Freitag, 24. Mai 2024

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Standort Friedewalde – Knabstruppergestüt af Wendandi

In Friedewalde hat sich das Knabstruppergestüt af Wendandi eine eigene Zucht aufgebaut, die aktuell 25 Knabstrupper umfasst.

Foto: Krischi Meier

Friedewalde (ddm). Wer schon einmal Pippi Langstrumpf von Astrid Lindgren gelesen hat, erinnert sich bestimmt noch an Pippis besonderen Freund, den „Kleinen Onkel“. Dabei handelte es sich um ein Pferd der Rasse Knabstrupper, von der es schon zu Zeiten von Pippi Langstrumpf nur noch wenige Exemplare gab. Knabstrupper sind hauptsächlich weiß mit braunen oder schwarzen Tupfen an Kopf, Körper und Beinen. Ausgerechnet in Friedewalde haben sich Melanie und Dr. Mathias Enk und Sohn Ken-Jack Krüger mit dem Knabstruppergestüt af Wendandi eine eigene Zucht aufgebaut, die zusammen mit den Fohlen aus diesem Jahr aktuell 25 Knabstrupper umfasst.

Wie sahen die Anfänge des Gestüts aus?
Los ging es 1992, als wir den erster Knabstrupper gekauft haben, die „Island Princess“. Richtig angefangen zu züchten haben wir eigentlich 1998. 2000 ist der erste Hengst bei uns eingezogen. Mein Mann war da sehr engagiert und wollte gerne einen großen Knabstrupper haben. Wir sind dann tatsächlich in Süddeutschland fündig geworden mit einem weißgeborenen Hengst. Diesen Hengst haben wir dann kören lassen (das bedeutet: der Hengst hat die Zuchtzulassung erhalten). Dazu haben wir noch zwei weitere Zuchtstuten gekauft, sodass wir zunächst einen kleinen Stamm von drei Stuten und einem Hengst hatten. Die ersten Nachzuchten haben wir selbst behalten, ausgebildet und geritten. Dabei haben wir auch unterschiedliche Wege der Reiterei kennengelernt. 2009 haben wir die Remise neu gebaut, 2010 dann die große Halle. Ab 2010 sind wir angefangen, erste Pferde abzugeben. Mittlerweile verkaufen wir Pferde aus unserer Zucht weltweit, in diesem Jahr hatten wir unter anderem Kunden aus England, USA, Österreich und Frankreich. Unser erster Hengst steht übrigens immer noch im Gestüt und ist inzwischen 24 Jahre alt.

Wie aufwendig ist die Arbeit im Gestüt?
Die Arbeit im Gestüt ist nicht anders als in einem landwirtschaftlichen Betrieb, in dem Kühe, Schweine, Schafe oder Ziegen gehalten werden. Es ist einfach ein 24/7 Fulltime-Job, den wir neben unserer Naturheilpraxis managen. Wir haben zum Glück große Weiden und die Pferde sind im Sommer ganztägig draußen. Im Winter sieht das natürlich etwas anders aus, aber auch da sind wir ganz gut aufgestellt. Wir sind zum Glück zu dritt und haben auch Personen, die uns unterstützen. So arbeitet bei uns die Wirtschaftsmeisterin Anne Hallermann, die viermal in der Woche zu uns kommt. Aber die Verantwortung liegt natürlich bei uns. Für ungeplante Ereignisse, zum Beispiel für den Fall, dass sich ein Pferd verletzt, muss einer von uns dreien vor Ort sein. Mit der ganzen Familie in Urlaub fahren, ist leider nicht mehr möglich. Aber auch, wenn die Arbeit mit den Pferden sehr aufwändig ist, machen wir das mit viel Leidenschaft.

Foto: privat

Was fasziniert Euch an den Knabstruppern?
Wir haben auch schon am Anfang nicht nur die Farbe gesehen, sondern vor allem den Charakter der Tiere, der für Freizeitreiter sehr gut passt. Die Rasse ist freundlich, gelassen, menschenbezogen und sehr gelehrig. Daher wurden Kabstrupper früher auch oft im Zirkus eingesetzt, zum Beispiel bei Freddy Knie. Auch, dass die Rasse vom Aussterben bedroht ist, ist für uns etwas ganz Besonderes. Mit unserem Gestüt möchten wir auch dazu beitragen, den Bestand zu sichern.

Kann bei Euch eigentlich jedermann zum Reiten kommen?
Im Prinzip ja. Wobei sich das allerdings ein bisschen von normalem Reitunterricht unterscheidet, der etwa in Reitvereinen praktiziert wird. Bei uns geht es vorrangig um das therapeutische Reiten. Das richtet sich beispielsweise an Kinder und Jugendliche mit Angststörungen oder Problemen im sozialen Bereich. Oder auch an Erwachsene, die Angst vor Pferden oder sonstige leichte Handicaps haben. Selbst während der Corona-Zeit durften wir unser therapeutisches Reiten weitermachen. Zu der Zeit mussten wir lediglich vier Wochen pausieren. Es kommen zu uns auch Kinder und Erwachsene ohne gesundheitliche Störungen, die schon lange dabei sind. Aber unser Ansatz ist nicht, dass wir Gruppen en bloc unterrichten, sondern Einzelunterricht praktizieren,der individuell gedacht ist. Der Mensch soll bei uns lernen, dass ein Pferd kein Fahrrad ist, dass man mit einem Pferd auch respektvoll umgeht. Wichtig ist, dass wir ein Therapiehof sind, der darauf ausgelegt ist, dass nicht Stress, Druck und Sport im Vordergrund stehen, sondern die Freude und die Leichtigkeit in der Bewegung und die Ästhetik. Es geht uns nicht in erster Linie um Leistung, sondern um das Miteinander, um das Harmonische und Balancierte, weil man nur in einer solchen Umgebung gesunden kann.

Auf der Facebook-Seite des Gestüts werden neben vielen attraktiven Fotos von den Pferden selbst auch immer wieder Fotos von Veranstaltungen gezeigt, bei denen Knabstrupper auch von Reitern in historischen Kostümen präsentiert werden. Worum geht es dabei?
In erster Linie geht es uns um eine Präsentation der Pferde, durchaus mit Unterhaltungscharakter. Es gibt heute nicht nur wenige Knabstrupper, sondern noch weniger gut gerittene. Und natürlich möchten wir auch das Gestüt selbst vorstellen. Bei solchen Showveranstaltungen geht es auch um historische Entwicklungen in der Reiterei – aber das wäre sicher ein Thema für einen eigenen Beitrag. Zum einen machen wir solche Events in Verbindung mit dem Institut für klassisch-barocke Reiterei in Hannover. Präsident ist Richard Hinrichs, der auch dem Gestüt beratend zur Seite steht. Zum anderen arbeiten wir mit heimischen Veranstaltern wie Minden Marketing zusammen. Zum Beispiel haben wir die Mindener Zeitinseln und die Reenactor Messe mit Showbildern begleitet. Wir waren auch schon in Dänemark, wir sind diesbezüglich relativ offen.

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