Sonntags mit den Pferden schwimmen war das Schönste

Petershagen/Jössen. Schlittschuhfahren, in den Wellen der Schlepper und auf dem Rücken der Pferde schwimmen. All das war in den 1930er bis 1950er Jahren auf der Weser möglich.  Zeitzeuge Fritz Meier erzählt von seinem damaligen Leben in Jössen. 

Wo heute nur noch eine Tafel an die alte Fährstelle erinnert (Bild unten), hat Fritz Meier vor rund 80 Jahren seine Kindheit und Jugend verbracht. Jössen, einst eine selbstständige Gemeinde mit 331 Einwohnern, die vor 884 Jahren ihren Ursprung im Ortsnamen „Jutzen“ fand, ist seit 1973 ein Stadtteil von Petershagen und besonders für sein Storchenest, seine alte Ziegelei und Freilandschweine bekannt, die ganzjährig in Hütten gehalten werden. Doch viel wichtiger für Meier: „Im Sommer konnten wir hier baden — unterhalb der Pottmühle. Auf Jösser Seite hatten wir einen Sandstrand und konnten gut ein Drittel ins Wasser gehen. Ganz durchgeschwommen durch die Weser bin ich das erste Mal 1938 oder `39.“

Seine Augen strahlten im Interview, denn das war längst nicht alles, was er damals gemeinsam mit seinen Freunden an der Weser erlebte. „Wenn die Schlepper kamen, meistens mit drei bis vier Bockschiffen im Schlepp, sind wir oft an das hintergehängte Notfallboot geschwommen, haben uns ein Stück stromaufwärts ziehen lassen und sind dann mit dem Strom wieder zurück. Erst als alle Binnenschiffe Schrauben erhielten, wurde es gefährlich.

Pferden näherzukommen, mit ihnen zu schwimmen und zu reiten „ohne Risiko, ohne Stacheldraht“, ist für den mittlerweile 93-Jährigen eine der prägendsten Erinnerungen. „Jeden Sonntagmorgen waren rund 20 Pferde in der Weser. Die Bauern legten viel Wert darauf, mit den Pferden ins Wasser zu gehen. Zwei unserer Nachbarn hatten Pferde, da waren wir immer froh, dass wir auch welche mitnehmen durften. Manche Leute schwammen sogar mit den Pferden, legten sich flach auf ihren Rücken, um sich leichter zu machen. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging das weiter mit den Pferden, sogar Fohlen, die gerade mal ein halbes Jahr alt waren, schwammen mit.“



   

Auch an das Kranzreiten im Kanalbett in Jössen erinnert er sich. „Als der Schleusenkanal zwischen Lahde und Windheim ausgebaggert wurde, hatte man auf einem Teilstück nur erst den Mutterboden abgeschoben. Dort lagen dann für lange Zeit Sand und Kies frei, sodass man weich landen konnte.“

Im Winter, wenn sich auf dem Kanal zwischen Jössen und Windheim eine ausreichend dicke Eisdecke gebildet hatte, war Schlittschuhlaufen angesagt. „Dann schlugen wir auch ein Loch ins Eis und setzten einen Pfahl ein. Der war am nächsten Tag meisten schon so festgefroren, dass wir einen Schlitten mit einem langen Seil anbinden konnten, auf dem wir uns dann im Kreis rumgeschleudert haben.“

Anders verhielt es sich mit der Weser. „Wenn die ersten Eisschollen trieben, dauerte es noch etwa drei Tage, bis die Weser zufror. In der Folge wurde oft Wasser aufs Ufer gedrückt. Wenn das gefror, bildeten sich Eisstreifen mit einer glatten Oberfläche, auf der Schlittschuhlaufen möglich war.“ 

Mit dem Bau des Kraftwerks aber war das größtenteils vorbei. Das Steinkohlekraftwerk Heyden benötigt Wasser zur Kühlung, und das holt es sich aus der Weser. Durch denn ständigen Umlauf wird der Fluss um einige Grad aufgewärmt. Damit die Weser heutzutage noch gefriert, muss es schon besonders kalt werden.

Eine Gedenktafel an der Weser erinnert an die Hochseilfähre, auf der von 1938 bis 1970 in Ovenstädt abgebauter Ton für die Ziegelei Hollmann in Jössen über die Weser transportiert wurde.

Text: Namira Mcleod, Fotos: Namira Mcleod (1), privat (1)