Donnerstag, 25. Juli 2024

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Sommer-Interview mit Bianca Winkelmann

Die heimische Landtagsabgeordnete Bianca Winkelmann (CDU) bringt sich in besonderer Weise in ein bemerkenswertes Naturschutzprojekt ein.

Fotos: privat

Petershagen (hg). Sie zeigt nicht nur immer wieder Präsenz auch in der Stadt Petershagen, die heimische Landtagsabgeordnete Bianca Winkelmann (CDU) bringt sich jetzt hier auch in besonderer Weise in ein bemerkenswertes Naturschutzprojekt ein. Unsere junge Mitarbeiterin Hanna Gola hat mit Bianca Winkelmann gesprochen.

Bei einem Blick auf ihre Seiten in den sozialen Medien fällt auf, dass Sie sehr viele Termine vor Ort wahrnehmen, auch über ihren Wahlkreis hinaus. Was treibt sie an?
Man kann gute Politik für die Menschen im Land nur machen, wenn man auch mit den Menschen im Land spricht. Politik aus dem Sessel heraus ist nicht so mein Ding. Politik muss im Alltag der Menschen präsent sein, das ist ein ganz wichtiger Punkt. Man hat das Gefühl das ist in Berlin derzeit etwas in Schieflage geraten. Mir ist es einfach wichtig, im Land und insbesondere natürlich in meinem Wahlkreis unterwegs zu sein. Das erweitert den eigenen Horizont, und hilft wenn man politische Entscheidungen treffen muss.

Was war eigentlich der Anstoß für Sie, sich politisch zu betätigen?
Zum ersten Mal intensiv mit der Kommunalpolitik in Kontakt gekommen bin ich, als meine Kinder noch im Kindergarten waren. Damals brauchten wir unbedingt eine dritte Kindergarten-Gruppe. Als Vorsitzende des Elternrates ist mir damals klar geworden: Wenn du wirklich was erreichen willst, musst du dich politisch engagieren. Als dann 2004 das Ratsmandat in Preußisch Ströhen frei wurde, wurde ich Mitglied in der CDU und bin seitdem auch Mitglied im Rat der Stadt Rahden.

Seit 2022 sind Sie stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion. Hat sich damit Ihr Aufgabenbereich verändert?
Ja, die Aufgaben sind gewachsen. Meine fachliche Ausrichtung war schon immer die Landwirtschafts- und Umweltpolitik. In meiner ersten Legislaturperiode im Landtag von 2017 bis 2022 war ich agrar- und umweltpolitische Sprecherin der Fraktion. Sprecherin bin ich nun nicht mehr, aber als stellvertretende Fraktionsvorsitzende bin ich nach wie vor für diesen Fachbereich zuständig, jedoch auf höherer Fraktionsebene.
In dieser Legislaturperiode bin ich Mitglied in zwei Fachausschüssen, nach wie vor im Ausschuss für Landwirtschaft, Umwelt, Natur- und Verbraucherschutz und neuerdings auch im Schulausschuss. Letzteres ist für mich eine besondere Herausforderung, da der Schulausschuss ein ganz breites Feld abdeckt. Von der Grundschule bis zur Berufschule ist der Schulausschuss in viele politische Entscheidungen involviert.
In der Funktion als stellvertretende Fraktionsvorsitzende sind noch zwei weitere Aufgabenbereiche hinzugekommen. In der Fraktionsspitze bin ich außerdem zuständig für den Bereich Kultur und Medien und für den Bereich Arbeit/Gesundheit/Soziales. Dazu kommt dann noch die regelmäßigen Gespräche mit dem Koalitionspartner und das Vertreten der Fraktion bei offiziellen Anlässen.

