Im Bild die Ende Mai 2021 vom LANUV nördlich des Neuenknicker Friedhofes neu errichtete Grundwassermessstelle zur Nitrat-Überwachung. Fotos: ddm

Nitratmessungen: Bewegung im Spiel

„Ganz Gallien ist von den Römern besetzt… Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten.“

Betrachtet man die Entwicklung, die die Aktivitäten der Interessengemeinschaft Gerechte Messstellen in Sachen Nitratmessung im Boden nehmen, kommt dem interessierten Betrachter mittlerweile zunehmend die klassische Einleitung der Asterix-Hefte in den Sinn: Auf der einen Seite eine scheinbar unüberwindliche Übermacht aus Politik und Verwaltung, auf der anderen Seite eine Gruppe engagierter Landwirte, die akribisch überprüfen, inwieweit die auferlegten Regelungen überhaupt Hand und Fuß haben.

Petershagen (ddm). Da waren die Landwirte offensichtlich auf der richtigen Spur: Anfang September präsentierte die im Frühjahr in Petershagen gegründete „Interessengemeinschaft Gerechte Messstellen“ vor einem interessierten Publikum im Gasthaus Rathert in Messlingen die Ergebnisse einer Untersuchung sechs heimischer Grundwassermessstellen, die maßgeblich für die Einstufung landwirtschaftlich genutzter Flächen als „Rote Flächen“ im Sinne der Düngeverordnung waren. 

Gutachter Dr. Stephan Hannappel.

Dr. Stephan Hannappel vom Berliner Büro HYDOR Consult, auch bei den zuständigen Fachbehörden anerkannter Experte in Sachen Nitratproblematik, konnte teils gravierende Mängel an fünf der sechs Messtellen dokumentieren, die erhebliche Zweifel an der rechtmäßigen Verwertbarkeit von Daten dieser Messstellen begründen. 

Auch wenn das Gutachten nicht gleich die Wirkung eines gallischen Zaubertrankes entfaltet, geben die gewonnenen Erkenntnisse der IG doch erhebliche Rückendeckung bei ihrem Bemühen um eine qualifiziertere Bewertung der Nitrat-Daten aus den heimischen Grundwassermesstellen, ist sich IG-Vorsitzender Heiner Müller sicher. „Für die IG stehen jetzt verschiedene Wege offen, vom konstruktiven Dialog mit dem zuständigen Landesamt für Umwelt (LANUV) bis zum Beschreiten des Rechtsweges in Form einer Normenkontrollklage“. 

Anzeige

 

IG-Vorsitzender Heiner Müller.

Bei Fachgesprächen sei inzwischen die wachsende Akzeptanz zu spüren, die der IG und ihrem Anliegen entgegengebracht werde. Und es sei auch zu registrieren, dass der Blick aus anderen Gegenden, in denen Landwirte mit vergleichbaren Problemen konfrontiert seien, zunehmend nach Petershagen gerichtet werde, wozu sicherlich auch Berichte in der landwirtschaftlichen Fachpresse beigetragen haben dürften. Es sei erforderlich, auch auf der politischen Ebene deutlich zu machen, wie folgenschwer sich von Zeitdruck und mangelnder Kompetenz getragene Entscheidungen auf die Arbeit der Landwirte auswirken.

Die MDBs Frank Schäffler und Gero Hocker.

Der Anfang ist gemacht: Auf Einladung der Interessengemeinschaft waren unlängst Gero Hocker, Landwirtschaftsexperte der FDP-Bundestagsfraktion, und der heimische FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler an einer Grundwassermessstelle in Ovenstädt zu Gast, wo Müller zunächst über die bisher gesammelten Erkenntnisse der Interesengemeinschaft berichtete. In der anschließenden lebhaften Diskussion nutzten insbesondere jüngere Landwirte die Gelegenheit, die Bundespolitiker auch auf andere problematische Entwicklungen in der aktuellen Landwirtsschaftspolitik hinzuweisen.

Verantwortlich für alle Roten Flächen in Ovenstädt ist gemäß der derzeitigen Rechtslage eine einzelne Messtelle am nördlichen Stadtrand.