Freitag, 23. Februar 2024

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Wie viel Naturschutz längs der Weser möchte die Stadt Petershagen?

Geplant ist, die Landschaft rund um die Kiesteiche südwestlich von Wietersheim als Naturschutzgebiet auszuweisen.
Das Areal am Schiffsanleger in Heisterholz ist mittlerweile die einzige Fläche in der Stadt Petershagen, auf der Einheimische und Gäste noch ruhige Naherholung unmittelbar an der Weser genießen können, auf 28 Kilometer Weserlänge. Foto: Krischi Meier

Petershagen (ddm). In der Sitzung des Planungsausschusses der Stadt Petershagen am 25. Mai hat die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Minden-Lübbecke ihre Planungen vorgestellt, die Landschaft rund um die Kiesteiche südwestlich von Wietersheim im Rahmen des Landschaftsplanes „Minden“ als Naturschutzgebiet (NSG) auszuweisen. Der Tagesordnungspunkt war nur als informelle Präsentation angesetzt worden. Über die Planungen beraten und abstimmen soll der Stadtrat nach derzeitigem Stand erst in seiner Sitzung Ende September. Dass sich die Begeisterung über die NSG-Planung vor Ort „in Grenzen hält“, war schon im Herbst bei einer Ortsbegehung an den Teichen und anschließenden Diskussion mit Vertretern aus dem Umweltamt des Kreises deutlich geworden. Auch Wietersheims Ortsbürgermeister Friedrich Lange, der auch Vorsitzender der SPD-Fraktion im Stadtrat ist, sah im Gespräch mit dem Petershäger Anzeiger in dem Plan erhebliches Konfliktpotenzial. Inzwischen ist eine Anwaltskanzlei mit der rechtlichen Vertretung zweier Anwohner beauftragt worden. In einem Schreiben an die Stadt Petershagen, das dem Petershäger Anzeiger vorliegt, weist die Kanzlei dezidiert auf fachliche Unzulänglichkeiten bei der Erstellung des Planes hin. Besonderer Kritikpunkt: “Der Landschaftsplan „Minden“ erstreckt sich hierbei in nicht unerheblichen Maße auch auf Flächen des Gemeindegebietes der Stadt Petershagen, ohne dass die Stadt hierbei ordnungsgemäß beteiligt worden wäre.“ Bei den kommenden Beratungen dürfte die Kommunalpolitik sicher nicht allein die Teiche südwestlich von Wietersheim im Blick haben, hat unsere Stadt doch mit dem Thema Naturschutz längs der Weser und dem Umgang damit durch Behörden und Naturschutzorganisationen reichlich Erfahrungen gesammelt. Schon heute ist das Umfeld der Weser von der Weserbrücke bis hin zur nördlichen Stadtgrenze bei Schlüsselburg durchgängig als Naturschutzgebiet ausgewiesen – was bekanntlich wiederholt für Konflikte gesorgt hat und weiter sorgt. Exemplarisch dafür steht der damalige Versuch, die Solarfähre zwischen Hävern und Windheim um fast jeden Preis zu verhindern, wie auch der aktuelle Konflikt um den Status und die Nutzung der Wasserfläche der Weser (Weserschwimmen, Kanufahren). Als 2016 Petershagens damaliger Bürgermeister Dieter Blume zur Beseitigung der maroden Spundwand am Schiffsanleger in Heisterholz dort einen Großteil der Fläche mit Fördergeldern in ein Biotop verwandeln wollte, formierte sich in der Bevölkerung massiver Widerstand. Ein Beweggrund dabei: man wollte nicht einer Entwicklung noch mehr Vorschub leisten, dass auch der Weserabschnitt zwischen Wietersheim und Petershagen in ähnlicher Weise durchgängig für den Naturschutz umgewidmet wird wie der Bereich nördlich der Weserbrücke. Denn nicht nur in dem jetzt als NSG geplanten Bereich im Süden von Wietersheim wurde und wird Kies und Sand für die Bauindustrie gewonnen. Auch nördlich von Wietersheim werden diese Rohstoffe aktuell abgebaut und schon in der Genehmigung der dortigen Abgrabung ist eine Folgenutzung zugunsten von Natur und Artenschutz festgeschrieben worden. Eine künftige Verknüpfung mit dem jetzt geplanten NSG wäre also naheliegend. Man darf auf die Beratungen der Politiker nach der Sommerpause gespannt sein.

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