Fotos: Tobias Reimann

Zwei Seiten einer Medaille – Schwarzwildjagd im Naturschutzgebiet

Hävern (ddm). Seit 2017 wird in den Naturschutzgebieten um Hävern und Windheim einmal im Jahr eine Schwarzwildbejagung durchgeführt – mit amtlicher Genehmigung seitens der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Minden-Lübbecke und ausdrücklicher Unterstützung durch den hauptamtlichen Naturschutz. Was zunächst wie ein Widerspruch erscheinen könnte, findet bei näherer Betrachtung schnell seine Erklärung. 

Auch im Dezember waren Jäger wieder in den genannten Gebieten unterwegs. Wir haben einmal mit Dirk Esplör, dem Leiter der Biologischen Station in Nordholz, über die Zusammenhänge gesprochen.

Dass sich Wildschweine in den Naturschutzgebieten wohl fühlen, ist schnell erklärt. Da die Schutzgebiete in der Weseraue nur sehr eingeschränkt genutzt werden dürfen, stellen diese Gebiete Ruhezonen da, in die sich Wildschweine gern zurückziehen. Das gilt natürlich ebenso für Prädatoren wie Waschbären, Füchse und Marderhunde. 

„Wildschweine sind gerade für das Vogelschutzgebiet eine problematische Art, weil sie praktisch alles fressen, was sich am Boden befindet. Dazu gehören eben auch Gelege und die Vogelbrut, die in der Weseraue besonders geschützt werden sollen“, beschreibt Dirk Esplör den Zusammenhang. „Deswegen überschneiden sich hier die Interessen der Jägerschaft, die für die Schäden aufkommen müssen, die Wildschweine in landwirtschaftlichen Kulturen anrichten, mit den Interessen des Naturschutzes, der die Verluste bei den Gelegen im Vogelschutzgebiet möglichst gering halten möchte.“ Ein dritter Aspekt sei die heranrückende Afrikanische Schweinepest (ASP). Auch deshalb sei es erklärtes Ziel, die Wildschweinbestände hier für den Fall der Fälle niedrig zu halten.

„Aus störungsbiologischer Sicht ist eine einmalige konzentrierte Jagdaktion, die wie im Dezember dann auch revierübergreifend durchgeführt wird, die günstigste Verfahrensweise“, erklärt der Chef der Biostation. „Einmal richtig stören – und dann ist wieder lange Zeit Ruhe für die übrige Tierwelt.“

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