Wie alles begann: Eine neue Volksschule für Petershagen

Petershagen. In der dritten Folge der Serie rund um den Umzug der Grundschule Petershagen blicken wir zurück auf die Anfänge der Schule in dem historischen Gebäude an der Nachtigallenstraße. Als die Schülerzahl der damaligen Seminar-Übungsschule in den 1870er Jahren stetig wuchs und sich die Schule bald als zu klein erwies, wurde 1913 die „städtische Volksschule“ gegründet. Seit dem 1. Januar 1913 hatte Petershagen somit wieder eine eigene Volksschule. 78 Schüler besuchten die einklassige Schule im Amtsgericht in der Kirchstraße, die später zu einer dreiklassigen Schule umgewandelt wurde. Als deren Mauern zu eng wurden und die unzulänglichen Räume konnten bald nicht mehr ihre Aufgaben erfüllen. Die Folge war, dass ein Neubau unbedingt notwendig wurde. Nachdem im Januar 1925 einstimmig in einer Sitzung der Beschluss gefasst wurde und mit Hilfe der Regierung alle Vorbereitungen getroffen wurden, konnte bereits am 21. August der Grundstein des Schulneubaus gelegt und am 15. November das Richtsfest gefeiert werden. Die feierliche Einweihung der neuen Volksschule in Petershagen, in dessen Gebäude sich aktuell noch die Grundschule befindet, erfolgte am 15. Dezember 1926. „Nach kaum eineinhalb Jahren steht das neue Schulhaus da, ein sichtbarer Beweis für Entschlossenheit und Tatkraft, ein Schmuckstück für das Städtchen Petershagen“, berichtete die Mindener Zeitung in ihrem Bericht über die Volksschulweihe. Auch die Weser Wache schrieb über die schnelle Vollendung des Neubaus: „Schnell der Entschluss – noch schneller die Vollendung! Das neue Gebäude schoß förmlich aus der Erde und bereits gestern – am 15. Dezember – konnte die Weihe vollzogen werden. Ein Musterbau ist es geworden.“

„Eine Glanzleistung moderner Architektur“

Die Zeitungen berichteten nicht nur über die Einweihungsfeier der neuen Volksschule in Petershagen, sondern auch über die für damalige Zeiten herausragende Architektur und Beleuchtung sowie die liebevolle Innengestaltung des Neubaus. So schrieb der Bote an der Weser am 18. Dezember 1926 in einem Artikel: „Der Heisterholzer Klinker, dieser schönste Baustein moderner Architektur, feiert Triumphe. Er wird belebt durch Lisenen in grünem Dolomit-Kunststein. In der Farbgestaltung ist alles trefflich abgewogen. Gelblich getönte Fensterrahmen, blaue  Dachrinnen, graue Dachhäuschen und meisterhaft in Farben abgestimmte Türen. Ein Musterbau, eine Glanzleistung der modernen Architektur. In allen Zimmer ist elektrische Beleuchtung durch mächtige Siemens-Luzetten, die vermöge ihrer parabolischen Glasform, gleichmäßige Lichtverteilung ohne jede Schattenwirkung ergeben.“ „Es ist alles wundervoll durchgeführt, namentlich zeigen auch die interessanten Durchblicke in den Fluren, wie überall auf malerische Wirkung hingearbeitet wurde, damit Kinder-Augen sich früh an das Schöne gewöhnen. Beim Verlassen des Baus ist man der Überzeugung, dass Besseres und Zweckmäßigeres für unsere Jugend zurzeit nirgends gefunden wird. Das heimische Handwerk hat sich selbst übertroffen.“

Erweiterungsbau der Volksschule

Nach dem zweiten Weltkrieg ruhte ein Jahr der Schulbetrieb, denn die Besatzungsmacht hatte das Gebäude beschlagnahmt. Als die Schülerzahl nach der Wiederinbetriebnahme der Volksschule auf 420 gestiegen war, wurde die Schule 1957 durch einen Erweiterungsbau vergrößert. Die Baukosten samt Schulhof, Erneuerung des Altbaus sowie Anschaffung des Inventars beliefen sich laut einem Artikel von dem Boten an der Weser vom 17. Oktober 1957 auf rund 322.000 DM. Die Finanzierung des Neubaus war nicht einfach, so dass in diesem Bericht auch über die Finanzlage der Stadt Petershagen geschrieben wurde: „Da zu diesen Baukosten noch ein umfangreiches Straßenbauprogramm gekommen sei, bezeichnete der Amtsdirektor die Finanzlage der Stadt Petershagen zur Zeit als äußerst angespannt, und man müsse in den nächsten Jahren mit größter Sparsamkeit wirtschaften. Das Geld für die Schule aber sei gut angelegt. Die Jugend von heute sei das Volk von morgen.“

Nun wird der Schulbetrieb in diesem historischen Gebäude nach 93 Jahren, durch den Umzug der Grundschule Petershagen an den neuen Standort in die ehemaligen Hauptschule im Sommer eingestellt. 

Ein besonderer Dank geht an Uwe Jacobsen und die Ortsheimatpflege Petershagen, die uns die Informationen zur Verfügung gestellt haben. www.heimatpflege-petershagen.de

Text: Simone Kaatze, Foto: privat