Ein Gedankenspiel von Hanna Gola zu einem Blackout. Foto: privat

Was, wenn der Strom weg wäre?

Von Hanna Gola

Der Petershäger Anzeiger hat Hanna Gola, 17-jährige Schülerin aus Leteln, die Frage gestellt, was wäre, wenn es zu einem längerfristigen Stromausfall kommen würde.

An einem Sonntagabend saß ich mit meiner Familie auf dem Sofa, trank einen heißen Tee und schaute den ersten Weihnachtsfilm des Jahres. Draußen war es eisig kalt und wenn man genau hinschaute, konnte man im Licht der Straßenlaternen sogar kleine Schnee-
flocken fallen sehen. Während ich gerade in einen selbst gebackenen Keks biss, wurde es stockduster. Die Deckenlampe schien nicht mehr und der Fernseher war aus. Mit Erschrecken schaute ich meine Familie an. Haben wir einen Stromausfall? Oder vielleicht sogar einen Blackout?
Ich griff schnell nach den Streichhölzern und zündete die Kerzen des Adventskranzes an — zum Glück haben wir bald Weihnachten und das ganze Haus stand schon voll mit Kerzen. Nach einigen Minuten der Panik war der Strom wieder da, es war zum Glück nur eine heraus gesprungene Sicherung. Dieser Stromausfall hat bei mir eine Frage aufgeworfen: Wie ist es eigentlich, wenn der Strom länger ausfällt? Schon seit längerer Zeit hört man in den Medien und der Politik immer wieder von dem Szenario eines Blackouts, also einem länger anhaltenden Stromausfall. Wie wäre es also, wenn ich morgen früh aufstehe und es im Kreis Minden-Lübbecke keinen Strom mehr gibt?
In diesem Gedankenspiel beginnt mein Tag recht normal, mein Wecker klingelt und ich mache mich auf den Weg ins Badezimmer. Dabei habe ich mich schon gefragt, ob überhaupt Wasser aus dem Hahn kommt. Zum Glück ja! Ausnahmsweise werde ich heute kalt duschen müssen, da das Wasser ohne Strom nicht erwärmt werden kann. Kaltes Duschen soll generell gut für die Gesundheit sein, also hat der Stromausfall vorerst vielleicht sogar positive Auswirkungen. Auf meinen Frühstücks-Kaffee muss ich heute leider verzichten und mein Brot esse ich heute auch ungetoastet. Während ich frühstücke, plane ich meinen Tag und versuche, jede mögliche, dem Stromausfall geschuldete Hürde abzuwägen.
Fahren heute überhaupt Busse und findet in der Schule Unterricht statt?“ Als ich mir meine Schuhe anziehe, um gleich das Haus zu verlassen, merke ich zum ersten Mal wie kalt es eigentlich ist. Stimmt, die Heizungen funktionieren auch nicht. Da ich mir unsicher bin, ob die Busse tanken können und ihre Strecken fahren, entscheide ich mich dazu heute, mit dem Fahrrad zur Schule zu fahren.
Auch wenn es noch etwas dunkel ist, ich kaum die Straße sehen kann und sehr vorsichtig fahren muss, komme ich pünktlich und sicher an der Schule an. Man vergisst schnell, wie wichtig Straßenlaternen und Ampeln im Straßenverkehr sind.
In der Schule ist es sehr kalt und der sonst digital strukturierte Unterricht verläuft eher stockend. Auch wenn mein iPad aufgeladen ist, funktioniert das Mobilfunk-Netz nicht und ich muss analog arbeiten. Erst jetzt wird mir bewusst, wie beeinflusst ich sonst in der Schule durch mein Handy bin. Weder E-Mails noch Nachrichten aus aller Welt erreichen mich, ich fühle mich fast schon isoliert.
Auf dem Rückweg nach Hause freue ich mich schon auf ein warmes Mittagessen, zum Glück gehen wir schon seit Jahren campen und haben somit einen Camping-Kocher, der mir nun als Herd dient. Es ist erschreckend, wie abhängig sogar Grundbedürfnisse vom Strom sind. Spätestens an diesem Punkt lässt sich das Ausmaß eines Stromausfalles kaum noch begreifen.
Haben wir bei einem Blackout überhaupt noch uneingeschränkten Zugang zu Lebensmitteln und ist es noch möglich einkaufen zugehen? Eigentlich möchte ich an diesem Nachmittag Weihnachtsgeschenke einkaufen, doch ehe ich den ersten Laden betrete, erhebt sich ein großer Tumult. Das Kassensystem funktioniert nicht und so ist keine Bezahlung mehr möglich, also vielleicht verschenke ich dieses Jahr lieber etwas Selbstgebasteltes.
Aufgrund der Kälte lege ich mich an diesem Abend mit mehreren Decken ins Bett. Das Licht muss ich nicht mehr ausschalten und so puste ich einfach nur die Kerzen aus.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben die Überlegungen von Hanna zum Anlass genommen, bei den Stadtwerken Petershagen nachzufragen, wie es bei einem Stromausfall mit der Wasserversorgung und der Abwasserentsorgung in der Stadt Petershagen aussehen würde. Der technische Leiter der Stadtwerke, Bernd Lange, teilte auf unsere Anfrage mit, dass die Ver- und Entsorgung mittels Notstromaggregaten grundsätzlich gesichert sei, wenn auch wahrscheinlich nicht im normalen Umfang.

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