Sommer vor der Tür

Petershagen. Der eine oder andere erinnert sich sicher noch an den Songtext von Rudi Carrell: „ein Sommer, wie er früher einmal war…“. Darin wünschte Carrell sich viel Sonnenschein von Juni bis September, weil diese Monate bei uns in der Vergangenheit oft relativ kalt waren und zu viel Regen zu bieten hatten – mit der Reaktion vieler Urlauber: „ab in den Süden“! Dass das nicht mehr uneingeschränkt stimmt, hat uns nicht erst der letztjährige warme und extrem trockene Sommer vor Augen geführt. Der Klimawandel ist auch hier angekommen.

Die Jahreszeiten entstehen, weil die Rotationsachse der Erde zur Ebene, in der die Erde um die Sonne kreist,  um 23,4 Grad geneigt ist. Die wechselnde Einstrahlung der Sonne, die sich im Jahresrhythmus stetig ändert, verursacht die unterschiedliche Temperaturverteilung auf der Erde, die wiederum das globale Wettergeschehen antreibt. Richtung Sommer erwärmen sich Atmosphäre und Ozeane auf der Nordhalbkugel kontinuierlich. Unser Gebiet liegt geographisch in den mittleren Breiten und wird überwiegend von maritimer Luft aus westnordwestlicher Richtung beeinflusst. Das sorgt vornehmlich für gemäßigte Temperaturen und eine unbeständige Wetterlage. Auch Großwetterlagen, die selbst Mitte Juni noch polare Kaltluft in unsere Breiten liefern und in Bauernregeln unter anderem als „Schafskälte“ bezeichnet werden, gehören bislang zum Sommerwetter. Auch der Witterungsablauf um den als „Siebenschläfer“ bekannten 27. Juni und die Folgezeit, wenn feuchte, kühle Meeresluft vom Atlantik nach Mitteleuropa geführt wird, ist hinreichend bekannt.

Das gesamte Großwettersystem scheint jetzt jedoch weltweit Veränderungen zu erfahren. Klimaforscher sehen einen Zusammenhang mit messbaren Umstellungen der Luftstömungen in der oberen Atmosphäre. Es bilden sich zunehmend Großwetterlagen heraus, die sich über vergleichsweise lange Zeiträume kaum oder nur träge verlagern und dabei für Extremwetter mit Hitze und Dürre wie 2018 oder sintflutartigem Regen als Kehrseite sorgen können.

Grade im Sommer stimmt unser persönliches Temperaturempfinden nicht immer ganz mit der Anzeige auf dem Thermometer überein. Das Stichwort ist hier „gefühlte Temperatur“. Und die hängt neben der tatsächlichen Lufttemperatur auch von anderen Wetterfaktoren wie der Luftfeuchtigkeit, dem Wind und der Sonneneinstrahlung ab. Dazu kommen auch menschliche Faktoren wie die Bekleidung und die Aktivität eines Menschen.

Bei sommerlichen Temperaturen muß der Körper oft Schwerstarbeit leisten, um die Körpertemperatur wirkungsvoll zu regulieren. Jeder Mensch gibt eine gewisse Wärmemenge pro Zeit an die Umgebung ab, durch Wärmestrahlung, durch Verdunstung auf der Haut und ein wenig sogar über die Atmung. Steht eine Person im Wind, wird sie bei gleicher Lufttemperatur stärker ausgekühlt als bei Windstille. Umgekehrt empfindet man in der Sonne stehend die Temperatur höher, da die Sonnenstrahlen die Wärmeabstrahlung des Körpers erschweren. Das gilt auch für eine hohe Luftfeuchtigkeit, die die körpereigene Verdunstung beeinträchtig. Besonders belastend ist entsprechend die Kombination von Feuchte und Wärme, die wir als Schwüle bezeichnen.

Text: Klaus-Peter Vogel, Foto: Krischi Meier