„Petershagen ist sehr fotogen“ – Memes verbinden auffallende Motive mit kreativen Texten

Petershagen. Sie beziehen sich meist auf aktuelle Ereignisse oder bekannte Phänomene und verbreiten sich online rasend schnell. Die Rede ist von Memes – eine Verbindung aus Bildern, Videos und Texten. Dabei handelt es sich um auffallende Motive, die mit einem kreativen Text kombiniert werden und so neue Bedeutungen erhalten.

Dieser Trend ist nun auch hier angekommen: Vor einigen Wochen hat der 21-jährige mit dem Künstlernamen Liner aus Petershagen bei Instagram die Seite „mindener_memes“ erstellt und der Erfolg gibt dem Studenten der Germanistik und Geschichte auf Lehramt schon jetzt Recht: Bereits rund 1700 Follower haben seine Memes abonniert. Das Klischee, dass hauptsächlich Jugendliche von Memes angesprochen werden, kann er auf seiner Seite nicht bestätigen. Seine Besucher erstrecken sich durch alle Altersgruppen – sowohl männlich als auch weiblich.

Auf die Idee gekommen ist Liner, als er eine Seite mit Memes aus Lippe gefunden hatte und vom Inhalt angetan war. Die Suche nach einer vergleichbaren Seite für seine eigene Heimat verlief erfolglos. Gefunden hatte er nur eine halbwegs aktive Seite, auf der nur Fotos veröffentlicht wurden, bei denen er sich sagte: „Liner, das kannst du definitiv besser.“ Gesagt, getan. Der Fokus seiner Memes liegt auf Minden, Petershagen und Porta Westfalica. „Ich denke jedoch, dass man nicht an den Ortsgrenzen aufhören sollte, nach Ideen zu suchen. Auch Dinge aus Bückeburg, Bad Oeynhausen oder Bielefeld etwa können relevant sein, da man mit diesen Orten viel zu tun hat. Daher tauchen auch solche Orte ab und an auf meiner Seite auf“, erklärt er.

Generell unterscheiden sich lokale Meme-Seiten von Seiten, die weltweit passende Themen bearbeiten. Das liegt daran, dass lokale Memes ein Nischenprodukt sind und man auch gar nicht die Möglichkeit hat, etwa ein Meme über Oerlinghausen einfach zu übernehmen. „Wichtig ist auch, dass ich mir sehr gründlich überlege, was jetzt die Aussage meiner Bilder genau bedeutet. Könnte ein Post von mir dazu führen, dass ein Shitstorm gegen ein Unternehmen oder eine Privatperson entsteht? Das will ich vermeiden. Deshalb versuche ich alle Dinge mit einem Augenzwinkern zu sehen und in Allem etwas Positives zu finden. Es ist natürlich einfacher, einfach draufzuhauen, aber da muss man sich dann die Frage stellen: Finde ich das moralisch richtig? Denn wer Memes macht, sollte sich klar werden, dass er – gerade in einer Zeit, in der ganze Länder durch Twitter regiert werden – eine mindestens ähnliche Verantwortung hat wie jemand, der ein Buch schreibt. Bei Themen wie Videospielen, Fußball oder Katzen ist das vollkommen irrelevant. Wenn ich aber über Dinge schreibe, mit denen sich Petershäger oder Mindener identifizieren können, dann stolpere ich natürlich zwangsläufig über manche lokale Probleme. Und das können durchaus sehr politische Dinge sein – Umweltschutz oder Kriminalität etwa.“

Jeden Tag versucht Liner ein Meme auf seiner Seite zu veröffentlichen, dazu kommt das Beantworten von Kommentaren unter seinen Posts und von direkten Nachrichten. „Ab und an schicken mir Leute Dinge, die sie selbst gemacht haben oder einzelne Bilder, die sich gut für ein Meme eignen. Ich versuche aber, so viel wie möglich selbst zu machen. Ich bin da sehr perfektionistisch“, hat er einen hohen Anspruch an sich selbst.

