Alle reden über das Wetter – Vor-Vor-Frühling

Petershagen. Wie in jedem Jahr warten alle auf den Frühling. Warum warten, er hat doch schon im Februar begonnen! 

Auf der Nordhalbkugel beginnt der meteorologische Frühling offiziell am 1. März. Astronomischer Frühlingsbeginn ist am 20. oder 21. März. Der eigentliche Wintermonat Februar sorgte in diesem Jahr mit ca. 130 Sonnenstunden örtlich schon für Tagestemperaturen im zweistelligen Bereich. Das waren 30%  mehr Sonnenstunden als im Mittel. Die mittlere Temperatur in unserer Region lag fast 4,5 Grad über dem Durchschnitt. Ein normaler Vorgang — oder doch nicht? 

Schon Ende Februar war dieser Apfelbaum aus dem „Winterschlaf“ erwacht (Foto vom 25.2.).

Seit es Wetteraufzeichnungen gibt, hat es vereinzelt im Februar immer wieder solche „Ausreißer“ mit Temperaturen von mehr als 20 Grad gegeben. Ob dieses Phänomen dem Klimawandel zugeordnet werden kann, können selbst Fachleute nicht sicher sagen. Erwartet wird allerdings, dass solche Extremwerte in Zukunft häufiger auftreten.

Der Anfang Februar noch heftige Schneefall wurde zunächst durch Hochdruckgebiete abgelöst. Wenige Wolken sorgten tagsüber schon für frühlingshafte Temperaturen und nachts aber zum Teil für strengen Frost. Eine Folge von mehreren Sturmtiefs, die uns vom Atlantik her überquerten, stellten in der ersten Märzhälfte die angemessenen Verhältnisse für das Frühjahr wieder her. Die kurzeitige Warmluft auf den Vorderseiten dieser Tiefs wurde durch kalte, labile Meeresluft verdrängt. Die Folge war unbeständiges Wetter mit zum Teil schweren Sturmböen (Foto unten) und immer wieder kräftige Regenschauer, manchmal auch Graupel oder sogar Schnee. Selbst kurze Gewitter waren zu verzeichnen — Aprilwetter im März.

Namentlich im Gedächtnis ist vor allem das Sturmtief Bennet, das das Alaaf und Helau der Rosenmontagszüge etwas durchschüttelte. In den darauffolgenden Tagen schlossen sich in kurzer Folge die Sturmtiefs Cornelius, Dragi, Eberhard (das den Bahnverkehr in NRW für einige Zeit komplett stilllegte) und Franz an. Aber auch solche Lagen haben etwas Gutes. Der im vergangenen Jahr bis in eine Tiefe von 1,80 m ausgetrocknete Boden benötigt dringend Wasser. Der Februar lieferte nur 60 Prozent des Niederschlag-Solls. Insofern war und ist jeder weitere Regentropfen willkommen.

In der zweiten Februarhälfte setzte auch die Natur bereits sichere Zeichen für den Frühlingsbeginn, etwa mit der einsetzenden Pflanzen- und Baumblüte (Foto links) und der Rückkehr der Zugvögel aus ihren Winterquartieren. Im Stadtgebiet hatten sich schon zu dieser Zeit zahlreiche Störche eingefunden (siehe Seite 2). Unangenehme Begleiterscheinung für Pollenallergiker: Das frühzeitige Einsetzen und die hohe Konzentration des Pollenfluges, der die Bestäubung und damit die Fortpflanzung einer Pflanzenart sichert. Der Pollenflug ist stark wetterabhängig. Je stärker der Wind, desto mehr Pollen sind in der Luft. An einem sonnigen Tag kann die Pollenkonzentration der Luft um ein Mehrfaches des jeweiligen Schwellenwertes erreichen. Im Januar eröffnen Haselpollen die „Flug-Saison“. Im Februar kommen Erlenpollen dazu. Beide Pollenarten treten gemeinsam sehr verstärkt auf. Die Belastung nimmt erst ab Mitte März langsam ab. Dafür kommen fortlaufend weitere Arten hinzu (unter anderem Ulme, Weide und Pappel). Bei Allergikern kommt es (oft sehr heftig) zu einer Überreaktion des Immunsystems. Denn die Pollen wirken wie Fremdkörper, wenn sie in die Schleimhäute der Atemwege eindringen oder mit den Augen in Kontakt kommen.

Im Heisterholzer Forst haben die stürmischen Tage um Rosenmontag herum Spuren hinterlassen.

Text: Klaus-Peter Vogel, Fotos: Dietmar Meier