Ruhestand nach 36 Dienstjahren als Büchereileiterin – Bärbel Linnemeier verabschiedet sich von Leserinnen und Lesern

Petershagen. Wenn Bärbel Linnemeier über ihre Arbeit in der Stadtbücherei Petershagen spricht, ist ihrem Gegenüber schnell klar: Es ist für sie weit mehr als nur ein Job, dem sie täglich nachgeht, um Geld zu verdienen. Mit Leidenschaft und Herzblut war die gebürtige Ovenstädterin fast 36 Jahre als Leiterin der Stadtbücherei tätig. Zum 1. September beginnt mit dem Eintritt in den Ruhestand das nächste Kapitel in ihrem Leben.

Bücher prägen Lebenslauf

Die Leidenschaft für Bücher prägte schon früh den Lebenslauf von Bärbel Linnemeier. Nach dem Abitur begann sie 1976 ein Praktikum in einer Mindener Buchhandlung, in der sie dann auch eine zweijährige Ausbildung zur Buchhändlerin absolvierte. Ihr Interesse an der Arbeit mit Büchern und Menschen, die sich für Bücher interessieren, bewegte sie dazu nach ihrer Ausbildung ein Studium zur „Diplom-Bibliothekarin für den Dienst in öffentlichen Bibliotheken“ aufzunehmen. Im April 1983 hatte sie ihr Diplom in der Tasche und begab sich auf die Suche nach einem Arbeitsplatz. Von der Stadt Petershagen erhielt sie das Angebot ab Januar 1984 zunächst als Schwangerschafts-Vertretung die Stadtbücherei in Petershagen zu leiten. „Ich wurde damals am 2. Januar 1984 mit den Worten ‚Wenn Sie den Saftladen übernehmen wollen‘ von Stadtdirektor Ramrath eingestellt. Diese Worte werde ich nie vergessen“, erinnert sich Bärbel Linnemeier. Trotz dieser eher negativen Begrüßung übernahm sie die Stelle und erhielt bereits im Oktober des gleichen Jahres eine Festanstellung. Seitdem war sie das Gesicht der Stadtbücherei Petershagen. Nur für den Erziehungsurlaub ihrer beiden Söhne unterbrach sie jeweils für ein Jahr ihre Arbeit als Büchereileiterin. Von 1996 bis 2004 arbeitete sie neben dieser Tätigkeit außerdem halbtags als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Petershagen, wechselte danach aber gleich wieder in die Vollzeitstelle in der Stadtbücherei.

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„Wie im Outback“

In einem Abschiedsbrief, der in der Stadtbücherei ausliegt und auf der Internetseite veröffentlicht wurde, verabschiedet sich Bärbel Linnemeier nach fast 36 Dienstjahren persönlich von den Leserinnen und Lesern, lässt ihre Zeit in der Bücherei Revue passieren und stellt zudem ihre Nachfolgerin vor. Die Nachfolge der Büchereileitung übernimmt ab dem 1. September Tanja Fehling, die dort durch ihre langjährige Mitarbeit an der Seite von Bärbel Linnemeier bereits bekannt ist. „Die 16 Jahre, die wir hier gemeinsam gewirkt haben, sind die besten Jahres meines Büchereilebens“, schreibt sie dazu in ihren Abschiedsworten. Zusammen mit Tanja Fehling hat sie in den gemeinsamen Jahren viele Verbesserungen, Veränderungen und ganz besonderes viele neue Angebote rund um die Leseförderung von Kindern entwickelt. „Kinder ans lesen zu bringen, war meine Hauptintention und hat mir große Freude bereitet“, berichtet sie. Seit 2015 beschränkte sich das Büchereiangebot auf einen reinen Ausleihbetrieb.

Lediglich die Schmökerstunden sowie die Treffen des Kneipp-Literaturkreises blieben erhalten. Als Neuerung kam das Café Kinderwagen mit einem Beratungsangebot für junge Eltern hinzu. Es gibt aber Lichtblicke für die Zukunft der Stadtbücherei: Seit März unterstützt der von Monika Krause gegründete Förderverein die Büchereiarbeit und zudem hat die Stadt eine zweite Vollzeitstelle ausgeschrieben. Beides könnte dazu beitragen den reinen Ausleihbetrieb wieder mit verschiedenen Ideen und Angeboten zu bereichern. Ansonsten fühlte sich Bärbel Linnemeier, abgesehen von den regelmäßigen Besuchen der Leserinnen und Lesern, immer im „Outback“, da es nie einen großen Zuspruch seitens der Politik gab. „In all den Jahren war der Kulturausschuss vielleicht dreimal bei mir in der Stadtbücherei“, erinnert sich Bärbel Linnemeier. Trotzdem blickt sie mit vielen positiven Erinnerungen auf ihre Dienstjahre zurück: „Ich bezeichne die Bücherei immer gern als ‚Tante-Emma-Laden‘ mit allen positiven Attributen, denn das ist es, was diese Bücherei ausmacht. Bücher und Gespräche mit Menschen stehen hier an erster Stelle. Die persönliche Verbundenheit, die sich in den Jahrzehnten aufgebaut hat, ist ein guter Beweis dafür und wird mir in bester Erinnerung bleiben.“ Auch nach ihrem Eintritt in den Ruhestand möchte sie der Bücherei treu bleiben und diese regelmäßig besuchen.

Text und Foto: Simone Kaatze