Das Kind im Herzen bewahren – Tobias Tischer und „Bullerbü“

Lahde. Ziemlich allein unter lauter Kolleginnen, aber dennoch mittendrin: Tobias Tischer ist als Leiter der Kindertagesstätte „Bullerbü“ in Lahde gewissermaßen ein Exot. „Viele männliche Kollegen gibt es wirklich nicht“, sagt er schmunzelnd und hat sich seit seiner Berufswahl allerlei mehr oder auch weniger nette Kommentare anhören dürfen.

„In meinem Freundeskreis beispielsweise waren so einige erstaunt, dass ich freiwillig in eine vermeintliche Frauen-Domäne einsteigen wollte“, blickt Tobias Tischer zurück. „Doch inzwischen haben sich alle daran gewöhnt.“Obwohl für den 27-Jährigen in Kinder- und Jugendtagen keineswegs feststand, Erzieher werden zu wollen, ging er seinen Weg dorthin sehr zielstrebig und direkt: „Schon mein erstes Betriebspraktikum als Schüler absolvierte ich in einem Kindergarten und war begeistert.“ Dass er sich auf den Umgang mit Kindern bestens versteht, erkannte auch sein Umfeld bereits früh: „Oft war ich in der Nachbarschaft oder im Bekanntenkreis als Babysitter im Einsatz und leitete einige Zeit auch die Kinderbetreuung in einem Fitnessstudio.“

Obwohl Tobias Tischer Leiter der Kindertagesstätte „Bullerbü“ in Lahde jede Menge Büroaufgaben zu erledigen hat, achtet er sehr darauf, auch für die Arbeit mit den Kindern genügend Zeit zu haben.

Tobias Tischer schätzt die Werte, die den Mitarbeitern der Johanniter an die Hand gegeben werden. „Beispielsweise hat die Meinung der Kinder bei uns einen hohen Stellenwert. Sie werden in Entscheidungsprozesse einbezogen und gestalten das Leben hier mit.“ So ist es dem Leiter der Kindertagesstätte auch wichtig, nicht als „Vorturner“, sondern als Begleiter seiner Zöglinge aufzutreten. „Wir haben den Anspruch, den Mädchen und Jungen hier möglichst viel mit auf den Weg zu geben und ihnen während ihrer Zeit hier ein gutes Paket zu schnüren, von dem sie lange zehren können.“ 

Dabei bleiben Tobias Tischer und sein 14-köpfiges Team stets der Maxime treu, dass ein Kind in „Bullerbü“ einfach nur Kind sein darf – ohne Termindruck und Drill. „Die Welt zu entdecken und in aller Ruhe erforschen zu können, ist eine Beschäftigung, die hier ausreichend Möglichkeiten findet“, berichtet der gebürtige Mindener, der inzwischen in Lahde zu Hause ist. Auch sein dreijähriger Sohn besucht die Einrichtung. „Wir beide sind hier sehr professionell“, beschreibt Tobias Tischer augenzwinkernd den beruflichen Umgang mit seinem Spross. „Wer nicht weiß, dass wir Vater und Sohn sind, der merkt es auch nicht.“

Als Leiter der Einrichtung verbringt er sehr viel Zeit am Schreibtisch. „Es ist eben auch viel zu managen“, erklärt Tobias Tischer mit Blick auf zahlreiche Akten und Ordner, die in seinem Büro das Bild bestimmen. Dennoch ist bleibt genügend Raum für die Arbeit mit den Kindern. „Wir wirken hier an der Basis, legen wichtige Grundbausteine für das weitere Leben“, fasst er den verantwortungsvollen Auftrag zusammen und freut sich immer aufs Neue über die umgehende und direkte Rückmeldung der Kinder. „Ihre Freude und positive Entwicklung zu verfolgen, ist der schönste Lohn.“

Tobias Tischer genießt jeden Tag in „Bullerbü“. „Unsere Kollegen-Mannschaft ist einfach toll, die Stimmung super.“ Natürlich sei nicht immer alls nur rosarot. „Aber doch zu 99 Prozent“, fügt er lächelnd hinzu. „Hier ist es leicht, sich das Kind im Herzen zu bewahren – und das bereichert mein Leben.“

Text und Foto: Silke Schmidt