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Nach Abhängigkeit des Sohnes: Sabine Kruse setzt auf Drogenprävention

Hat die Stadt Petershagen mit den umliegenden Orten ein Drogenproblem? Sabine Kruse, Ortsbürgermeisterin in Südfelde und Mutter eines heute 27-jährigen Sohnes, der einst abhängig war, ist davon überzeugt. Das sagen Polizei und Bürgermeister Dirk Breves dazu.
Symbolfoto pixabay
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Petershagen (jh). Hat die Stadt Petershagen mit den umliegenden Orten ein Drogenproblem? Sabine Kruse, Ortsbürgermeisterin in Südfelde und Mutter eines heute 27-jährigen Sohnes, der einst abhängig war, ist davon überzeugt. Das sagen Polizei und Bürgermeister Dirk Breves dazu.

Sabine Kruse ist nicht nur Ortsbürgermeisterin in Südfelde. Die 59-Jährige ist auch Mutter. Mutter eines heute 27-jährigen Sohnes, der früher drogenabhängig war. Der Einstieg in die Drogenszene sei „klassisch“ gewesen: mit Cannabis fing es an. „Das war die Einstiegsdroge“, sagt Sabine Kruse. Später seien Benzodiazepine (in der Szene Benzos genannt), das Opioid Tilidin und Kokain und dazugekommen.

Heute ist ihr Sohn clean

Sabine Kruse setzt sich für die Drogenprävention ein. Foto: privat
Sabine Kruse setzt sich für die Drogenprävention ein. Foto: privat

„Mein Sohn hat alles konsumiert, was auf dem Markt ist. Ich gehe damit offen um. Und man hat es ihm auch angesehen“, blickt Sabine Kruse zurück. Heute, so sagt sie, ist ihr Sohn clean. „Aber es war ein langer, schwerer und für die gesamte Familie belastender Weg“, sagt die 59-Jährige. Genau das will Sabine Kruse anderen Kindern, Jugendlichen, Eltern und Familien ersparen. „Ich klage nicht an. Ich möchte auch kein Mitleid, sondern einfach nur Unterstützung im Bereich der Prävention. Viele Menschen machen hier auf dem Land einfach die Augen zu. Sie sehen das Problem nicht. Oder sie wollen es nicht sehen“, sagt die Südfelder Ortsbürgermeisterin.

 

Beginn im Schulumfeld

Die 59-Jährige wird mit Blick auf mögliche Drogen-Hotspots deutlich. „Bei meinem Sohn hat alles im Schulumfeld angefangen. Und dass es diese Probleme an Schulen gibt, ist bekannt. Aber auch hier wollen die Verantwortlichen das Problem einfach nicht sehen“, sagt sie. Auf Anfrage unserer Redaktion reagiert die Polizei Minden-Lübbecke verhalten. „Uns liegen zum Beispiel im Bereich des Gymnasiums Petershagen keine erwähnenswerten Erkenntnisse vor. Wenn es sich aber um einen Hotspot handelt, steht die Fachdirektion gerne zur Informationsgewinnung und zum Austausch bereit“, lautet die knappe Antwort der Polizeipressestelle. „Eine Drogenszene beziehungsweise einschlägige Örtlichkeit sind auch in der Verwaltung nicht bekannt“, erklärt zudem der Petershäger Bürgermeister Dirk Breves. Allerdings habe in diesem Schuljahr laut Breves ein Präventions-Workshop für die 7. Klassen, unterstützt von Eltern, Schulsozialarbeiter und Drogenberatung, am Gymnasium stattgefunden.

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Fokus liegt auf Prävention

Für Sabine Kruse ist das zu wenig. Sie habe bereits auf Versammlungen von Feuerwehr-Löschgruppen und bei einer Ortsbürgermeister-Dienstbesprechung auf die Drogenproblematik hingewiesen und deutlich gemacht, wie wichtig Präventionsveranstaltungen und -angebote seien. „Die Idee kam gut an – aber passiert ist seitdem nichts“, sagt die 59-Jährige. Bewusst provokativ sagt sie: „Die vielen Orte der Stadt Petershagen werden als Inseln angesehen, auf denen es keine Drogen gibt. Die hat es hier noch nie gegeben.“ Ihr Präventions-Motto hat sie entsprechend formuliert: „Auf dem Land gibt es das nicht – oder doch?“

Frühe Warnsignale

Ihr Ziel ist deshalb klar: Sabine Kruse möchte Schulen besuchen, Vereine, Institutionen – auf- und erklären. Und darüber sprechen, welche frühen Warnsignale es geben kann. „Ich habe mir früher nichts dabei gedacht, als mein Sohn ständig zu mir kam und immer wieder Geld benötigte. Oft nur kleine Beträge. Heute weiß ich, dass er es brauchte, um sich Drogen zu kaufen“, so Sabine Kruse. Als ihr ein veränderter Tag-Nacht-Rhythmus und ständiges „Nase schniefen“ auffielen, sei es schon fast zu spät gewesen. „Passt also auf eure Kinder auf. Schaut genau hin“, macht die Südfelder Ortsbürgermeisterin deutlich. Sabine Kruse wird einen kleinen Moment emotional: „Mein Sohn sagt heute zu mir: Mama, wenn wir von 100 Kindern fünf retten, ist das ein wahnsinniger Gewinn.“

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