Melissa Balic-Ernst mit Nina Moghaddam, Wayne Carpendale. Fotos: SAT1

Und Action – Mein erstes Mal im TV

Ein Erfahrungsbericht von Melissa Balic-Ernst aus Kutenhausen

Kein Handball, keine Parties, keine Städtetrips, keine Action. Dafür mehr Essen und mehr Fernsehen. So sah der November vieler von uns aus und tut es vielleicht immer noch. So kam es auch dazu, dass ich auf einen Freitag gemeinsam mit meinem Mann und einem guten Freund durchzappte und bei Sat1 hängen blieb. Es lief die Sendung „Buchstabenbattle“, die keiner von uns zuvor kannte. Da wir alle gerne quizzen, haben wir kurzerhand mitgerätselt und nebenbei über alles Mögliche gequatscht, unter anderem über unseren Grundstückskauf und Bauvorhaben. Bekannterweise weicht die Freude nach dem Kauf sehr schnell, sobald man die Baukosten erfährt. Trotz Herunterschraubens vieler Ansprüche, sinken die Baukosten ähnlich langsam wie der Inzidenzwert mancher Ortschaften. So entstand meine Idee, die erst nur ein Joke war, mehr Geld reinzuholen durch Quizshows. Als die Jungs dann meinten, dass sie mir den Vortritt ließen, fackelte ich nicht lange und ging auf die Website – challengeaccepted.

Formular ausgefüllt, Bestätigungsmail erhalten, erstes Vorrundenquiz gespielt. Nun hieß es abwarten und – in meinem Fall – ein Pils trinken. Während die Jungs über meine Aktion lachten, lachte ich noch mit, weil ich ohnehin dachte „niemals klappt das“. Der Montag darauf, Rush-Hour, ich in Brackwede im Auto. Zwischen Halteverboten, Schienenverkehr und hupenden Autos versuche ich einfach zu überleben und einen Parkplatz zu finden, als mein Handy klingelt. Ein netter junger Mann von ITV Studios ist am anderen Ende der Leitung. Wir halten etwas Smalltalk, ziemlich locker, als würden wir uns schon ewig kennen. Er sagt zum Ende des Gesprächs, er fände meine lockere Art ziemlich cool und würde mich gern zur nächsten Castingrunde einladen. Wegen Corona fände dies als Videokonferenz statt. Zwei Tage später ist soweit. 

Pinker Blazer, ein bisschen Lippenstift, Kaffee, Block und Stift. „I’m ready“ und klicke auf den Einladungslink. Kurze Zeit später sehe ich einen jungen Mann. Es ist mein Gesprächspartner von Montag. Wir schnacken kurz nett und er erklärt mir den Ablauf und dass einiges aufgezeichnet wird. Denn das wird meine finale Bewerbung, die dem Producer vorgestellt wird. Dieser entscheidet dann ob Kandidat oder nicht. 

„Wie alt bist du, woher kommst du und was machst du so“ ist die erste Frage. Feuer frei, ich erzähle umfangreich und beende meinen Monolog mit einer Gegenfrage. Er lacht und meint, ich mache das sehr gut und wirke sehr positiv im bewegten Bild. Von Aufregung sähe er nichts. Nur gut, dass er meine Schweißflecken nicht gesehen hat. Zum Schluss geht es ans Eingemachte. Die Finalrunde wird als Test gespielt. 26 Fragen, wovon ich 25 Fragen richtig beantworte. Nice. Eine Woche später erhalte ich die Zusage: Ich bin in der Show. Die Aufzeichnung soll bereits 3 Wochen später stattfinden.

