Rückblick auf ein weiteres „verrücktes“ Wetterjahr

Petershagen. Im Jahr 2019 fallen sofort die Gemeinsamkeiten mit 2018 auf — im Gedächtnis bleiben zwei aufeinanderfolgende heisse Sommer. Menschen und Natur waren mächtig von dem zeitweiligen Hitzestress betroffen und die Trockenheit bereitete weitere Probleme. Das Grundwasser wurde vorübergehend sogar knapp. Wälder und die Landwirtschaft litten darunter gewaltig. In der Landwirtschaft stieg die Anzahl der Insolvenzen in 2019 um mehr als 20 Prozent gegenüber 2018. Schließlich sorgte der Herbst mit zahlreichen Niederschlägen für den ersehnten Ausgleich. 

Im Januar dominierten Tiefdruckgebiete unser Wetter. Am Nordrand der Mittelgebirge kam es in unserem Bereich zeitweise und örtlich zu länger anhaltenden Schneefällen. Es war nasskalt bei winterlichen Temperaturen. Insgesamt war der Januar aber dennoch zu mild. Nordrhein-Westfalen war das niederschlagsreichste Bundesland. Die letzte Januardekade bescherte uns mit Kaltluft des Hochs „Brigida“ für ein paar Tage Dauerfrost.

Auch im Wintermonat Februar war Schnee Mangelware. Die Mitteltemperatur wurde um mehr als 7 Grad übertroffen. 

Der Frühling zeigte sich sehr unterschiedlich. Der milde März lieferte die schweren Stürme „Bennet“ und „Eberhard“ in der ersten Dekade. Zwei Menschen wurden dabei durch umstürzende Bäume erschlagen. 

Im April gab es zu Ostern mehrere Sommertage mit Temperaturen über 25 Grad. Es folgte eine begrenzte Trockenheit. Die Temperaturen der ersten vier Monate diesen Jahres lagen jeweils über dem Durchschnitt.

Der Mai wurde in den meisten Regionen zu kühl und zu nass (anerkannte Bauernregeln). Insgesamt gesehen war der Frühling zu warm, aber die Regenmenge fast normal. Im Sommer sorgten Hochdruckgebiete mit zum Teil sehr heißer Luft für immer neue Temperaturrekorde. In NRW wurden rund 740 Sonnenstunden registriert, fast 75 Prozent mehr als normal. 

Der Juni bescherte uns in der dritten Dekade die erste große Hitzewelle des Jahres. Er war der wärmste und sonnigste Juni in Deutschland seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Geringer Niederschlag sorgte verbreitet für Trockenheit, Dürre und Wassermangel — der war auch hier in Petershagen deutlich zu spüren. Von Anfang bis Mitte des Monats gab es örtlich schwere Gewitter begleitet von Sturmböen, Starkregen und Hagel. Bei Bocholt (Münsterland) tobte ein Tornado mit Windgeschwindigkeiten bis zu 255 Kilometern pro Stunde. Er hinterließ riesige Schäden. Auch in der Mindener Südstadt deckte eine Böenwalze einige Dächer ab.

Eine weitere Hitzewelle erreichte uns Ende Juli. Fast täglich wurde die 40 Grad-Marke geknackt (Hundstage). Ein Team der WDR-Lokalzeitredaktion informierte sich hier im Ort über die meteorologischen Zusammenhänge. Lingen (Ems) stellte mit 42,6 Grad einen neuen deutschen Rekord auf. Wegen der hohen Temperaturen wurde der Lahder Badesee durch die Blaualgen wieder zum Problem für die Badegäste und bereits Mitte Juli gesperrt (Foto).

Die ersten 14 Tage im August waren wechselhaft: Angenehme trockene und sehr warme und feuchte Tage wechselten sich mehrfach mit kühleren Tagen ab. Zum Monatsende wurde es nochmal richtig heiß. Mit Beginn des meteorologischen Herbstes  am 1. September wurde die bestehende Hitze durch die Kaltfront des das Tiefs „Egbert“ beendet. Kühle und warme Luft wechselten sich stetig ab. Es zeigte sich ein wenig „Altweibersommer“. Das letzte Drittel des Monats brachte endlich den erhofften Regen. Aber leider noch nicht genug. 

Vom Sommer bleibt festzustellen: Wieder ein Rekordsommer! Die Temperaturen und Sonnenscheindauer lag deutlich über dem langjährigen Mittel. Die Dürre setzte sich im August trotz örtlicher kräftiger Gewitter fort. Die Regenperiode von Ende September reichte bis in den Oktober. Milde westliche Meeresluft verbunden mit Tiefdruckgebieten lieferten großflächig ergiebigen Niederschlag. Die wenigen trockenen Tage der zweiten Woche dagegen zeigten den „goldenen Oktober“ von seiner schönsten Seite. Aber auch der Oktober war insgesamt zu warm und auch viel zu nass. Im Mittel fielen rund 100 Liter pro Quadratmeter, der Normalfall beträgt 62 Liter pro Quadratmeter. Unsere Region partizipierte an den reichlichen Regenmengen. Ein Herbststurm mit schweren Böen hinterließ aber auch erhebliche Schäden. Der November zeigte sich nach dem bekannten Muster. Zwischen hohem Luftdruck über Osteuropa und Tiefdruck über Westeuropa sorgte feuchte und wolkenreiche Luft größten Teils für ruhiges und neblig-trübes Wetter. Aus dieser Bewölkung fiel zeitweise leichter Regen oder Sprühregen. Typisch waren auch kurze Sonnenabschnitte, Nebel-/Hochnebellagen, die bis in den späten Vormittag anhielten. Mit dem nächtlichen Aufklaren trat vereinzelt leichter Bodenfrost und damit Glättegefahr auf. Die Temperaturen reichten von Minuswerten bis nahe 10 Grad. Der Dezember wird wie in jedem Jahr zum Spekulationsobjekt in Sachen „weiße Weihnachten“ – ja oder nein?. Richtig ist, dass die Wahrscheinlichkeit für unsere Breiten, bei etwa 15 Prozent für „weiß“ liegt. Unbestritten ist auch, jede Vorhersage wird genauer je kleiner der Zeitabschnitt und das betroffene Gebiet ist. Also, wie im letzten Jahr: Nach Silvester wissen wir es ganz bestimmt!  

 Tex: Klaus-Peter Vogel, Fotos: Krischi Meier (1), Dietmar Meier (1)