Wie ein Blitz aus heiterem Himmel

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Petershagen. Der Frühling ist in diesem Jahr ausgefallen. Schon im Mai war der Sommer da, mit Temperaturen auch über 25 Grad. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) verzeichnete den wärmsten Mai seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Dabei kam es auch immer wieder zu Wärmegewittern. Mehrfach gab der DWD in den vergangenen Wochen sogar Unwetterwarnungen vor heftigen Gewittern mit Sturm, Hagel und Starkregen heraus.

Wärmegewitter treten besonders nachmittags und abends auf, aber nicht flächendeckend, sondern nur punktuell. Starke Sonneneinstrahlung, die die bodennahe Luft aufheizt, löst die Wolkenbildung aus. Die labile Luft steigt vertikal auf, die Feuchtigkeit kondensiert und liefert damit die Energie. Mit einsetzender Bildung von Quellwolken, die aussehen wie ein Blumenkohl, wird die Feuchtigkeit in Höhen bis zu 10 Kilometer befördert. Dann „geht die Post richtig ab“. In der Wolke entwickeln sich Auf- und Abwindkanäle.  Man stelle sich ein System von Aufzügen vor. Es geht mit bis zu 110 Kilometern pro Stunde nach oben. Neben sehr kaltem noch flüssigem Wasser können dabei bis zu tennisballgroße Eiskristalle entstehen. Dabei wird ein elektrisches Spannungsfeld mit positiven und negativen Ladungen aufgebaut. 

Schließlich kommt es zu einem „Kurzschluss“. Der erste Blitz entsteht bei Gipfeltemperaturen von circa minus 28 Grad Celsius und sorgt für eine Entladung. Die Kaltluft stürzt Richtung Boden, wo die Temperatur stark abkühlt, begleitet von kräftigen Böen, Starkregen, Hagel, Graupel oder manchmal auch Schnee. Die Gewitterwolke (fachlich ausgedrückt ein Cumulonimbus), ist ein gewaltiger Turm, der an der Obergrenze oft wie ein Amboss aussieht. Tief schwarz nähert sich die Gewitterwolke dem Standort und löst oft eine Art Weltuntergangsstimmung aus, die vielfach Unbehagen auslöst.

Gewitter können das ganze Jahr über auftreten. In Deutschland werden jährlich mehr als zwei Millionen Blitze gezählt. Der Blitzkanal ist ungefähr fingerdick. Gut zu erkennen, wenn der Blitz einen Baum trifft. Kurzzeitig fließt eine Stromstärke bis zu 400.000 Ampere. Die Luft im Blitzkanal erhitzt sich auf circa 30.000 Grad Celsius, dehnt sich explosionsartig aus, es donnert.

Ist der Blitzeinschlag weiter als 18 Kilometer entfernt, ist kein Donner hörbar. Man spricht dann von Wetterleuchten. Eine Besonderheit ist das Elmsfeuer, das gelegentlich an hohen Kirchtürmen zu sehen ist. Es entsteht, wenn die Luftmoleküle aufgrund der hohen elektrischen Spannung kurz vor einem Gewitter aufleuchten.   

Jedes Jahr werden in Deutschland Menschen vom Blitz getroffen, einige sterben an den Folgen. Schon der Klang des Donners lässt Rückschlüsse auf die Entfernung eines Blitzes zu. In unmittelbarer Nähe ist das Geräusch ein heftiges Zischen. Mit zunehmender Entfernung geht das Geräusch in dumpfes Grollen über. Die Entfernung zum Gewitter kann man ungefähr schätzen. Man zählt die Sekunden zwischen Blitz und Donner und teilt die Zahl durch drei, das ergibt die Entfernung in Kilometer. Sind es weniger als sechs Sekunden sollte man sofort Schutz suchen.

Wie schützt man sich bei Gewitter?

Feste Gebäude bieten den besten Schutz, auch im Auto (bei geschlossenen Fenstern) und im Flugzeug ist man sicher. Im Freien sollte man freistehende Bäume, Türme, Metallzäune und Gewässer meiden. Sport im Freien kann schlimme Folgen haben. Rudern oder Schwimmen ist zu unterlassen. Tennisschläger wirken sogar wie Antennen. Im freien Gelände sollte man in einer Bodenmulde in die Hocke gehen, die Füße eng zusammenstellen und die Arme um die Beine schlingen. Flach auf den Boden legen ist dagegen falsch, da die „Angriffsfläche“ für den Strom hierbei zu groß wird.

Text: Klaus-Peter Vogel, Foto: Dietmar Meier