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Bis zur Aufzeichnung, guck ich jeden Tag eine Folge Buchstabenbattle und „trainiere“. Meine Outfits nach Wunsch der Produktion stehen auch schon schnell fest. Am 7. Dezember ist es dann soweit. Meine beste Freundin schmiert mir morgens noch eine Stulle, macht mich etwas schick und versucht mir nochmal Mut zu zusprechen ehe ich mich um 11 Uhr auf den Weg nach Köln mache. Ich komme eher als geplant an und bin überwältigt von der Größe des MMC-Produktionsgeländes. Nach einem herzlichen Empfang werde ich zum Corona-Test gebeten. Die Räumlichkeiten wirken sehr leer, ruhig und unbelebt. Unvorstellbar, dass hier irgendwo ein Studio ist. Nach meinem negativen Ergebnis werde ich abgeholt und es geht nach oben. Die Tür geht auf, und ich höre schon die Titelmusik der Sendung. Krass, mein Herz fängt an zu pochen. Es begrüßen mich noch mehr verkabelte, nette Leute. Ich werde in meine Garderobe geleitet und lerne Carsten kennen, meinen Gegner. Wir werden Step by Step gebrieft und gut versorgt. Am Tag werden wohl drei Folgen gedreht, wir sind für die letzte Aufzeichnung vorgesehen und stellen uns auf etwas Wartezeit ein. Dass daraus fast sechs Stunden werden, ahnt noch keiner. Gut, dass wir auf einer Wellenlänge sind und die Zeit verquatschen. Mein Gegner, eine typische Rheinländer-Frohnatur ist schon erfahren in Sachen TV-Shows und versucht mir die Angst zu nehmen. Denn der Erwartungsdruck an mich selbst, ist doch sehr hoch. Zum einen, weil ich im Casting abgeliefert hab und gelobt wurde, zum anderen sind da Freunde, Bekannte und Familie im Kopf. Ich merke, dass mir es scheinbar doch gar nicht so egal ist, was andere von mir denken. Meine größte Sorge zu dem Zeitpunkt ist, dass ich mich total ungeschickt anstelle und völlig Banane rüberkomme. Ich kenne es ja selbst, vor dem Bildschirm ist man Einstein und kann die Leute oft nicht verstehen, wie sie scheinbar Einfaches, nicht wissen können.

Um 18.30 Uhr gibt es Essen. Das Catering ist erste Sahne, aber so richtig geht nix rein. Die Aufregung und Wartezeit schlagen mir wohl doch auf‘s Gemüt. Ich hab Kopfweh und die Nieren zwicken. Kein Wunder, schließlich sitze ich bauch- und knöchelfrei da, und frage mich, wie die ganzen jungen Girls den Winter so überleben. Die Aspirin von Carsten bringt mich aber etwas nach vorne und hebt meine Stimmung wieder. 19.30 Uhr, die Tür geht auf und unser Koordinator sagt, es gehe gleich los mit den Proben. Dann geht alles ratz fatz. Kurz ins Fitting, Maske, Verkabelung. Es geht nach unten, einen dunklen Gang entlang und plötzlich stehe ich im Studio. Man bin ich geflasht. Nach einem weiteren Briefing geht es auf unsere Plätze und wir spielen die Sendung im Schnelldurchlauf zur Probe durch. Als wir durch sind, kommen Ruth Moschner und unsere prominente Unterstützung ins Studio. Nina Moghaddam, Wayne Carpendale (mein Team), Susan Sideropoulos und Thore Schölermann. Alle stellen sich vor und wir quatschen kurz, ehe wir ein Teamfoto machen. Dann geht es los. Die Titelmusik erklingt und es geht los mit einer Schätzfrage, die mein Gegner besser beantwortet. „Nicht schlimm“ denk ich mir und konzentriere mich auf das Geschehen. Das erste Spiel läuft gut für mich. Ich freue mich schon aufs nächste. „Anschluss gesucht“, eins meiner Lieblingsspiele. Und da passiert’s: Ich stehe bei zwei Fragen völlig auf dem Schlauch und bin blockiert. Die Zeit läuft runter und tausend Dinge gehen mir durch den Kopf, nur nicht das Lösungswort, geschweige denn irgendein Wort. Diese Runde war ziemlich für den Eimer und ich merke wie ich gedanklich noch bei meinen Fehlern bin. Mein Gegner hat die Runde dafür richtig gerockt und hat nun mehr Zeitpunkte als ich erspielt. Der Smalltalk mit Ruth holt mich zurück ins Hier und Jetzt und genieße es wieder. Die Kategorie im letzten Spiel, liegt uns dreien absolut nicht und wir hofften längstens, dass unsere Gegner sich doch dafür entscheiden. In der Kategorie „Zelten“ boxen wir uns bestmöglich durch. Zwar bleiben einige Punkte auf der Strecke, aber die werden mit einer Portion (Selbst-) Humor und guter Laune ausgeglichen. Wir machen Zwei-Minuten-Pause, dürfen schnell was trinken und werden nochmal abgepudert. Und dann ist auch schon so weit. FINALRUNDE.