„Wenn ich Ideen im Kopf habe, schreibe ich sie auf oder mache direkt ein Meme dazu. Manchmal sitze ich zwei Stunden lang am Schreibtisch und erstelle ein Dutzend Memes.“ Wichtig ist dabei auch, immer über das lokale Geschehen informiert zu sein — denn jedes Ereignis könnte Inhalt eines neuen Memes werden. „Inspiration kann auf sehr viele verschiedene Wege kommen. Wer Memes über ein Thema machen möchte, muss immer die Augen nach Besonderheiten offen halten. Neulich bin ich durch die Stadt gegangen und habe mal nach oben geschaut, auf die Straßennamen. Man kann theoretisch an jedem Punkt der Welt ein Foto schießen und ein gutes Meme dazu machen.“

Liner wohnt seit 11 Jahren in Petershagen und hat eine besondere Beziehung zu seiner Heimat. „In Petershagen ist recht viel ,nichts‘, was für eine introvertierte Person wie mich perfekt ist. Wenn ich einfach meine Ruhe vor allen Menschen haben möchte, dann gibt es viele tolle und unglaublich schöne Orte, an denen ich hier allein sein kann.“ 

Dem 21-jährigen fallen aber auch Dinge auf, die fehlen: „Eine gute Busverbindung nach Minden etwa.“ Auf den zweiten Blick fällt ihm viel Positives ein: Das Gymnasium mit den extrem guten Theater-AGs zum Beispiel oder die vielen schönen Orte an der Weser. Auch die 30er Zone, die fast die gesamte Kernstadt umfasst, ist etwas Besonderes. Wenn man über die Kernstadt hinaus blickt, sieht man viele interessante Veranstaltungen, etwa die Speedway Rennen, für die Neuenknick sehr bekannt ist. Historisch gesehen ist Petershagen unter anderem deshalb interessant, weil das Fürstentum Minden eine Zeit lang vom Schloss Petershagen aus regiert wurde.

„Petershagen ist generell sehr fotogen. Wer Natur und Ruhe liebt, wird hier auf jeden Fall fündig. In der Kernstadt kann man auch in den engen Gassen toll spazieren gehen und schöne Fotos machen.“  Aber auch Verbesserungspotential sieht Liner für Petershagen: „Man kann ohne Auto nicht wirklich gut zwischen Petershagen und Minden (oder noch schlimmer zwischen Petershagen und Hannover/Bielefeld) pendeln. Wer in Petershagen wohnen möchte, obwohl er in einer größeren Stadt arbeitet, hat ein Problem. Die Buslinie 501 als Verbindung nach Minden fährt zu selten und braucht recht lange. Sonntags kommt man nach 14 Uhr gar nicht mehr von Minden nach Hause. Perfekt wäre es, wenn stündlich von Lahde aus Züge nach Bielefeld (über Minden) und Hannover fahren würden. Das würde die Lebensqualität von Pendlern enorm steigern.“



Ein Meme für den Anzeiger

Liner hat ein persönliches Meme für den Petershäger Anzeiger gestaltet und erklärt die Entstehung: „Als ich durch eure Bilder gescrollt habe, ist mir das Foto recht früh aufgefallen. Es gab klar verteilte Elemente (Schiff, Ladung, Kanal, Umgebung) und einen eindeutigen Bezug zu Petershagen. Gleichzeitig war das Bild aber auch so allgemein, dass ich nicht auf ein einziges mögliches Thema limitiert war.

Recht schnell war mir klar, dass ich ein Meme zum Anzeiger selbst machen könnte, indem ich das Schiff als Sinnbild für die Zeitung nehme und die Ladung als Metapher für den Content, der in Richtung der Leser ,transportiert‘ wird. Über die Art des transportierten Inhalts war ich mir unsicher. Zuerst wollte ich es allgemein halten, hielt das entstandene Bild aber für zu platt. 

Als nächstes habe ich drei Überschriften der aktuellen Ausgabe genommen. Das Resultat war nicht schlecht, aber andererseits wäre ein Meme, das sich auf eine vergangene Ausgabe bezieht, sprichwörtlich Schnee von gestern gewesen.

Ich habe also den Blick in die Zukunft gewagt und geschaut, was im Mai 2020 relevant sein könnte für den Petershäger Anzeiger. Der Mai ist vor allem der Monat, der in der Bevölkerung und besonders auch bei Gaststätten unter anderem als Hoffnungsträger für eine Lockerung der Corona-Sanktionen gilt. 

Was ist also im Mai vermutlich relevant? Die langsame Wiederaufnahme von Veranstaltungen aller Art: Handballspiele, Vorträge, Theaterstücke etc. Dann interessieren natürlich noch die direkten Auswirkungen der Krise in Petershagen und zu guter Letzt gibt es noch die Dinge, die jedes Jahr im Mai im Fokus stehen.

Diese drei Dinge habe ich durch überspitzte und ironische erfundene Headlines in das Bild integriert und mit einem Pfeil die ,Fahrtrichtung‘ des Petershäger Anzeigers hinzugefügt.“

Text: Krischi Meier, Memes: www.instagram.com/mindener_memes