Wassermühle Döhren – Der Tradition verbunden

Döhren (ddm). Sie ist das Aushängeschild der Ortschaft Döhren in der Stadt Petershagen – die historische Wassermühle, die erstmals 1669 als „Plaggen Mühle“ urkundlich erwähnt worden war.  Vermutlich 1751 entstanden und bis in die 1960er Jahre als Getreidemühle in Betrieb wird heute in dem historischen Kulturdenkmal vermittelt, wie Getreide zu Vollkornmehl oder auch Weißmehl gemahlen wird. Dazu können Besucher und Besucherinnen im Schuppen hinter dem Mühlengebäude verfolgen, wie in der einzigen, auch mit Wasserkraft funktionierenden Sägemühle an der Westfälischen Mühlenstraße mit dem gut 120 Jahre alten Horizontalgatter Holzbohlen und Balken gesägt werden. Dazu sorgt die idyllische Lage an einem Waldstreifen längs des Baches Möllerbeeke und dem im Wäldchen aufgestauten Mühlenteich für ein besonders attraktives landschaftliches Ambiente, das neben den Mühlentagen auch für zahlreiche andere kulturelle Veranstaltungen genutzt wurde, 2019 sogar als zentraler Drehort für den Kinofilm „Im Nachtlicht“.

Fotos: Dietmar Meier

Noch in anderer Hinsicht hat das Gelände an der Döhrener Mühle einen besonderen Status – wenn man einmal auf die Geologie, die Geländeform und die Beschaffenheit des Untergrundes blickt. Grundvoraussetzung für die Errichtung einer Wassermühle ist naturgemäß, dass ausreichend Wasser den Betrieb zur Verfügung steht. Das kann durch ein Fließgewässer entsprechender Größe sichergestellt sein oder – wie auch im Fall der Döhrener Mühle – dadurch, dass ein kleiner Wasserlauf aufgestaut und damit ein Mühlenteich angelegt wird. Schon in den Anfängen hatte der damalige Betreiber offensichtlich den richtigen Blick für die natürliche Geländesituation, die es auf recht einfache Weise ermöglichte, die Möllerbeeke an dieser Stelle aufzustauen. Denn hier hat sich der kleine, nur gut 4 Kilometer lange, von Seelenfeld her kommende Bach auf seinem letzten Teilstück vor der Mündung in die Gehle deutlich in den Untergrund eingeschnitten.

Stellvertretend für die Döhrener Mühlengruppe nahmen Ernst Baue und Burkhard Ehlerding bei der diesjährigen zweiten Verleihung des Heimatpreises der Stadt Petershagen eine Anerkennungsurkunde entgegen. Foto: Namira McLeod

Die Böschung hinter dem Bachlauf und der Untergrund des Baches bestehen, wie die Begehung zeigte, aus Tongesteinen aus der Unterkreidezeit. Das sind ehemalige Schlammablagerungen, die vor etwa 140 Millionen Jahren in einem Meeresarm abgelagert wurden, der sich zu dieser Zeit quer durch Norddeutschland erstreckte. Geologisch gesehen befindet man sich damit an der Döhrener Mühle also gerade noch auf dem Festgesteinssockel unmittelbar östlich des Randes des eiszeitlich geformten Wesertales. An der Einmündung des Weges von der Mühle zur Hauptstraße durch Döhren kommt man dann geologisch in die 3-4 km breite, meist zwischen 6-12 m tiefe Rinne, die die eiszeitliche Weser in den Festgesteinsuntergrund gefräst und mit Kies, Sand und Schluff aufgefüllt hat. Nur wenig entfernt wurden diese Kiesvorkommen etwa in der Abgrabung Windheim-Döhren über lange Jahre abgebaut, bis die genehmigten Vorräte dort zur Neige gingen.

Einer kleinen Abrutschung, die sich vor längerer Zeit an der Böschung gegenüber der Mühle ereignet hat, ist zu verdanken, dass der Unterkreidetonstein an dieser Stelle auch von Besuchern in Augenschein genommen werden kann und ein Stück geologische Geschichte des Stadtgebietes veranschaulicht. Ein vergleichbares Geotop am Rand des Wesertales findet sich erst wieder an westlichen Böschung in Todtenhausen kurz vor der Schachtschleuse.

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Rückblende

Im Zuge der technischen Entwicklung stellten Wassermühlen, die noch in Betrieb blieben, ihren Antrieb zu Beginn des 20. Jahrhunderts meist vom Wasserrad auf eine Wasserturbine um. Diese Francis-Turbine wurde von 1933 bis 1963  vom  Großvater und Vater des jetzigen Mühlenbesitzers genutzt. Danach ging die Mühle außer Betrieb.

Nachdem bis dahin bereits viele Wind- und Wassermühlen stillgelegt und oft auch schon abgerissen waren, besann man sich ab Mitte der 1970er Jahre in der Region immer mehr, diese Bauwerke als technische Denkmale zu erhalten. Auch in Döhren reiften entsprechende Gedanken, und so restaurierte die Dorfgemeinschaft in Zusammenarbeit mit der Müllerfamile in rund 6.500 ehrenamtlichen Arbeitsstunden das historische Bauwerk mit ihren Anlagen in den Jahren zwischen 1984 und 1989. Mit diesen Arbeiten wurde auch der Grundstein dafür gelegt, dass sich viele Döhrener bis heute mit „ihrer“ Wassermühle verbunden fühlen.

In der Familie Ehlerding als Mühlenbesitzer wurde während dieser Zeit ein Bautagebuch geführt und akribisch vermerkt, welche Arbeiten wann verrichtet wurden und welche Akteure dabei beteiligt waren. Burkhard Ehlerding hat uns daraus freundlicherweise die nebenstehenden Aufnahmen zum Abdruck zur Verfügung gestellt.

Die offizielle Einweihung der restaurierten Wassermühle erfolgte dann im Jahr 1989. Seitdem kümmert sich die damals gegründete Mühlengruppe unter der Leitung von Ernst Baue in enger Zusammenarbeit mit dem Mühlenbauhof des Kreises Minden-Lübbecke und der Eigentümerfamilie um die Pflege und Erhaltung von Gebäuden und Technik ebenso wie um die Organisation der Mühlentage und sonstiger kultureller Aktiviäten an Döhrens Aushängeschild.

Momentaufnahmen aus der Zeit der Restaurierung der Wassermühle. Wie man sieht, war für die Baumaßnahmen eine Menge Handarbeit erforderlich. Das an der Baggerschaufel hängende Wasserrad hat einen Durchmesser von 3,3 Metern und eine Breite von 1,4 Metern. Am Steuer des Baggers damals übrigens ein jugendlicher Heinrich Meyer, der heutige Chef von Meyer Büchenberg in Neuenknick. Fotos: Burkhard Ehlerding