Einblick in den Alltag auf dem Hof

In den letzten Wochen haben wir unseren Stall schonmal auf den Winter vorbereitet. Die großen Tore wurden eingehängt – stehen aber doch meistens noch offen. Kühe kommen gut mit Kälte klar, mögen und vertragen aber keinen Zug. Mit den Toren und den „Jalousien“ an den Längsseiten des Stalles können wir unseren Stall von offen bis relativ geschlossen halten. Auch können wir gut auf unterschiedliche Witterungen und Windrichtungen reagieren. Wichtig ist es, bei möglichen Minusgraden reichlich vorhande Technik wie den Melkroboter vor dem Frost zu schützen. Deswegen haben unsere beiden Melkroboter auch gemauerte Umhausungen. Eine Seite muss offen bleiben, da die Kühe hier in den Melkstand rein und raus gehen. Dies hat in den letzten, recht milden Wintern meistens als Schutz ausgereicht. Sollten die Temperaturen tiefer fallen, können wir mit elektrischen Heizstrahlern die Technik punktgenau schützen.

Mittlerweile ist auch die Weidesaison für die Milchkühe beendet. Einige Trockensteher (Kühe kurz vorm Kalben, also im Mutterschutz) und ein paar Rinder sind jetzt – Anfang November – noch komplett auf der Weide. Routinearbeiten sind noch genug vorhanden. Unsere täglichen Arbeiten gliedern sich wie folgt: Morgens und abends große Stallrunde mit Versorgung und Kontrolle der Kühe, Rindern und Kälber (z.B. Füttern, Tränken). Weiter werden morgens und abends die Liegeboxen von möglichen Verunreinigungen gereinigt, mit Einstreu aufgefüllt und gerade gezogen, damit die Kühe gut und trocken liegen. Bei diesen Arbeiten beobachten wir die Kühe und Jungtiere – das Augenmerk gilt auch den Kühen, die sonst vollkommen autark im Stall unterwegs sind (ich nenne die gerne „Phantomkühe“). Weiter wird beobachtet, ob die Kühe brünstig sind, also ob eine Besamung ansteht. Its dies der Fall, melden wir telefonisch eine Besamung an und wählen einen passenden Bullen aus. Zur Besamung wird die Kuh kurzzeitig im Fressgitter festgesetzt. Auch für Tierarztkontrollen, routinemäßige Trächtigkeitskontrollen mit mobilen Ultraschallgeräten oder einfach das wöchentliche Waschen der Klauen erfordern das kurzzeitige Festsetzen. Da unsere Kühe durch den Melkroboter ihren Tagesablauf weitestgehend selber gestalten können, ist die Beobachtung für uns eine sehr wichtige Aufgabe. Frisst die Kuh ausreichend? Ist sie gut zu Fuß? Wie sieht sie insgesamt aus? Mit diesen Beobachtungen kann prophylaktisch gearbeitet werden. Wenn zum Beispiel eine Kuh schlecht aufstehen kann oder schlecht läuft, kontrollieren wir ihre Klauen, was meistens schnelle Besserung bringt. Dazu kommen circa alle sechs Wochen Klauenpfleger zu uns auf den Hof. Jeder Kuh werden mindestens einmal im Jahr die Klauen geschnitten  und gepflegt. Diese Beobachtungen finden mehrmals täglich statt. Hierbei ist der Blick aus dem Stallbüro über den Stall sehr gut. 

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Wer viel Technik hat, muss diese auch warten und pflegen – dies geschieht auch täglich. Genauso wird es mit den zahlreichen Daten, die der Roboter ermittelt, gehandhabt. Die Auswertung und Pflege der Daten und der Blick auf die entsprechenden Tiere sind unerlässliche, regelmäßige Arbeiten. Somit ergibt sich ein sehr guter Eindruck über das Wohlbefinden unserer Kühe und dient der Prophylaxe.

In den Wintermonaten finden, für gewöhnlich viele Fortbildungsveranstaltungen statt. Auch Schulungen zur Auffrischung für den Erhalt der unterschiedlichen Sachkundenachweise sind meistens hier angesiedelt – in dieser Zeit wohl eher online, was ja auch Vorteile hat (Zeitersparnis, höhere Aufnahme von Inhalten, etc.) Jedoch ist der Kontakt und der Austausch mit anderen Landwirten auch sehr wertvoll – wie in vielen anderen Branchen auch. Pflicht sind auch zahlreiche Bürostunden zur Dokumentation. Alles muss immer auf dem Laufenden sein.

Jedes geborene Tier bekommt in jedem Ohr zwei Doppelmarken mit einer Nummer eingezogen, mit welcher das Kalb angemeldet wird und ein Pass ausgestellt. Ohne Pass und Ohrmarken darf kein Rind den Betrieb verlassen. Vom Kalb bis zum Rind/Kuh beziehen die Tiere unterschiedliche Ställe auf unserem Hof. Die Gruppengröße wird größer, die Kälber wechseln gemeinsam den Stall und sind weiter zusammen im neuen Stall.

Auch wenn kein Tag wie der andere ist und sich voller Abwechslung gestaltet, finden sich doch immer wieder Strukturen und Kreisläufe vom Winter bis zum Herbst.

Text und Foto: Birte Teikemeier