Carsten und ich stehen nebeneinander, und ich merke wie mein Puls schneller wird. Während mein Gegner mit einem Zeitvorsprung startet, merke ich wie schwer es mir doch fällt, der Moderatorin zu folgen, denn die Fragen werden nirgends gezeigt. Gut zuhören und Konzentration sind also gefragt.  Als ich kurz abschweife, bin ich auch schon dran. Ich antworte und muss bei D „weiter“ sagen, weil ich mir nicht ganz sicher bin. Beim Buchstaben H gebe ich eine falsche Antwort und rege mich innerlich tierisch auf und bin verunsichert. Ich merke wie meine Birne warm wird und hoffe, dass das Make-Up meiner Röte standhält. Dann mache ich einen Fehler, wovor mich schon viele vorher gewarnt haben. Ich konzentriere mich auch auf die Fragen des Gegners, beantworte sie gedanklich und wünschte, es wären meine. Ich bin wieder am Zug und Ruth motiviert mich, den Kopf nicht hängen zu lassen. Ich ziehe ganz gut weiter, bis ich wieder eine falsche Antwort gebe. Ich sehe das gesuchte Opossum vorm geistigen Auge, sage aber Otzelot. Wie zur Hölle kommt man auf Otzelot und was ist das überhaupt? Ab dem Zeitpunkt schwankt meine Wut über mich selbst in Ehrgeiz um, doch mir fehlt schlichtweg die Zeit. Zwar beantworte ich noch ein paar Fragen, aber ich kann meinen Gegner nicht mehr einholen. Das Spiel ist vorbei und ich gratuliere Carsten. Ich bin aufgewühlt. Während ich mich für Carsten freue, ärgere ich mich darüber, dass ich nicht so abgeliefert hab, wie ich es eigentlich kann. Dass ich mich von der Aufregung doch hab blockieren lassen und es nicht geschafft hab, mich nach einem Fehler wieder zu fokussieren. Und dann kommt auch die Frage auf: Hast du dich jetzt blamiert? Was denken die anderen wenn die das sehen? Die Promis versuchen mich aufzuheitern und meinen ich hätte mich gut geschlagen. Sie machen noch ein kleines Insta-Video, in dem Sie meinen Handballmädels und meinem Mann eine Botschaft schicken. Total süß. 

Auf der Rückfahrt, es ist mittlerweile 21.45 Uhr mache ich mir klar, was ich eigentlich für einen coolen Tag erlebt habe und dass mir die Quizshow trotzdem mega viel Spaß gemacht hat. Die Aufregung habe ich mir vor allem selbst gemacht. Die Kameras waren nicht das Problem, sondern die eigene Erwartungshaltung. Auch wunder ich mich darüber, mir auf einmal so viele Gedanken gemacht zu haben, was andere von mir denken. Bis zur Ausstrahlung hab ich noch einige Male reflektiert. Anfangs war ich noch immer etwas geknickt wenn ich mir die Sendung angeguckt habe, aber je der Ausstrahlungstag kam, umso aufgeregter und gespannter war ich es endlich selbst zu sehen. Als es dann soweit war, merkte ich, dass die Zweifel völlig überzogen waren. So doof, wie ich es befürchtet habe, kam ich nicht rüber und entgegen meiner Erwartungen, habe ich aus dem Umfeld nur positives Feedback erhalten. Ich hab begriffen, dass es kein Grund gibt Angst zu haben und an sich zu zweifeln, im Gegenteil. Schließlich erfordert es Mut, sich im Fernsehen unter Zeitdruck mit jemanden zu messen, möglicherweise zu verlieren und zig Menschen eine Plattform zu bieten, sich eine Meinung (positiv oder negativ) über dich zu verschaffen.  Ich kann euch nur raten: Habt Vertrauen in euch selbst, nehmt Erfolg und Misserfolg nicht zu ernst und traut euch einfach, die Dinge zu tun, die euch interessieren. Wie ihr an mir sehen könnt: Life goes on, auch nach einer Niederlage und das in aller Öffentlichkeit. Also, macht das beste draus und habt Spaß!