerdem genügte der alte, spartanisch eingerichtete Bauwagen für Ausflüge in die Lüneburger Heide und nach Ostfriesland nicht mehr ihren Anforderungen. Deshalb kam Lärchen-Profilholz bei der Außenschale zum Einsatz, Buchenfurnier im Innenausbau und Zierleisten rund um Fenster und Regale. Selbst die Holzlampen baute der 58-jährige Elektroinstallateur und Hobbyhandwerker in Eigenregie. Zuguterletzt durfte eine Markise mit Vorzelt nicht fehlen.

Das überzeugte auch seine Ehefrau: „Anfangs dachte ich noch, der sieht aus wie ein Zirkuswagen.“ „Ich wollte ihn erst rot streichen, wie die Schwedenhäuser“, räumte Ulrich Büsching ein. „Aber jetzt ist er richtig schön“, lobt ihn seine Frau und freut sich mit ihm auf die nächste Tour, die mit dem preisgekrönten Gespann an den Alfsee und mit Treckerfreunden an die Nordsee führen soll.

Text: Namira McLeod, Fotos: Namira McLeod (1), Mathias Piontek/SAT (1)