Uchtes neues Bienen-Paradies

Uchte. Neuer „Hingucker“ in Uchte: Direkt am Eichenweg zieht seit einigen Wochen eine strahlend gelbe große Fahne die Blicke der Passanten auf sich. „Zur lustigen Biene“ ist über einem fröhlichen Bienenbild zu lesen. Darunter: „Bienenhonig aus eigener Herstellung“.  Das einladende Holzhäuschen unter der Flagge ist allerdings weder eine Kneipe noch ein Verkaufsstand: Es ist Heinz Sandmanns Imker-Domizil, in dem er auch gerne interessierte Gäste willkommen heißt. Der Uchter Unternehmer erfüllt sich mit seinem neuen Hobby einen langgehegten Traum: Schon seit Jahren befasst er sich mit der Imkerei – zunächst ausgiebig in der Theorie. Fachbücher und zahlreiche Gespräche mit erfahrenen Imkern legten den Grundstein für sein mittlerweile recht weit ausgebautes Wissen um dieses Thema. Nachdem Heinz Sandmann vor knapp zwei Jahren von seinem Mentor aus Nendorf sein erstes Bienenvolk geschenkt bekam, wagte er sich an die Praxis heran. Im vergangenen Jahr legte er sich ein weiteres Volk zu und freute sich im Herbst über eine stolze Ernte: Rund 120 Gläser füllte Heinz Sandmann mit seinem ersten Honig.

Jetzt startet er – mit inzwischen sieben Völkern – in seine zweite Imkersaison. Und wartet schon sehnsüchtig auf die nächste Ernte. „Meine Vorjahresbestände sind bereits so gut wie aufgebraucht“, berichtet der Jung-Imker mit gemischten Gefühlen. Natürlich freut sich Heinz Sandmann über die große Vorliebe für seinen Honig bei Familie, Freunden und Bekannten, doch für sein eigenes Frühstücksbrötchen wird der Honig-Genuss zu seinem Bedauern jetzt schmaler. „Aber nicht mehr lange“, tröstet er sich und kann die Zeit kaum abwarten.

Langweilig wird es jedoch für Heinz Sandmann bis dahin nicht: Die Pflege der Tiere ist umfangreich. Außerdem sind vier der Völker unterwegs. Sie sammeln Nektar auf Obstplantagen oder blühenden Feldern und müssen regelmäßig besucht oder umgesetzt werden. „Außerdem bin ich noch längst nicht auf dem Wissensstand, den ich anstrebe“, verweist er auf geplante weitere Recherchen in diesem Metier. Etliche Themen möchte er in ihren vielfältigen Details noch tiefer ergründen – beispielsweise die Bereiche Krankheiten oder Ursachen für Bienensterben, von dem immer häufiger zu hören und zu lesen ist. 

Der Laie hingegen ist schwer beeindruckt, wenn Heinz Sandmann von den Bienen erzählt. Daten und Fakten aus dem Leben im Stock, wo die Aufgaben interessant verteilt sind, hat sich der Imker im Vorfeld seiner Tätigkeit zu Hauf aus Büchern und Gesprächen angeeignet und kann jetzt sozusagen am lebenden Objekt Studien betreiben. „Ich möchte das Verhalten der Tiere noch besser kennenlernen“, nennt er ein Ziel bei seiner Arbeit. Doch immerhin erkennt er bereits schnell, wann man sich besser in Abstand zu den  Bienenstöcken begeben sollte. 

„Vor den Stichen habe ich allerdings immer weniger Angst“, beschreibt er eine Entwicklung, die ihn selbst erstaunt. Und so sieht man Heinz Sandmann auch an diesem Tag ohne die schützende Imkermontur an den Stöcken hantieren, als plötzlich eine Biene zusticht. Genau ins Ohrläppchen. Der Laie ist erschrocken, doch der Imker bleibt ganz gelassen, verstaut zunächst die Wabe, die er in den Händen hält, im Bienenstock und widmet sich erst dann seinem Schmerz, der bis dahin auch schon fast wieder verschwunden ist.

„Das gehört eben dazu“, sagt er augenzwinkernd und blickt über das große Areal zwischen Eichenweg und Hammer Kirchweg, wo zartes Grün heranwächst. Eine große Blumenwiese, ganz auf die Vorlieben der Nektarsammler ausgerichtet, hat Heinz Sandmann dort für seine Tiere angelegt, und zumindest die drei Völker, die vor Ort bleiben, können das reichhaltige Angebot dort voll und ganz genießen – ein Bienen-Paradies par excellence. Und genau an diesem Punkt gerät Heinz Sandmann ins Grübeln. „Ob eine Biene ihr Leben auch mal genießt, weiß ich nicht so ganz genau“, kommt er auf eine Frage zu sprechen, um die sich seine Gedanken ab und an drehen. „Wenn man bedenkt, dass eine Arbeitsbiene im Durchschnitt nur 35 bis 40 Tage lebt oder dass eine Biene zum Füllen eines Glases Honig dreimal den Äquator umrunden müsste, scheint es für diese Tiere offenbar nur Arbeit zu geben.“ Diesem Thema will der Jung-Imker in diesem Jahr auf den Grund gehen. 

Zu seinen Plänen zählt außerdem ein gläserner Schaukasten in einem Bienenstock, an dem man bei Bedarf die Seiten öffnen kann, um das Innenleben zu beobachten. Kindergartengruppen, Schulklassen und auch andere Interessierte sind Heinz Sandmann dann gern gesehene Gäste, die er von seinem Hobby begeistern möchte.

Seine Familie ist längst „infiziert“ von der Imkerei und unterstützt Heinz Sandmann gerne. Bester Beweis ist die große Fahne vor der Hütte. „Die hat mein Sohn entworfen und mir zu Weihnachten geschenkt“, freut sich der Imker und ist auch glücklich darüber, dass im heimischen Familienunternehmen mit Sven Sandmann die nächste Generation engagiert am Start ist und ihm die Zeit für sein neues Hobby ermöglicht.

Text und Fotos: Silke Schmidt