Weiterer Wolfsnachweis im Stadtgebiet

Neuenknick/Friedewalde (ddm). Kurz vor Weihnachten, am 17. Dezember,  bestätigte das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) einen weiteren und besonderen Wolfsriss im Stadtgebiet von Petershagen, für NRW den ersten Nachweis eines Übergriffs eines Wolfes auf ein Rind. 

Foto: Neuenknicker Jagdgemeinschaft

Im Bereich Neuenknick, nahe an der niedersächsischen Grenze, war am Morgen des 10. Oktober 2021 ein acht Tage altes weibliches Rinderkalb tot aufgefunden worden. Nach Mitteilung des LANUV handelte sich hierbei um das jüngste Kalb aus einer Herde von vier Mutterkühen mit weiteren drei Kälbern, die bereits ein halbes Jahr alt waren. Die genetischen Untersuchungen durch das Forschungsinstitut Senckenberg sowie die veterinärpathologischen Untersuchungen im Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Ostwestfalen-Lippe hätten nachgewiesen, dass das Rinderkalb von einem Wolf getötet wurde. Das Wolfsindividuum selbst konnte genetisch nicht ermittelt werden. Der Tierhalter Heinrich Nagel sei informiert und könne bei der Bezirksregierung Detmold eine Entschädigung beantragen.

Parallelität der Ereignisse: Wenige Stunden, bevor die Meldung des LANUV eintraf, hatte das Telefon in der Redaktion geklingelt. Am Apparat Willi Traue, ebenso erfahrener Jagdpächter wie engagierter Naturschützer aus Friedewalde, der die Redaktion über den Riss eines Rehes in seinem Revier südwestlich von Friedewalde informierte. 

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Einer Spaziergängerin war der Kadaver bei einem Spaziergang aufgefallen, worauf sie unverzüglich den zuständigen Jagdpächter informiert hatte. Traue hatte sich daraufhin den Ort angesehen und hatte angesichts der Spuren keine Zweifel: „Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass dafür ein Wolf verantwortlich ist“. Große Teile des Rehes waren „mit Haut und Haaren“ aufgefressen worden. Reste der Innereien und des Fells lagen in einem größeren Kreis um den Kadaver verteilt und belegten mit dem plattgedrückten Gras das Kampfgeschehen. Deutlich zu erkennen auch die Spuren eines für Wölfe typischen Kehlbisses.  „Ein Schäferhund hätte das Reh nie so hergerichtet und so weit aufgefressen.“

 

Fotos: ddm

In Absprache mit dem Kreisjagdberater Dr. Walter Jäcker sei auf die Hinzuziehung des zuständigen Wolfsberaters verzichtet worden. „Der wäre aus Mennighüffen angefahren, hätte eine Probe gezogen, nach Berlin geschickt und ach zwei Monaten hätte ich von dort ein Schreiben bekommen: Jawoll, Sie haben Recht, das war ein Wolf“, begründet Willi Traue den Verzicht. „Das bringt ja nichts, denn sonst passiert gar nichts. Ich möchte aber, dass die Bevölkerung wenigstens Bescheid weiß.” Auch auf einem benachbarten Hof sei ein Wolf gesichtet und dokumentiert worden.  

Amtliche Stellen, die mit dem Wolf befaßt sind, empfehlen Hundebesitzern, ihre Hunde in Wolfsrevieren angeleint zu lassen. Auch Willi Traue appelliert an die örtlichen Spaziergänger in diesem Bereich: „Hunde müssen hier nicht unbedingt durch die Büsche gehen. Unter Umständen kommen sie dann nicht wieder.“  

Vor dem Hintergrund, dass sich im Raum Rehburg nachweislich ein Wolfsrudel angesiedelt hat, das im Monitoringzeitraum 2020/21 fünf Welpen zur Welt gebracht hat, wäre es wenig verwunderlich, wenn auch im Stadtgebiet von Petershagen zunehmend mehr Wölfe registriert werden. Die Waldgebiet in der Seelenfelder Heide zwischen Loccum und Seelenfeld ist eine ideale „Einflugschneise“ in Richtung Petershagen.