Grant Hendrik Tonne (links) beim Gespräch mit Schülern des Gymnasiums Petershagen bei seinem Besuch im April diesen Jahres. Foto: Krischi Meier

Grant Hendrik Tonne tritt erneut bei der Landtagswahl an

Seit 2008 sitzt Grant Hendrik Tonne (SPD) im Niedersächsischen Landtag. Der 46-jährige ist verheiratet, Vater von vier Kinder und wohnt in Leese. Nach seinem Abitur in Petershagen hat er in Bremen studiert und gearbeitet und dann sein juristisches Referendariat im Bezirk des OLG Celle abgelegt. Vor seiner Zeit als Kultusminister war er als Rechtsanwalt tätig. Seit 2017 übernimmt er als Niedersächsischer Kultusminister Verantwortung für seinen Wahlkreis, das Land und die Bildungspolitik. Bei der anstehenden Landtagswahl am 9. Oktober tritt er erneut als Kandidat an. Im Interview mit dem Petershäger Anzeiger erzählt er, wie er den ländlichen Raum stärken möchte.

Wie haben Sie Ihren Weg in die Politik gefunden?

Zur Politik habe ich 1996 im Vorfeld der Kommunalwahl gefunden, dort bin ich erstmals für die SPD für den Gemeinderat Leese angetreten. Insbesondere die engagierte Arbeit der SPD bei mir vor Ort hat mich beeindruckt. Konkrete und greifbare Veränderungen und Verbesserungen für die Menschen vor Ort zu erstreiten, hat mich dann auch über die Kommunalpolitik in die Landespolitik gebracht. So ging der Weg über den Samtgemeinderat Landesbergen und später Mittelweser und den Kreistag Nienburg / Weser in den Landtag weiter.

Was ist das Besondere an Ihrem Wahlkreis?

Zunächst ist natürlich der Zuschnitt des Wahlkreises aus Teilen der drei Landkreise Diepholz, Nienburg und Schaumburg besonders. Aber auch der Zusammenhalt untereinander beeindruckt immer wieder. Wir helfen uns gegenseitig im Alltag und achten auf uns. Wir engagieren uns hier vielfältig in den Vereinen und brauchen uns definitiv nicht vor den Angeboten einer Stadt verstecken. Wir sind geprägt durch die Vielfalt und Chancen in unserem Bundesland.

Wie kann Ihrer Meinung nach der ländliche Raum durch die Landesregierung gestärkt werden?

Leitlinie des Handelns muss es sein, dass der Anspruch auf gleiche Lebensbedingungen umgesetzt wird. Dabei wird es immer wieder Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Strukturen geben, aber bestimmte Rahmenbedingungen müssen gewährleistet sein.

Ich denke hierbei zum Beispiel an Breitbandanbindungen und eine gute Infrastruktur, also die Erschließung mit Straße und durch den ÖPNV. Aber natürlich muss auch die Versorgung mit Angeboten des täglichen Bedarfs von Lebensmitteln über Ärzte bis zu Apotheken gegeben sein. Hier kann und wird das Land weiterhin mit guten Rahmenbedingungen wie der Landarztquote oder Förderprogrammen unterstützen.

Weiterhin gilt es das Ehrenamt bestmöglich zu fördern, gerade der Einsatz so vieler Menschen für andere ist absolut unterstützenswürdig.

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Wie schätzen Sie die aktuelle Situation rund um die Energieversorgung ein? Wie kann der ländliche Raum zur Energiesicherheit beitragen?

Es ist momentan sehr schwer zu prognostizieren, was in den nächsten Wochen und Monaten auf uns alle zukommt. Ich begrüße aber die Aussage der Bundesregierung, dass niemand allein gelassen wird. Gerade das Unterstützungspaket enthält sehr gute Ansätze. Klar ist aber auch, dabei darf es nicht bleiben. Als nächsten Schritt halte ich einen Gaspreisdeckel für ein richtiges Instrument. Energiesparen auf der einen Seite muss einhergehen mit der Sicherheit, dass Energiekosten bezahlbar bleiben müssen und gleichzeitig niemand frieren wird.

Niedersachsen ist Energieland Nr.1 und dabei kommt dem ländlichen Raum im Bereich von z.B. Solarenergie, Windenergie, Wasserkraft und Biomasse eine besondere Bedeutung zu. Das sog. „Wind-an-Land-Gesetz“ des Bundes ist dafür eine wichtige Grundlage. Neben der klimaschonenden Energieproduktion liegt hier eine sehr große Chance, innovative Arbeitsplätze in Niedersachsen zu halten und auch neue Arbeitsplätze entstehen zu lassen. Hier gilt es weiterhin passende Lösungen im Einklang mit den Bedingungen vor Ort zu finden.

Im ländlichen Raum gibt es weniger ÖPNV als in der Stadt – Wie schätzen Sie das 9-Euro-Ticket in Ihrem Wahlkreis ein? Kann damit der Individualverkehr im ländlichen Raum reduziert werden?

Das 9-Euro-Ticket hat definitiv gezeigt, dass ein attraktiver ÖPNV auch einen niedrigen Preis aufweisen muss. Es gilt nun eine gute Nachfolgelösung zu finden und mit kreativen Lösungen wie Bürgerbussen, Anrufbussen o.ä. Ergänzungen zum bestehenden ÖPNV möglichst flächendeckend zu schaffen. Im Fokus muss stehen, dass Gemeinden besser erreichbar sind und wir so eine wohnortnahe und schnelle Verbindung in unseren Gemeinden sicherstellen können. Gute Angebote zu einem günstigen Preis sind die entscheidende Grundlage für eine breite Nutzung des ÖPNV.

Die in Ihrem Wahlkreis befindliche Sonderabfalldeponie in Münchehagen ist gerade wieder in die Schlagzeilen geraten. Wie sehen Sie die künftige Entwicklung rund um die SAD?

Es war der richtige Schritt, ein engmaschiges Monitoring zu vereinbaren und sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen. Aufmerksamkeit und Dialog waren richtig und sind der richtige Weg für die Zukunft. Die Bürgerinnen und Bürger müssen auch weiterhin die Gewissheit haben, dass von der SAD keine Gefahr ausgeht