Freitag, 24. Mai 2024

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Standort Petershagen – Energieberatung Schlömp

Als Bezirksschornsteinfeger für den Kehrbezirk Petershagen 1 kennt Andreas Schlömp mehrere tausend Heizungsanlagen im Stadtgebiet.

Foto: Krischi Meier

Seit die ersten Informationen über die von der Bundesregierung geplante Änderung des Gebäudeenergiegesetzes in die Öffentlichkeit gelangt sind, wird das Thema in jeder bekannten Talkshow im Fernsehen kontrovers diskutiert. In der vergangenen Woche ist die betreffende Gesetzesvorlage offiziell zur Beratung in den Bundestag eingebracht worden. Wir haben mit ausgewiesenen Fachleuten über die bislang bekannten Planungen gesprochen. Als bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger für den Kehrbezirk Petershagen 1 kennt Andreas Schlömp mehrere tausend Heizungsanlagen im Stadtgebiet. Zusätzlich ist er momentan auch als Energieberater gefragt. Auch Sohn Simon ist als Energieberater tätig und wird in diesem Jahr nach weiteren Fortbildungen seine Arbeit auch auf Nicht-Wohngebäude und Immobilien, die unter Denkmalschutz stehen, ausdehnen können.

Warum ist Energieberatung aktuell so gefragt?
Vor einigen Jahren wurden Energieberater noch belächelt. Jetzt, angesichts der politisch gewollten Energiewende und des Ukrainekrieges stehen Eigenheimbesitzer
zunehmend Schlange, um sich Rat zu holen. Das liegt sicher daran, dass viele Jahre lang fossile Brennstoffe preisgünstig zur Verfügung standen, während die Ausstattung von Häusern und Wohnungen mit vernünftigen Dämmungen kostenintensiv sind. Jetzt, wo auch Gas und Öl im Preis deutlich gestiegen sind und die CO2-Produktion drastisch gesenkt werden soll, wird zunehmend auch über energetische Sanierungen nachgedacht.

Mit dem Gebäudeenergiegesetz möchte die Bundesregierung weg von der Wärmeerzeugung durch fossile Energien (Kohle, Öl, Gas). Der größte Teil der Wärme soll künftig auch elektrisch – sprich durch Wärmepumpen – erzeugt werden, wobei der benötigte Strom dann aus regenerativen Quellen stammen soll. Wie stehen Sie dazu?
Grundsätzlich ist es richtig, diese Transformation anzugehen. Leider scheint bei dem jetzigen Entwurf vieles noch nicht zu Ende gedacht zu sein, weshalb viele Haus- und Wohnungseigentümer derzeit verunsichert sind. Wenn mich aktuell Leute fragen, was genau sie jetzt machen sollen, kann ich im Moment oft nur antworten: Ich weiß es nicht. Es bleibt abzuwarten, was angesichts der jetzt schon erkennbaren Meinungsunterschiede in der Regierungskoalition in den kommenden Wochen oder Monaten im Bundestag tatsächlich beschlossen wird.

Müssen dann alle Öl- und Gasheizungen ab dem 1. Januar 2024 ausgetauscht werden?
Nach aktuellem Stand nicht. Die meisten Privathaushalte dürfen ihre Heizung so lange nutzen, bis eine Reparatur aus Mangel an Ersatzteilen nicht mehr durchgeführt werden kann, oder weil die Heizung bereits 30 Jahren in Betrieb war. Beim Defekt einer 25 Jahre alten Heizung hat schon bisher kaum noch jemand 1.000 Euro für eine Reparatur ausgegeben. In der Regel wurde dann freiwillig in eine neue Heizung investiert. Ab kommendem Jahr soll das dann ein Muss werden, wobei es für bestimmte Hauseigentümer Ausnahmeregelungen geben soll, etwa für Senioren, die über 80 Jahre alt sind. Die Austauschpflicht soll aber insbesondere auch greifen, wenn ein Haus vererbt oder verkauft wird.

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Die Bundesregierung favorisiert offensichtlich den Einbau von Wärmepumpen. Ist das immer eine gute Lösung und eine Wärmepumpe unter dem Strich grundsätzlich sparsamer als eine Gasheizung?
Laut Bundesregierung ja. Es gibt eine Übersicht mit den Anschaffungs- und Unterhaltskosten für verschiedene Gebäudetypen und dabei ist die Wärmepumpe im Zeitraum von 18 Jahren jeweils mal mehr und mal weniger günstiger als eine Gasheizung. Die Frage ist allerdings bei Altbauten, wie gut die bestehende Gebäudedämmung ist und wie groß die vorhandenen Heizflächen sind. Beide Faktoren beeinflussen den Stromverbrauch einer Wärmepumpe. Im Idealfall werden statt 20.000 Kilowattstunden Gas bei einer Wärmepumpe 6.666 Kilowattstunden Strom verbraucht. Ist die Dämmung unzureichend oder sind die Heizflächen zu klein, ist mehr Strom erforderlich. Eine Fußbodenheizung, die eine deutlich geringere Vorlauftemperatur benötigt, ist bei einer Wärmepumpe ein großer Vorteil. Mittlerweile gibt es aber auch großflächige Heizkörper mit kleinen Lüftern, die die Nutzung der Wärmepumpe mit konventionellen Heizkörpern ermöglicht. Viel wichtiger ist aber eine gute Dämmung des Gebäudes nach aktuellem Standard. Und genau das kann die geplante Austauschpflicht der Heizung so kostspielig machen. Bei einer energetischen Sanierung mit Dämmung der Bodenplatte, des Daches und der Außenwände kann man schnell bei einer Investitionssumme im sechsstelligen Bereich landen – das können sich viele einfach nicht leisten. Die Gebäudeheizung zur Einsparung von CO2 auf Strom umzustellen, der derzeit zum großen Teil in Kohlekraftwerken produziert wird, ist zudem der zweite Schritt vor dem ersten. Dass eine Umrüstung in erheblichem Umfang, mit mindestens 30 Prozent der Kosten, gefördert werden soll, wird aktuell von der Regierungseite betont. Wie das genau von statten gehen soll und ob dafür aber überhaupt genug Geld zur Verfügung steht, oder ob Fördertöpfe — wie in der Vergangenheit schon erlebt — viel schneller leer sind als erwartet, auch dafür gibt es aus Berlin noch keine Antwort.

Wäre eine Heizung mit Holzpellets oder Hackschnitzeln eine gute Alternative?
Dafür entsteht gerade ein riesiger Markt. In vielen Ländern werden Wälder nahezu abgeholzt, um ausreichend Brennmaterial zu produzieren. Die Tatsache, dass Pellets oftmals über tausende Kilometer nach Deutschland gebracht werden, macht diese Heizungsvariante auch nicht klimafreundlicher.

Was wäre die optimale Lösung für die Zukunft?
Das wären großflächigen Photovoltaikanlagen auf jedem Dach, die den nötigen Strom produzieren und in einem Stromspeicher für die spätere Nutzung speichern können, der mit einer Wärmepumpe in einem sehr gut isolierten Gebäude gekoppelt ist. Das ist aber derzeit noch eine reine Wunschvorstellung, denn weder kann die Industrie die Technik in der benötigten Anzahl bereitstellen, noch sind ausreichend Handwerker zum Einbau verfügbar.

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