Theater verbindet Generationen – Besondere Theateraufführung im Cura-Zentrum Uchte

Uchte. „Generationen verbinden durch Theater – Pflegekräfte stärken“ — dieses Ziel verfolgt ein vom Landesverband Theaterpädagogik Niedersachsen entwickeltes Leuchtturmprojekt.  Denn Theater begeistert Menschen jeden Alters und so entstand unter der Methode des Playback-Theaters eine ganz besondere Art der Theateraufführung die gleichzeitig drei Generationen zusammen bringt: Grundschüler, Betreuungs- und Pflegekräfte sowie Senioren.

Aufführung in Uchte

Anfang November fand im Rahmen dieses Projektes auch eine Aufführung im Cura-Zentrum in Uchte statt. Unterstützt von Schauspielerin Lieko Schulze und Theatertherapeut Robert Lieli von der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück standen acht Kinder einer vierten Klasse der Grundschule Uchte mit fünf Pflege- und Betreuungskräfte des Cura-Zentrums für die Senioren und Seniorinnen der Uchter Senioreneinrichtung auf der Bühne und spielten für sie. In der 60-minütige Aufführung zeigten die kleinen und großen Schauspieler verschiedene Arten des Playback-Theaters. Nach Begrüßung und Vorstellung aller Akteure sowie einem gemeinsamen Lied mit den Senioren begann das Spielen. Als Moderatoren führten Robert Lieli und Lieko Schulze durch das besondere Nachmittagsprogramm. Im ersten Teil wurden die anwesenden Senioren nach Erinnerungen, Ideen und Assoziationen zu Themen wie Herbst, Kaffeekränzchen und Landwirtschaft befragt. Nachdem die Zuschauer begeistert ihre Begriffe zu den Themen genannt hatten, stellten Kinder und Pflegekräfte einige davon für sie dar. Im zweiten Teil mussten Gegensatzpaare von den Bewohnern des Pflegeheims gebildet und von den Schauspielern dargestellt werden: „Ich bin so satt vom Mittagessen, aber diesen Nachtisch möchte ich noch essen“ und „Wecker klingelt, man muss aufstehen, möchte aber noch im Bett bleiben“ waren nur ein Teil der Gegensätze die genannt wurden. Zum Abschluss kamen für den dritten Teil alle Darsteller auf die Bühne um noch ein paar gemeinsame Szenen zu spielen. Themen hierfür waren unter anderem Weihnachten, Familie und Sportarten. Auch zu diesen Themen kamen bei den Senioren viele Erinnerungen hoch, die dann durch alle Akteure gleichzeitig in kompletten Szenen umgesetzt wurden, so dass es ein großes Bild zum jeweiligen Thema gab.

Begeisterte Teilnahme

Die freiwillige Beteiligung der Uchter Grundschüler und Mitarbeiterinnen des Cura-Zentrums war groß. „Eine der Betreuungskräfte kam für dieses Projekt sogar extra aus dem Urlaub“, erzählt Andrea Kehlbeck vom Cura-Zentrum freudig von der Motivation der Mitarbeiter. Auch der Klassenlehrer der beteiligten Grundschulkinder, Torsten Garrelts, war von der Bereitschaft zur Teilnahme an diesem Projekt begeistert: „Ich hätte 50 Kinder für dieses Projekt bekommen können, hätte ich in allen Klassen der Grundschule gefragt.“ Da die meisten Kinder sich gerne darstellen und etwas vorspielen, wo sie aber Publikum für brauchen, war es für ihn kein Wunder, dass sich so viele Freiwillige gemeldet haben. Der Theaterworkshop für die Kinder fand nach dem normalen Unterricht statt, so dass sie danach noch drei Stunden für das Theater geprobt haben. „Trotzdem waren alle hoch konzentriert und motiviert dabei“, berichtet Torsten Garrelts stolz. „Die Kinder lernen auch sehr viel in diesem Projekt: Konzentration auf etwas schulen, gemeinsam etwas zu schaffen, aufeinander einzugehen, Geschichten von anderen aufgreifen und diese für andere darzustellen sowie sich dabei selbst in den Hintergrund zu stellen“, erklärt Lieko Schulze. Dadurch, dass durch diese besondere Form des Theaters drei Generationen miteinander verbindet und die Senioren ihre Ideen auf der Bühne wiedererkennen, gibt sie auch den Senioren viel mehr als bei „normalen“ Aufführungen. „Unsere Senioren waren die ganze Zeit aufmerksam, sie waren ‚dabei‘ und das, obwohl ein Großteil von ihnen von Demenz betroffen ist“, berichtet Andrea Kehlbeck nach der Aufführung begeistert.