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Stichwort Medien: Derzeit wird auch viel über die Art der Berichterstattung im Fernsehen und in den Printmedien diskutiert. Wie stehen Sie dazu?
Es wird immer deutlicher, wie groß die Verantwortung ist, die die Medien insgesamt haben, von den Printmedien bis zu den Social Media-Kanälen. Eine Verantwortung, die aber offensichtlich nicht immer wahrgenommen wird. Schnelle Schlagzeilen und negative Schlagzeilen sind scheinbar mehr wert als eine Berichterstattung, die erst mal genauer hinterfragt und sachorientiert darstellt.

Wenn man die Entwicklung betrachtet, die Sie gerade beschrieben haben, erleben wir Sie nach der nächsten Wahl möglicherweise in Berlin oder sogar in Brüssel?
Ich bin in der Tat schon gefragt worden, ob ich mir vorstellen könnte, für den Bundestag zu kandidieren. Auch Europa war schon ein Thema. Ganz ehrlich: für beides gibt es ein klares Nein. Im Landtag entscheiden wir die Dinge, die die Menschen hier vor Ort besonders betreffen, sei es in den Bereichen Schule, Umwelt, Innere Sicherheit oder Verkehr. Das ist meine Welt. Zudem erdet einen der Kontakt mit den Menschen im Wahlkreis auch immer.

Das Thema Naturschutzgebiete entlang der Weser hat in der Stadt Petershagen schon für viele Diskussionen gesorgt und bewegt die Menschen angesichts der laufenden Landschaftsplanung auch jetzt wieder, wie die Initiative der AG Weserlandschaft zeigt. Wie ist ihre generelle Sichtweise dazu?
Bei der Ausweisung von Naturschutzgebieten kann es nicht nur darum gehen, Schilder aufzustellen und Verbote zu erlassen. Dazu gehört auch, dass genaue Ziele definiert werden, wohin die Reise jeweils gehen soll. Dass bestimmte Gebiete vor allzu großer Nutzung geschützt werden müssen, ist unbestritten. Aber wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu viele Beschränkungen auf den Weg bringen. Gerade im Stadtgebiet von Petershagen gibt es schöne Beispiele dafür, dass sich die Vogelwelt selbst neben viel genutzten Straßen wohlfühlt, an den Ufern der Kiesteiche vor Hävern und in Wietersheim etwa. Entscheidend war hier offensichtlich allein die zielgerichtete Gestaltung der Uferbereiche durch die Kiesunternehmen. Anderes Beispiel: die Arbeit des Aktionskommitees Weißstörche hat im Kreis Minden-Lübbecke Früchte getragen. Was mir im Moment aber wieder besonders auffällt: Störche sind bei der Nahrungssuche vor allem da anzutreffen, wo die Landwirte mit dem Trecker bei der Arbeit sind. Eine Stilllegung der landwirtschaftlich genutzten Flächen wäre hier direkt kontraproduktiv. Auch eine andere Entwicklung finde ich irritierend. Wird bei einer Untersuchung festgestellt, dass eine gewünschte Entwicklung nicht eintritt, heißt es verwaltungsseitig oder von Naturschutzverbänden meist: es müssen mehr Verbote her und das Schutzgebiet muss vergrößert werden. Stellt man aber umgekehrt fest, dass sich die Natur zum Positiven entwickelt, erleben wir oft die gleiche Forderung: „Prima, das Gebiet muss unbedingt vergrößert werden.“ Dabei kann sich auch die Frage stellen, ob sich ein Beratungsbüro, das im Verwaltungsrecht bewandert ist, auch mit dem Verhalten von Prädatoren wie Waschbären und Füchsen auskennt. Wenn man effektiven Naturschutz will, muss man Kompetenzen zusammenführen. Zusammengefasst: im Großen und Ganzen ist mein Ansatz, mit so wenig Verboten wie möglich zu arbeiten und auf eine Kombination aus vernünftigen Rahmenbedingungen und den gesunden Menschenverstand zu setzen. Man kann nur etwas vernünftig schützen, das man auch kennt und liebt.

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