„Individueller geht es kaum“ – Bogensport im SV „Frohsinn“ Quetzen erfreut sich großer Beliebtheit

Quetzen. Bogenschießen ist eine der ältesten Jagdformen der Menschen und wurde über lange Zeit auch als Waffe eingesetzt. Fast jedes Kind hat schon einmal mit einem „Flitzebogen“ gespielt. Doch als trendige Sportart ist das Bogenschießen hochkomplex. Laut einer Studie einer amerikanischen Universität ist das Bogenschießen, nach Golf, die schwierigste Sportdisziplin der Welt. 

Dass die Gründung einer neuen Sparte nicht ganz einfach ist, wusste auch der Vorstand des Schützenvereins „Frohsinn“ Quetzen. Dennoch hat sich die Führung 2014 dazu entschieden, das sportliche Angebot um Bogensport zu erweitern und „frischen Wind in den Schützenverein zu bringen“. Florian und Werner Korbjuhn waren seit rund sechs Jahren bereits im Bogensport in Loccum aktiv und leiten nun die Quetzer Schützen. Von Beginn an war das Interesse groß: Bei der Vorstellung und einem Tag der offenen Tür zeigten 70 Personen Interesse an der Sportart — einige davon sind auch heute noch dabei. Anfangs konnten die Trainingsteilnehmer aufgrund der Platzverhältnisse nur auf zehn Meter Entfernung schießen. Viel hat sich jedoch in den letzten fünf Jahren allerdings zu einem professionellen Trainingsbetrieb weiterentwickelt. „Mittlerweile können auch die offiziellen Wettkampfdistanzen von bis zu 90 Meter geschossen werden“, erklärt Florian Korbjuhn. Dazu gekommen ist auch eine Signal-Ampelanlage, die ermöglicht, nach den internationalen Regeln zu schießen. Diese Anschaffung wurde vom Stadtsportverband mit dem Innovationspreis 2019 versehen und finanziell unterstützt. 



    

„Da Turniere auch bei Regen draußen stattfinden, trainieren wir bei jedem Wetter“, macht Werner Korbjuhn deutlich. Denn das Wetter beeinflusst die Flugbahn der Pfeile. Dass Bogenschießen Höchstleistungssport ist, wurde im Gespräch schnell deutlich: Rund 120 Mal muss ein Schütze seinen Bogen bei einem Turnier spannen und dabei jeweils bis zu 25 Kilogramm ziehen. Hochgerechnet auf einen ganzen Wettkampf, der in der Regel etwa fünf Stunden dauert, sind das drei Tonnen. Mit einer Geschwindigkeit von rund 330 km/h verlassen die Pfeile den Bogen und schlagen in die Zielscheibe ein. „Das Herausziehen der Pfeile ist meist schwieriger als das Schießen“, erzählt Werner Korbjuhn schmunzelnd.

Im profesionellen Bereich sind die Bögen individuell auf die Schützen angepasst, die ihre Bewegungen möglichst präzise wiederholen müssen, um gleichbleibend genau das Ziel zu treffen: Konzentration und Körperspannung sind besonders wichtig. „Das schöne am Bogenschießen ist, dass man viel draußen ist und auch vereinsübergreifend unter den Schützen ein familiäres Verhältnis herrscht,“ beschreibt Florian Korbjuhn. So ist es im Bogensport üblich, dass sich die Kontrahenten sogar während den Wettkämpfen Tipps geben.

Derzeit gehören rund 25 aktive Schützinnen und Schützen sowie drei Jugendliche der Sparte an, die regelmäßig an Kreis- und Landesmeisterschaften teilnehmen. Besonders erfolgreich ist Frank Janas, der an der Deutschen Meisterschaft teilnimmt.

Das stete Wachstum und die Erfahrung der drei Spartenleiter sorgte dafür, dass die Bogensparte mittlerweile knapp ein Fünftel der Gesamtmitglieder des Schützenvereins ausmacht. Durch das Ausrichten eigener Turniere hat sich der Bogensport bereits fest in Quetzen etabliert. Drei Turniere und eine Meisterschaft richtet der SV jährlich aus und ist dabei auch Teil der Mühlenkreis-Serie, bei der zuletzt 120 Schützen an den Start gingen.

Wer den Bogensport einmal selbst ausprobieren möchte, ist beim SV Quetzen immer mittwochs ab 18 Uhr am Schützenhaus in Quetzen (Bückeburger Straße 125) herzlich willkommen. Die Jugendlichen trainieren montags um 18 Uhr. Weitere Informationen gibt es online unter www.sv-quetzen.de.

Text und Fotos: Krischi Meier