  

Positive Reaktionen von allen Seiten

Auch wenn man es den kleinen und großen Schauspielern an diesem Nachmittag nicht angemerkt hat – sie haben sich erst kurz vor der Aufführung kennengelernt, aber durch das gemeinsame Spielen entsteht eine Verbindung zueinander. In zwei Workshops erlernten die Grundschulkinder und Einrichtungsmitarbeiter getrennt von einander in jeweils drei Stunden einfache Formen des Playback-Theaters. „Es ist eine ganz unaufgeregte Art des Theaters ohne Druck – alles was geschieht ist in Ordnung“, erzählt Lieko Schulze. Ihr Kollege Robert Lieli und sie haben viele positive Reaktionen von den teilnehmenden Pflege- und Betreuungskräften zu diesem Projekt erhalten: „Man denkt weiter und es kommen von allein Impulse“ und „Einfach so einfach, aber trotzdem spannend“ sind nur zwei Beispiele dafür. Torsten Garrelts berichtet von einem Kommentar eines teilnehmenden Schülers beim Rausgehen: „Es war schön mit ihnen zusammen zu arbeiten.“ Auch den Senioren hat es sichtlich gefallen: Sie wirkten begeistert mit, erfreuten sich an den dargestellten Szenen und schwelgten in Erinnerungen an „früher“. 

Mehrgenerationen-Theater

Das Projekt „Generationen verbinden durch Theater – Pflegekräfte stärken“ bringt Menschen aus drei Generationen durch das Medium Theater in spielerischen Kontakt und Austausch miteinander. In 18 Grundschulen und Seniorenzentren im ländlichen Raum Niedersachsens führen Theaterpädagogen an zwei Tagen Workshops und Aufführungen bestehend aus drei Elementen unter Beteiligung von Grundschülern sowie Pflege- und Betreuungskräften in Seniorenzentren durch. Im ersten Element, einem Theaterworkshop, erarbeitet ein Team von zwei Theaterpädagogen mit einer Gruppe Grundschülern innerhalb von drei Stunden an einem Nachmittag einfache Spielformen des Playback-Theaters. In einem weiteren Theaterworkshop erlernt im zweiten Element eine Gruppe von Betreuungs- und Pflegekräften des beteiligten Seniorenzentrums an einem Vormittag die gleichen Spielformen des Playback-Theaters wie am Vortag die Kinder. Am Nachmittag findet dann als drittes Element eine einstündige Theateraufführung für die Bewohner des Seniorenzentrums, unter Beteiligung der Grundschüler und der Betreuungs- und Pflegekräfte statt. Die Theaterpädagogen moderieren die Aufführung und die Senioren können momentane Gefühle, Erfahrungen und Erinnerungen mit einbringen. Das Projekt wird durch den Landesverband Theaterpädagogik Niedersachsen e.V. mit Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft und Kultur Niedersachsen finanziert und ist für die beteiligten Grundschulen und Seniorenzentren kostenfrei. 

Playback-Theater nach Jo Salas und Jonathan Fox

Playback-Theater ist eine einzigartige Form des improvisierten Theaters. Es entsteht durch die Zusammenarbeit von Spielenden und Zuschauenden und schafft dadurch Raum für individuellen Ausdruck und direkte Begegnung. Momentane Gefühle, Assoziationen, Alltagserfahrungen, Träume, Visionen und Ideen aus dem eigenen Leben werden vom Publikum eingebracht und von den Spielern intuitiv und künstlerisch in Szene gesetzt. Die Eigenart jeder Person und ihrer Geschichte wird bestätigt und wertgeschätzt, während die zwischenmenschliche gemeinschaftliche Verbindung gestärkt und neu aufgebaut wird.

Text und Fotos: Simone Kaatze