Ein HQ100-Ereignis hat es zuletzt im Februar 1946 gegeben. Die Aufnahme von damals zeigt die überflutete Mindener Straße, hinten links das Amtsstubenhaus. Foto aus dem Archiv der Ortsheimatpflege Petershagen, Danke an Uwe Jacobsen. Heute dokumentiert ein Findling gegenüber der Rats Apotheke den damaligen Hochwasserstand.

Petershagen liegt nicht im Ahrtal

Petershagen (ddm). Das Thema Hochwasser in der Altstadt von Petershagen sorgt weiterhin für Kontroversen. Das allerdings weniger bei Anwohnern, die in der Ortschaft Petershagen von Hochwasserereignissen betroffen wären, sondern in erster Linie bei den Herren der Lahder Initiative 29.2 (die Initiative haben wir in der Februar-Ausgabe des Anzeigers vorgestellt). Zum einen ist unsere kleine Satire, die wir in unserer Juli-Ausgabe unter dem Titel „Hochwasser am Büchenberg“ präsentiert haben, bei „29.2“ offensichtlich auf erhebliches Mißfallen gestoßen, wie Kommentare in den sozialen Medien zeigen. Und dann gab es Ende Juni eine Informationsveranstaltung der Stadtverwaltung im Alten Amtsgericht zum Thema Hochwasserschutz, in der es „etwas lauter“ zuging. Dazu hat uns auch ein Leserbrief des Petershäger Ortsbürgermeisters Klaus-Dieter Schade erreicht, der auf der folgenden Seite abgedruckt ist.

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Hintergrund
Ende 2020 hatte die Stabsstelle für Hochwasserschutz in der Stadtverwaltung eine Machbarkeitsstudie zum Schutz der Altstadt von Petershagen beauftragt. Kern-
aussage der 2021 vorgelegten Studie war, dass eine Gesamtlösung für die Altstadt in Form eines Deiches oder einer Schutzmauer längs der Straße Weseraue wegen unverhältnismäßig hoher Kosten sowie großen Eingriffen in das Landschaftsbild entfällt (Bericht in unserer Ausgabe Mai 2022). Eine Teillösung sieht dagegen den Schutz des Stadtgebiets westlich der Mindener Straße durch eine mobile Absperrung an der Alten Fährstraße vor (siehe Grafik).
Für die Anrainer östlich der Mindener Straße kommt demgegenüber nur individueller Hochwasserschutz direkt am betroffenen Objekt in Frage. Die Eigentümerinnen und Eigentümer der betroffenen Grundstücke waren daher Ende Juni von der Stadt Petershagen zu einer öffentlichen Veranstaltung — sprich Information und kostenlosen Beratung durch ein Ingenieurbüro — ins Alte Amtsgericht eingeladen worden. „Es ging also um konkreten Objektschutz im Sinne der betroffenen Hauseigentümer und um nichts anderes“, betont Bauamtsleiter Kay Busche im Gespräch. Das belegen auch die Folien des Ingenieurbüros aus der Veranstaltung, die dem Petershäger Anzeiger vollständig vorliegen.
Dass die dramatischen Ereignisse im Ahrtal dann jedoch von Mitgliedern der Lahder Initiative 29.2 auf Petershagen übertragen wurden, um damit städtebauliche Planungen in der Ortschaft zu kritisieren, hat nicht nur beim Bauamtsleiter für erhebliches Kopfschütteln gesorgt (siehe Ausführungen des Ortsbürgermeisters von Petershagen auf der folgenden Seite). Denn die geographischen und hydrologischen Verhältnisse im Ahrtal bekanntlicht sind nicht einmal ansatzweise mit der Situation im Petershäger Wesertal zu vergleichen.

Folie aus dem Vortrag im Alten Amtsgericht, die die gefährdeten Bereiche in der Altstadt bei einem außergewöhnlichen Hochwasser (HQ 100) zeigt. Betroffen wäre in erster Linie die Häuserreihe längs der Straße Weseraue. Bei einem HQ100-Ereignis würde die Wassertiefe hier in etwa bei 0,5-1,5 m liegen. Des Weiteren würde das Wasser entlang der Alten Fährstraße über die Mindener Straße strömen und im Bereich zwischen der ehemaligen Grundschule und dem B-Sportplatz einen flachen See mit einer Wassertiefe von bis zu 80 cm bilden, was durch eine mobile Absperrung auf der Alten Fährstraße (Sandsäcke oder Dammbalkensystem) mit verhältnismäßig geringem Aufwand verhindert werden kann.