Lokales Wettergeschehen

Petershagen. Wenn es auf der anderen Weserseite heftig blitzte und donnerte, dürfte mancher von uns in Kindertagen den Satz von den Eltern gehört haben: „Keine Angst, das Gewitter kommt nicht über die Weser“. Ist da aus metereologischer Sicht eigentlich etwas dran?

Dass das Wetter selbst auf kurze Distanz wechseln kann, erleben wir immer wieder, auch bei uns. Das betrifft fast alle Wettersituationen, ob Gewitter, Niederschlag oder Nebel. Wie oft bin ich schon nach Minden gefahren und ab Grashoff regnete es, während es in Petershagen noch trocken war. Wer öfter mit dem Fahrrad auf dem Weserradweg von Petershagen nach Minden unterwegs ist, wird bei ruhigen Wetterlagen am späten Nachmittag oder frühen Abend sicher schon einmal die kleinräumigen Temperaturunterschiede gespürt haben, die auf dieser Strecke unvermittelt auf kurze Entfernung auftreten können. Woran liegt sowas?

Der Zustand der Atmosphäre – Luftdruck, Temperatur und Feuchtigkeit – wird auch von der Gestalt der Oberfläche und der Art der Bodenbedeckung beeinflusst, mal mehr, mal weniger. Wenn ausgedehnte Wetterfronten mit so gewaltigen Energien wie beim Sturmtief Friederike über uns hinweg ziehen, sind die örtlichen Gegebenheiten weit weniger von Bedeutung als bei einem vergleichsweise „ruhigen“ Wettergeschehen.

Das geographische Element mit dem größten Einfluss auf das Wettergeschehen in unserer Region ist zweifelsohne das Weser-Wiehengebirge. Bedingt durch den markanten Höhenunterschied zum Vorland und die langgestreckte Form stellt der Gebirgszug sogar eine richtige Wetterscheide dar (Bild oben).

Für Luftmassen, die aus Nordeuropa anströmen, bildet das Mittelgebirge ein erstes „Hindernis“. Das kann dazu führen, dass sich Wolken an den Bergen stauen und Niederschläge sich verstärken, zum Teil kann auch vermehrte Nebelbildung auftreten.

Bei Luftströmungen aus südwestlichen Richtungen können sich — vorausgesetzt die Luftmassen sind ausreichend feucht — durch die erzwungene Hebung über dem Weser-Wiehengebirge Wolken bilden, die dann durch den Staueffekt abregnen oder im Winter Schnee bringen. Auf der Nordseite der Gebirge (Minden, Richtung Petershagen) sinkt die Luft anschließend wieder ab und erwärmt sich dabei, mit der Folge, dass sich die Wolken oft auflösen.

Der nördliche Mittelgebirgsrand stellt auch eine markante Gewitterzugstraße dar. Insbesondere Gewitter, die von der Ems über Osnabrück kommen, ziehen vielfach am Nordrand des Wiehengebirges entlang. Andererseits teilen sich Gewitter auch gerne im Lee des angeströmten Gebirges (auf der windabgewandten Seite) in zwei Äste auf, ähnlich wie bei einem großen Stein in einem Bachbett, der das Wasser zwingt, seitlich vorbei zu fließen. Unmittelbar hinter dem Stein ist die Strömung ganz schwach. Seitlich davon aber wird das Wasser regelrecht „mitgerissen“.

Ein leicht erklärbares Wetterphänomen, das mit einem Gebirgsrücken wie dem Weser-Wiehengebirge zusammenhängt, ist eine zum Teil heftige Windzunahme, die immer dann auftritt, wenn der Wind durch einen Taleinschnitt wie die Porta Westfalica strömt. Im kleinen Maßstab kennen wir dieses Verhalten von Brückenunterführungen, wenn die Straße selbst auf einem Damm verläuft. Manche Windmühle im Mühlenkreis Minden-Lübbecke hat davon profitiert.

Und wie ist es mit dem anfangs angesprochenen Einfluss der Weser auf das Wettergeschehen? Für ein an eine Wetterfront gebundenes Gewitter ist ein Fluss überhaupt kein Hindernis. Das liegt an den gewaltigen Energien in solchen Wolken. Gleiches gilt für voll entwickelte Wärmegewitter. Aber im Sommer bilden sich gelegentlich rechts oder links der Weser auch mal kleinere Gewitter, die „standorttreu“ bleiben. Das hängt dann damit zusammen, dass die Luft durch die Abstrahlung vom Erdboden stellenweise stärker erwärmt wird als andernorts. Der Heisterholzer Wald auf der westlichen Weserseite und der Schaumburger Wald auf der Ostseite können dazu die Feuchtigkeit liefern, die ein Gewitter benötigt. Steht kein Feuchtenachschub von Boden mehr zur Verfügung und hat das Gewitter seine Energie verbraucht, löst es sich auf.

Text: Klaus-Peter Vogel, Foto: Dietmar Meier